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Glaukom (grüner Star): Ursachen und Risikofaktoren

Viele Faktoren setzen Augen „unter Druck“. Daraus leitet sich die Einteilung des Glaukoms in verschiedene Formen ab

aktualisiert am 10.09.2018
DNA-Spirale

Neben anderen Faktoren begünstigen Veranlagung und höheres Lebensalter Glaukomerkrankungen


Glaukom: Der Sehnerv nimmt Schaden

Der grüne Star oder das Glaukom beruht auf verschiedenen Ursachen. Daher ist die Bezeichnung "Glaukom" ein Überbegriff für unterschiedliche Formen des grünen Stars. Ihnen gemeinsam ist, dass meist ein individuell erhöhter Augeninnendruck und / oder eine Durchblutungsstörung des Sehnervs vorliegt. In der Folge werden Nervenfasern des Sehnervs unwiederbringlich geschädigt. Häufig sind beide Augen betroffen, aber im Allgemeinen zeitversetzt.

Ein Glaukom ist nicht schmerzhaft, den eher seltenen "Glaukomanfall" ausgenommen. Ausfälle im Gesichtsfeld (Skotome) machen sich erst spät bemerkbar. In der westlichen Welt bleibt etwa die Hälfte der Glaukomerkrankungen unerkannt, in den Ländern der dritten Welt und den Schwellenländern sind es noch erheblich mehr.

Glaukom (Schematische Darstellung)

Auf den Kammerwinkel im Auge kommt es an

Das Kammerwasser baut den Augeninnendruck auf, der Abfluss reguliert den Druck. Hauptaufgaben des Kammerwassers: Es ernährt Augenlinse und Hornhaut und erhält die Form des Augapfels aufrecht. Gebildet wird die Flüssigkeit vom sogenannten Ziliarkörper in der hinteren Augenkammer. Von dort aus umfließt und benetzt das Kammerwasser die Augenlinse. Durch die Pupille strömt es in die Vorderkammer des Auges zwischen Regenbogenhaut und Hornhaut, wo es ebenfalls benetzend wirkt. Über das geflechtartige Gewebe im Kammerwinkel fließt der größte Teil ab und gelangt in den allgemeinen Blutkreislauf (siehe auch Grafik im ersten Kapitel "Glaukom (grüner Star)" in diesem Beitrag).

Glaukom: Primär oder sekundär?

Je nachdem, welche Ursachen vorliegen, unterteilen Augenärzte die Glaukomerkrankung in primäre und sekundäre Formen. Anders als sekundäre Glaukome treten primäre Formen spontan, ohne greifbare Ursache auf. Sie entstehen fast immer beidseitig. Oft entwickelt sich ein Glaukom auch am anderen Auge, mit zwei bis fünf Jahren Verspätung.

Offen- oder Weitwinkelglaukom

Primäre Glaukome sind überwiegend Offenwinkelglaukome, also Glaukome bei offenem Kammerwinkel. Das Kammerwasser fließt hier trotz des offenen Kammerwinkels zu langsam ab. Der Augeninnendruck ist meist zu hoch, er übersteigt bei mehr als 70 Prozent der Betroffenen 21 mmHg. Die Erkrankung schreitet langsam voran. Es gibt auch sekundäre Offenwinkelglaukome. Ein Beispiel ist das sogenannte PEX-Glaukom (siehe weiter unten).

! Weitere Risikofaktoren des primären Offenwinkelglaukoms: Ab 40 Jahren steigt die Häufigkeit an. Erhöht ist das Risiko auch, wenn Eltern oder Geschwister betroffen sind. Ist ein Auge am Glaukom erkrankt, so neigt das andere ebenfalls dazu. Auch dies weist auf erbliche Faktoren hin.

Sonderfall: Normaldruckglaukom

Ein Teil der an einem primären Offenwinkelglaukom erkrankten Patienten hat im Vergleich zur Normalbevölkerung keinen erhöhten Augeninnendruck. Diese Situation wird Normaldruck- oder Niederdruckglaukom genannt. Dass sich hier dennoch eine für das Glaukom typische Schädigung am Sehnervenkopf entwickeln kann, kann zum einen an einem individuell für das betroffene Auge zu hohen Augeninnendruck liegen. Zum anderen wird eine instabile Durchblutung des Sehnervs vermutet.

Augenärzte gehen in diesem Zusammenhang mitunter von einer Regulationsstörung der Gefäße oder einer primären vaskulären Dysregulation (PvD) als Risikofaktor aus. Sie kann mit einem stark schwankenden Blutdruck verbunden sein und das Sehnervengewebe dabei Schaden nehmen. Frauen neigen häufiger zu einer PvD als Männer. Nicht selten reagieren die Betroffenen besonders empfindlich auf verschiedene innere und äußere Reize, die die Kreislaufregulation beeinflussen. Migräne und kalte Hände können Hinweise sein.
Letztlich gilt aber auch beim Normaldruckglaukom, dass das Hauptproblem ein individuell zu hoher Augeninnendruck ist. Daher wird es ebenfalls mit einer den Augeninnendruck senkenden Therapie behandelt (siehe Kapitel "Glaukom: Therapie").

