Kalte Hände – Ursachen: Psychische und psychosomatische Erkrankungen

Die Psyche beeinflusst Nerven und Hormone und so auch die Durchblutung. Kalte Hände können bei Ängsten, Depressionen, Essstörungen oder Schmerzkrankheiten auftreten

von Andrea Blank-Koppenleitner, aktualisiert am 23.09.2014

Depression und Angst: Wenn die Seele fröstelt, frieren auch oft die Hände


Klamme Hände bei Stress, Ängsten oder Depressionen

Schweißkalte Hände vor Aufregung, frierende Glieder in Phasen seelischer Niedergeschlagenheit, blutleere, eisige Finger während einer Panikattacke: Unter Stresseinfluss und seelischer Belastung reagiert der Körper jeweils gezielt, indem er bestimmte Funktionen ankurbelt, andere herunterfährt. So rüstet er den Menschen seit Urzeiten in akuten Stressmomenten gut für Flucht oder Angriff. Die Muskeln sind dann angespannt, das Herz schlägt schneller. Stresshormone wie Adrenalin und Noradrenalin werden ausgeschüttet. Unter ihrem Einfluss stellen sich die Gefäße je nach Bedarf eng oder weit. Dauerhaft erhöhte innere Anspannung kann schließlich über mehrere Wege zu verengten Gefäßen in den Extremitäten führen. Die Hände sind oft kalt oder klamm.

– Angststörungen

Im Rahmen von Angsterkrankungen auftretende Panikattacken gehen mit ausgeprägten, als bedrohlich erlebten körperlichen Beschwerden einher.

Symptome: Einen Panikanfall kennzeichnen häufig Herzrasen, Schwindel, Brustenge, Atemnot, Schweißausbrüche. Kalte, feuchte Hände gehören oft dazu, besonders wenn die Betroffenen hyperventilieren. Sie atmen dann in schneller Abfolge ein und aus und geben dadurch mehr Kohlendioxid als üblich nach außen ab. Die Folge ist ein Kalziumungleichgewicht zwischen Blut und Geweben und eine erhöhte Neigung zu Krämpfen, auch an Händen und Füßen.

Ausführliche Informationen zu Angst und Angsterkrankungen finden Sie im Ratgeber "Angst".

– Depressionen und andere psychische Erkrankungen

In Phasen anhaltender seelischer Belastung und depressiver Verstimmung verschiebt sich ebenfalls die Hormonausschüttung. Die Aktivität von Nervenbotenstoffen im Gehirn und im vegetativen Nervensystem ist verändert. Das wirkt sich auf viele Körperfunktionen aus, so auch auf Kälte- und Wärmeempfinden und auf die Durchblutung. Vielfach erleben Menschen, die an einer Depression oder an einer anderen psychischen Erkrankung leiden, neben den jeweils kennzeichnenden seelischen Symptomen auch zahlreiche körperliche Beschwerden. Manche frieren insgesamt leichter und haben häufig kalte Hände und kalte Füße.

Über Ursachen, Symptome, Diagnose und Therapie informiert Sie der Ratgeber "Depressionen".

Kalte Hände und Füße durch Essstörungen

Essstörungen sind psychiatrische Erkrankungen, die durch ein verzerrtes Selbstbild und ein ausgeprägt gestörtes Essverhalten gekennzeichnet sind.

– Magersucht

Nachhaltig und lebensbedrohlich auf die körperliche Gesundheit wirkt sich der massive Gewichtsverlust aus, in den eine Magersucht führt. Es kommt zu Störungen im vegetativen Nervensystem und im Hormonhaushalt. Der Elektrolythaushalt gerät durcheinander, es entsteht ein schwerwiegender Mangel an Mineralstoffen.

Körperliche Symptome: Starke Gewichtsabnahme, Ausbleiben der Regelblutung bei Frauen, bei Männern Potenzstörungen. Zu den zahlreichen Beschwerden gehören unter anderem Herzrhythmusstörungen, Muskelabbau, Kälteempfindlichkeit, kalte Hände und Füße, Haarausfall.

Lesen Sie mehr dazu im Ratgeber "Magersucht (Anorexie)".

– Ess-Brech-Sucht (Bulimie)

Bei einer anderen Essstörung, der Bulimie, erleiden die Betroffenen Heißhungerattacken, die sie durch anschließendes Erbrechen wieder auszugleichen versuchen. Sie entwickeln wie Magersüchtige ebenfalls deutliche Symptome einer Mangelernährung, obwohl sie häufig nicht so extrem untergewichtig sind.

Eingehend hierzu informieren Sie der Ratgeber "Bulimie (Bulimia nervosa)" und das Spezial "Essstörungen – Kampf gegen den eigenen Körper".

Fibromyalgie-Syndrom: Chronische Schmerzen und frierende Hände

Ständige Muskel- und Gelenkschmerzen stehen bei dieser komplexen Erkrankung im Vordergrund. Die Ursachen für die Schmerzen und vielfältige andere Beschwerden sind noch nicht geklärt. Geschädigte Nervenfasern sowie eine familiäre Veranlagung können eine Rolle spielen. Ein Teil der Betroffenen hat oder entwickelt Depressionen.

Symptome: Heftige Gelenk- und Muskelschmerzen in verschiedenen Körperbereichen, auch an Armen und Beinen, sind charakteristisch. Am Morgen sind Füße und Hände geschwollen und die Gelenke für etwa eine Viertelstunde steif. Müdigkeit und dennoch Schlafprobleme sind ebenfalls typisch. Es treten vielfach auch Magen-Darmprobleme, Konzentrationsstörungen, Frieren sowie kalte Hände und Füße auf.

Weiteres zu Symptomen, Ursachen, Diagnose und Therapie erfahren Sie im Ratgeber "Fibromyalgie (Fibromyalgie-Syndrom)".