Kalte Hände: Therapie und Selbsthilfe

Krankhaft kalte Hände brauchen gezielte Behandlung und besonderen Kälteschutz. Und: Was Sie selbst tun können, damit Ihre Hände wieder warm und gut durchblutet sind

von Andrea Blank-Koppenleitner, aktualisiert am 23.09.2014

Die Wärme mit den Händen einfangen: Gegen Eisfinger helfen unterschiedliche Maßnahmen


Krankhaft kalte Hände: Die Grunderkrankung bestimmt die Therapie

Ist eine Krankheit Ursache für kalte Hände, kommen zu frierenden, oft auch verfärbten Fingern in der Regel andere Beschwerden dazu. Nur bei wenigen Krankheitsbildern stehen kalte Hände als Hauptsymptom im Vordergrund, wie etwa beim Raynaud-Syndrom (siehe Kapitel "Ursachen: Raynaud-Syndrom") mit all seinen Facetten. Die Hände vor Kältereizen zu schützen ist dann das vordringliche Ziel. Handelt es sich um ein sekundäres Raynaud-Syndrom, zielt die Behandlung ebenfalls auf die zugrundeliegende Störung, etwa eine Bindegewebserkrankung, ab.

Sind die Hände aufgrund von Herzproblemen oder Stoffwechselstörungen mangeldurchblutet, setzen die Ärzte gezielt Medikamente und weitere notwendige Behandlungsmaßnahmen ein.

Wer den Eindruck hat, dass bestimmte Medikamente zu häufigem Frostgefühl in Fingern und Händen führen, muss immer seinen Arzt dazu befragen. Dieser wird gemeinsam mit seinem Patienten positive gegen unerwünschte Wirkungen abwägen. Eventuell ist es möglich, die Dosierung zu verändern oder das Präparat zu wechseln.

Lebensstil: Gefäßfreundlich bis in die Fingerspitzen

Menschen, die leicht kalte Hände bekommen, auch wenn es draußen warm ist, sollten zunächst einmal ihre Lebensgewohnheiten unter die Lupe nehmen. Denn viele als ungesund bekannte Verhaltensweisen beeinflussen auch die Gefäßregulation in den Händen negativ. Eine gestörte Durchblutung macht sich schnell an den Extremitäten, an Händen und Füßen, bemerkbar.

– Genussgifte meiden

Rauchen steht ganz oben auf der Liste der Gefäßschädiger. Koffeinhaltige Getränke und Alkohol wirken unter anderem auf das vegetative Nervensystem, dessen aktivierender Teil der sogenannte Sympathikus ist. Unter seinem Einfluss ziehen sich gerade die Gefäße in den Händen stark zusammen. Also: Konsequenter Rauchstopp ist der erste, wichtige Schritt.

– Sich regelmäßig bewegen

Bewegungsmangel lässt das Blut schlechter zirkulieren. Sport und körperliche Aktivitäten stärken Herz und Kreislauf und schenken rundum Vitalität. Holen Sie sich gute Tipps für Einsteiger und Fortgeschrittene im Spezial "Sport".

– Sich ausgewogen ernähren

Wer einseitig oder unzureichend isst, dem fehlen oft wichtige Vitamine und Mineralien. Ein Mangel an B-Vitaminen, Kalzium, Kalium und Magnesium zum Beispiel kann ein Grund für blutarme, kalte Hände sein. Das Gegenprogramm bildet eine gesunde Ernährung. Sie besteht aus täglich viel Gemüse, Obst, Vollwertprodukten, aus weniger, aber dafür hochwertigem Fett, und sie enthält weniger Gesamtkalorien.

Auch zu wenig trinken hat Folgen. Das Blut verdickt, die Finger spüren den schlechteren Blutfluss. Greifen Sie also immer öfter zu Mineralwasser, Kräuter- oder Früchtetees, nicht nur Ihren Händen zuliebe. Wer Herz- oder Nierenprobleme hat, sollte allerdings die tägliche Trinkmenge mit seinem Arzt absprechen.

– Stress herunterfahren, psychische Belastungen klären

Die Hormone Adrenalin und Noradrenalin werden in Stresssituationen vermehrt aktiv und ziehen unterschiedlichste Reaktionen im Körper nach sich. Unter anderem verengen sich die Muskeln der feinen Handgefäße. Entspannungsmethoden bringen Ausgleich, Programme zum Stressabbau zeigen neue Wege auf. Wer damit nicht weiter kommt, sollte sich nicht scheuen, psychotherapeutische Hilfe in Anspruch zu nehmen.

– Schlafmangel beheben

Wer müde ist, friert leichter. Die Körpertemperatur sinkt unter Hormoneinfluss abends ab, damit wir besser schlafen. Morgens steigt sie wieder. Schlafstörungen haben auf Dauer Folgen für viele Körperfunktionen. So geraten unter anderem Herzschlag, Blutdruck, Hormone und die Körpertemperatur durcheinander. Die Hände bekommen die Auswirkungen vielfältig zu spüren.

Selbsthilfetipps gegen frostige Finger

  • Den ganzen Körper warm halten: Handschuhe allein genügen nicht immer. Wem leicht kalt wird, der sollte auch auf warm eingepackte Füße achten und den ganzen Körper gegen kühlen Wind und Luftzug abschirmen. Angepasste Kleidung hilft, die Eisluft verbreitende Klimaanlage im Sommer abstellen meist auch. In den Zimmern sollte die Luft nicht zu feucht und nicht zu trocken sein.
  • Handschuhwärmer gegen Gefäßkrämpfe: Wer an einem Raynaud-Syndrom leidet, benötigt oft extra warm gefütterte Fäustlinge oder spezielle Taschen- beziehungsweise Handschuhwärmer.
  • Hände lieben es trocken: Kommen die Hände viel mit Wasser in Berührung, etwa bei der Arbeit, schützen Arbeitshandschuhe vor längerer Nässeeinwirkung und zudem gegen chemische Stoffe, zum Beispiel aus Putzmitteln. Nach der Arbeit, nach dem Waschen oder Schwimmen heißt es, die Hände immer gut abtrocknen.
  • Handgymnastik und Massagen: Sie regen die Durchblutung an und halten die Gelenke beweglich.
  • Handpflege: Täglich eincremen und die Nägel richtig pflegen – damit beugen Sie Hautschäden und Gesundheitsproblemen an den Händen vor. Gute Tipps dazu finden Sie in unserem Spezial "Hände".