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Was Sie zur Gürtelroseimpfung wissen sollten

Für alle Menschen ab 60 ist die Impfung gegen Gürtelrose seit Mai 2019 Kassenleistung. Wer sich impfen lassen sollte und was man dabei beachten muss, erfahren Sie von Dermatologe Professor Gross

von Dr. Julian Hörner, 16.07.2019

Herr Professor Gross, die Krankenkassen zahlen nun für bestimmte Personengruppen die Impfung gegen Herpes Zoster, auch bekannt als Gürtelrose. Wer sollte sich gegen Gürtelrose impfen lassen?

Alle Personen ab 60 Jahren sollten sich standardmäßig gegen Gürtelrose impfen lassen. Es gibt aber auch Personen, die die Kosten für die Impfung schon ab 50 Jahren erstattet bekommen. Beispielsweise, wenn bei ihnen eine Immunschwäche, rheumatoide Arthritis oder Diabetes vorliegt und damit das Risiko erhöht ist, dass sie an Zoster erkranken. Wichtig ist dabei: Man muss sich unbedingt zweimal impfen lassen. Nur dann wirkt die Impfung.

Univ. Prof. em. Dr. med. Gerd E. Gross

Kann man sich auch impfen lassen, wenn man bereits eine Windpockenimpfung erhalten hat oder schon einmal an Gürtelrose erkrankt ist?

Ja, ich würde beides dringend empfehlen. Die Impfung ist übrigens auch sinnvoll für Menschen, die Gerinnungshemmer einnehmen. Denn sie verringert das Restrisiko, einen Schlaganfall zu erleiden, den das Zoster-Virus auslösen kann.

Ich bin sogar der Ansicht, die Impfung für alle ab 50 zu empfehlen. Denn wir wissen heute, dass Herpes Zoster ab einem Alter von 50 Jahren häufiger auftritt als früher. Falls noch jüngere Menschen an Gürtelrose erkranken, kann das auf eine Immunschwäche hindeuten und ist für uns ein Hinweis, um nach HIV zu suchen.

Momentan gibt es zwei Impfstoffe auf dem Markt: Der Lebendimpfstoff ist schon länger zugelassen. Der Totimpfstoff ist neuer, wird von der Ständigen Impfkommission (Stiko) empfohlen und nur dieser wird von den Kassen erstattet. Nur was ist, wenn man bereits eine Impfung mit dem Lebendimpfstoff erhalten hat? Ist es sinnvoll, sich zusätzlich mit dem neuen Totimpfstoff impfen zu lassen?

Ja, denn der Totimpfstoff ist einfach viel besser als der Lebendimpfstoff. Es ist eher die Frage, wann man das macht, da dazwischen ein gewisser Abstand liegen sollte. Nur wie lange muss man dann warten – Monate, Jahre? So ganz klar ist das hierzulande noch nicht. Ich finde, man sollte in Deutschland schon nach zwei Monaten die Impfung mit dem Totimpfstoff wiederholen, wie auch in den USA empfohlen. Man kann nach der ersten Lebendimpfung auch mit der Totimpfung weitermachen. Aber man muss die Impfung auch dann zweimal geben.

Wie verträglich ist die Impfung?

In den klinischen Studien ist keine schwere Nebenwirkung gefunden worden. Allerdings sind sogenannte Lokalreaktionen doch sehr häufig, bei denen es zu Schmerzen oder einer Rötung und Schwellung rund um die Einstichstelle kommt. In jedem zehnten Fall können auch stärkere Nebenwirkungen wie beispielsweise Müdigkeit, Muskelschmerzen und Kopfschmerzen auftreten – in einigen Fällen auch erhöhte Temperatur. Das sollte aber maximal zwei Tage dauern.

Kann eine Impfung helfen, wenn man aufgrund einer Zoster-Erkrankung unter starken Schmerzen leidet?

Die Herstellerfirma gibt an, dass es sich hier um einen Impfstoff handelt, der nicht zur Therapie bei einer sogenannten Neuropathie benutzt werden kann. Und weder die Studienlage noch meine eigenen Erfahrungen weisen momentan darauf hin, dass ein Impfstoff auf eine Zoster-Neuropathie direkt Einfluss nehmen kann.

Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann eine ärztliche Beratung nicht ersetzen. Bitte haben Sie Verständnis, dass wir keine individuellen Fragen beantworten.