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Keime: Kann Bargeld krank machen?

... fragt Leserin Martina V. aus Berlin. Wir liefern Fakten zur Keimbelastung von Scheinen und Münzen – und was sie für die Gesundheit bedeutet

von Konstanze Faßbinder, 06.12.2019
Wechselgeld in der Hand

Unsichtbare Passagiere: 3000 verschiedene Bakterienarten wurden weltweit auf Geldscheinen gefunden


Geld ist sicher nicht keimfrei. Deshalb tragen Bäcker oder Metzger, die selbst kassieren, vor dem Berühren der Lebensmittel oft saubere Handschuhe. Die in Studien ermittelte Keimbelastung von Geld hängt sehr von Herkunftsland und Untersuchungsmethode ab.

Nicht so dramatisch, wie häufig angenommen

Gerade auf kleinen Scheinen, die oft den Besitzer wechseln, fand man in Indien, aber auch in den USA mehrere Tausend Arten von Bakterien und Pilzen. Darunter waren auch Fäkal- und antibiotikaresistente Keime. Doch die meisten nachgewiesenen Arten sind für gesunde Menschen mit intaktem Immunsystem harmlos.

Drei typische Keime auf Scheinen und Münzen

Münzen haben eine glattere Oberfläche, oft aus Kupfer. Von dieser dachte man lange, sie würde antibakteriell wirken. Weil sich die Oberfläche mit der Zeit verändert, unterscheidet sich die Keimdichte auf alten Münzen nicht mehr von der auf Scheinen. Manche Keime werden durch Kupferionen außerdem nur im Wachstum gehindert. Gelangen sie auf eine lebensfreundlichere Oberfläche, können sie sich wieder besser vermehren.

Wie verkeimt Geld tatsächlich ist, lässt sich nur stichprobenartig feststellen. Türgriffe in öffentlichen Toiletten oder Haltestangen in Bussen, U- und S-Bahnen sind ähnlich belastet.

Experte Dr. Frank Mosel

"Nur ein Bruchteil der Keime bleibt auf den Fingern kleben"

Experte Dr. Frank Mosel erklärt im Interview, warum man Lebensmittel und Geld trotzdem voneinander getrennt halten sollt.

Herr Dr. Mosel, wie kann Geld krank machen?

Wenn jemand Bakterien von belastetem Geld an den Fingern hat und in Hackfleisch greift. Dort können sich Keime explosionsartig vermehren. Wird das Hack dann nicht gleich gegessen oder vorher erhitzt, ist es zum Verzehr ungeeignet.

Und wenn man das doch isst?

Manche Bakterien stellen Toxine her. Sie können sich in Lebensmitteln sammeln und zu akuten Vergiftungen führen. Der Klassiker ist Brechdurchfall, der schon eine halbe Stunde nach Verzehr auftreten kann, aber durch das Ausscheiden des Giftes rasch vergeht.

Wie hoch ist das Risiko?

Nur einem Bruchteil der Keime gelingt es, sich vom Geld abzulösen und auf den Fingern kleben zu bleiben: Selbst bei Abklatsch-Untersuchungen mit Spezialmedien im Labor können Experten von 1000 Keimen nur rund 100 nachweisen.

Die wenigen Keime, die auf die Haut gelangen, müssen noch durch Verschlucken oder eine Wunde in den Körper. Eine Infektion durch eine so geringe Zahl passiert in der Regel nur mit geschwächtem Immunsystem.

Andere Länder, andere Sitten

Wie man andernorts mit Bargeld umgeht

Der beste Hygiene-Tipp für den Alltag

Regelmäßiges, circa 30 Sekunden langes Händewaschen, auch vor und nach dem Essen, schützt am besten. Um rund 55 Prozent senkt es das Risiko für Atemwegsinfekte. So geht’s:

 

  • Hände bis zum Handgelenk befeuchten, überall einseifen.
  • Fingerspitzen, Daumen und Fingerzwischenräume nicht vergessen.
  • Gründlich abspülen und abtrocknen.

Fazit

Einige der auf Geld gefundenen Keime können theoretisch krank machen. Es gelang aber noch nicht, eine durch Geld ausgelöste Infektionskrankheit wissenschaftlich nachzuweisen.

Man kann Infektionsketten von Mensch zu Mensch rekonstruieren, indem man isolierte Bakterien genau typisiert. So lässt sich oft der erste Patient ermitteln. Aber Geld wechselt zu schnell den Besitzer, die Keimzusammensetzung ist deshalb nicht konstant.

Ob die Ansteckung durch das Geld oder auf einem anderen Weg passiert ist, kann später niemand sagen.

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oder per E-Mail an leserfrage@apotheken-umschau.de


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