Kalte Hände – Diagnose: Wie der Arzt vorgeht

Hinweise auf die Ursache kalter Hände geben dem Arzt zusätzliche Symptome und die Form der Kälteempfindlichkeit. Wichtig auch: bestehende Krankheiten, Lebensumstände

von Andrea Blank-Koppenleitner, aktualisiert am 31.10.2018
Puls fühlen

Körperliche Untersuchung: Der Arzt prüft unter anderen auch den Puls


Kalte Hände: Wann zum Arzt?

Wer häufig bei gemäßigten Temperaturen an den Händen, eventuell auch an den Füßen friert oder wer besonders empfindlich auf Kälte reagiert, sollte immer einen Arzt aufsuchen. Warnzeichen können zusätzlich sein:

Der erste Ansprechpartner wird in der Regel der Hausarzt sein. Sollten jedoch zu plötzlich auftretenden kalten Händen Schweißausbrüche, Schmerzen im Brustbereich und möglicherweise Atemnot kommen, heißt es, unverzüglich den Notarzt rufen, um zum Beispiel einen Herzinfarkt auszuschließen. Ähnliche Symptome können aber auch Ausdruck eines Panikanfalls bei einer Angststörung sein.

Wegweisend bei kalten Händen: Beschwerdebild und körperliche Untersuchung

Die Krankengeschichte ist dem Hausarzt beziehungsweise dem Internisten zwar meist schon bekannt. Er wird aber nachfragen, was sich seit dem letzten Arztbesuch verändert hat, wie die aktuellen Lebensumstände aussehen.

Wesentlich ist es für ihn zu erfahren, wie sich die Beschwerden äußern, wann sie auftreten und welche anderen Symptome sonst noch auffallen. Wichtige Informationen sind zudem, ob der Patient raucht, unter starkem Stress steht, unter Schlafstörungen und/oder Ängsten leidet oder maßgeblich abnehmen möchte.

Blutdruck messen

Eine erste körperliche Untersuchung mit Blutdruckmessen gibt häufig schon Hinweise, zum Beispiel auf einen niedrigen Blutdruck. Der Arzt wird sich Finger und Hände genau ansehen. Er prüft, ob und wie sich Nägel und Haut verändert oder verfärbt haben, ob Schwellungen aufgetreten sind.

Zur körperlichen Inspektion gehören darüber hinaus Pulsmessungen, das Abhören wichtiger Gefäßbahnen sowie Blutdruckmessen an beiden Oberarmen, eventuell auch an beiden Unterschenkeln.

Klinische Tests wie zum Beispiel die Faustschlussprobe oder einen Kälteprovokationstest setzt der Arzt eventuell ein, um typische Reaktionen bei einem Raynaud-Syndrom abzuklären.

Eine weitere Untersuchungsmethode, um die Durchblutung der Hände zu überprüfen, ist der sogenannte Allen-Test. Dabei drückt der Untersucher die Arterien am Handgelenk ab. Der Patient öffnet und schließt die Hand solange, bis die Handfläche weiß wird – die Blutzufuhr ist kurz unterbrochen. Nimmt der Arzt den Druck von einer der beiden Arterien, wird die Handfläche nach fünf bis sieben Sekunden wieder durchblutet und zeigt sich rosig. Er wiederholt dann den Test mit der anderen Arterie.

Sprechstunde Ärztin berät Patientin mit Kopfschmerzen

Gegebenenfalls überweist der Hausarzt seinen Patienten an einen Internisten, der auf ein bestimmtes Fachgebiet spezialisiert ist. Infrage kommt möglicherweise ein Facharzt für Gefäßerkrankungen (Angiologe), ein Diabetologe, ein Herzspezialist (Kardiologe) oder ein Rheumatologe.

Je nach Beschwerdebild und Untersuchungsverlauf kann der Hausarzt auch einen Hautarzt (Dermatologen), einen Nervenarzt (Neurologen) oder einen Orthopäden hinzuziehen. Stehen psychische Probleme im Vordergrund, ist häufig ein Psychiater beziehungsweise Psychotherapeut gefragt.

Apparative und bildgebende Untersuchungen in der Diagnose frierender Hände

Ob es in den Fingern Durchblutungshindernisse gibt, kann der Gefäßspezialist (Angiologe) über Lichtsignale bei der sogenannten Lichtplethysmografie erkennen.

Angiologen wenden noch weitere Verfahren an, um den Zustand der Blutgefäße, die Arm und Hand versorgen, zu überprüfen. Das können, je nach Verdacht, Röntgenaufnahmen mit Kontrastmittel (digitale Subtraktionsangiografie) sowie weiterführende Darstellungen der Arterien mit Hilfe von computertomografischer Angiografie (CTA) und Kernspintomografie (MRT-)Angiografie sein.

Untersuchung

Die Kapillarmikroskopie lässt mögliche Durchblutungsstörungen in den feinen Gefäßen (Kapillaren) am Nagelfalz erkennen.

Zusätzlich geben Messungen mit Wärmebildkameras (Thermografie) Einblick, wie gut oder schlecht einzelne Finger- und Handbereiche durchblutet sind. Solche Verfahren setzen die Fachärzte vor allem auch ein, wenn Verdacht auf ein Raynaud-Syndrom besteht.

Laboruntersuchung

Labortests bei kalten Händen und Fingern

Blutuntersuchungen im Labor geben Hinweise auf entzündliche Vorgänge. Bestimmte Antikörper lassen sich jeweils bei rheumatischen Erkrankungen oder Bindegewebserkrankungen wie der Sklerodermie nachweisen.

Die Ärzte werden bei Durchblutungsstörungen je nach Verdacht auch einem eventuell noch nicht bekanntem Diabetes oder einer Herzerkrankung durch entsprechende Untersuchungen nachgehen.

Die Therapie folgt der Diagnose und zielt darauf ab, die Ursache zu behandeln. Oft bessern sich damit die Symptome. Gleichzeitig helfen in vielen Fällen geeignete Maßnahmen, die Durchblutung in den Händen zu verbessern und Kältegefühl oder -attacken zu lindern (siehe auch in den Kapiteln "Raynaud-Syndrom" und "Therapie, Selbsthilfe").