Kurzsichtige mit Brille

Seltenes Winkelblockglaukom

Beim viel selteneren Engwinkelglaukom ist der Kammerwinkel zu eng und kann durch die anliegende Regenbogenhaut akut blockiert werden. Solche Glaukome können als akuter "Glaukomanfall" (Winkelblock) mit einem sehr hohen Augeninnendruck in Erscheinung treten – ein Notfall. Sie können aber auch (unbehandelt) wiederholt und in abgeschwächter Form Beschwerden bereiten, wobei eine Entgleisung in einen akuten Anfall jederzeit möglich ist. Sehr selten verlaufen Winkelblockglaukome chronisch, etwa durch Verklebungen des Kammerwinkels nach einem "Glaukomanfall", und können so den Sehnerv schädigen.

Unter anderem erhöht ein kurzer Augapfel (Weitsichtigkeit) das Risiko eines akuten "Glaukomanfalls" bei engem Kammerwinkel.

Auch ein fortgeschrittener grauer Star (fortgeschrittene Linsentrübung, Katarakt) begünstigt durch die vergrößerte Linse einen akuten Winkelblock, wenn der Kammerwinkel zu eng ist. Außerdem können plötzliche spontane Pupillenerweiterungen, etwa bei Angst, Schreck oder in der Dunkelheit, hier einen "Glaukomanfall" auslösen.

Einige Medikamente können bei engem Kammerwinkel ebenfalls einen akuten Winkelblock provozieren, beispielsweise bestimmte Antidepressiva, Antihistaminika (Antiallergika) oder Präparate gegen Schwindel, außerdem eine medikamentöse Pupillenerweiterung.

Was ist ein PEX-Glaukom?

Die häufigste Form aller sekundären (Offenwinkel-)Glaukome – in Deutschland erkrankt etwa zehn Prozent der Bevölkerung über 60 Jahre – stellt das Pseudoexfoliationsglaukom (PEX-Glaukom) dar. Zugrunde liegt eine erbliche Störung der elastischen Fasern des Bindegewebes, das sogenannte PEX-Syndrom. Es kommt zu einer Anreicherung faserigen Materials. In der Folge können sich feinste Partikel auf allen Strukturen des vorderen Augenabschnittes ablagern, auch an der Augenlinse und am Pupillenrand. Der Augeninnendruck kann deutlich ansteigen, wobei häufig auch Druckschwankungen auftreten. Die Ablagerungen können beim PEX-Syndrom aber nicht nur im Auge entstehen, sondern auch an anderen Organen, etwa an der Haut oder den Gefäßen.

Charakteristisch sind nicht nur die häufig sehr hohen Druckwerte selbst, sondern auch eine spezifische Empfindlichkeit des Sehnerven, eine niedrige Drucktoleranz also. Sie ist bedingt durch die reduzierte Elastizität des Gewebegitters, durch das die Sehnervenfasern aus dem Augapfel hindurchtreten.

Verschiedene Augenkomplikationen mit Sehverschlechterung sind möglich, darunter ein grauer Star (Katarakt) oder eine Linsenverlagerung ("Linsenschlottern"). Außerdem spielt wohl auch eine erhöhte Empfindlichkeit des Gewebes gegenüber bestimmten Stoffwechselfaktoren (oxidativer Stress) bei der Erkrankung eine Rolle. Obwohl die erbliche Veranlagung beide Augen betrifft, ist meistens ist ein Auge stärker als das andere betroffen.

Andere sekundäre Glaukome und ihre Ursachen

Entwickelt sich ein Glaukom im Zusammenhang mit bestimmten Krankheiten oder Verletzungen des Auges oder auch mit verschiedenen Allgemeinerkrankungen, dann handelt es sich ebenfalls um sekundäre Glaukome, häufig Offenwinkelglaukome. So können Blutreste, die den Abflussweg des Kammerwassers verstopfen, ein Glaukom nach sich ziehen.

Ähnlich verhält es sich bei bestimmten Entzündungen im Auge, etwa der Regenbogenhaut (sie grenzt an den Kammerwinkel und geht in diesen über) oder des Ziliarkörpers. Das Ziliarkörpergewebe liegt in der hinteren Augenkammer und produziert das Kammerwasser. Im Kammerwinkel können sich in der Folge Entzündungseiweiße ablagern. Zudem schwillt das Gewebe im Kammerwinkel an, wenn es entzündet ist.
Aus der Regenbogenhaut können Pigmentkörnchen austreten, die Poren im Kammerwinkel verschließen und ein Pigmentglaukom (Pigmentdispersionsglaukom) auslösen. Es betrifft häufiger jüngere, kurzsichtige Männer.

Gefäßneubildungen im Auge, oft eine Folge der Zuckerkrankheit (Typ-1-Diabetes, Typ-2- Diabetes) können ein sogenanntes Neovaskularisationsglaukom verursachen. Neovaskularisation bedeutet Neubildung von Blutgefäßen. Dazu kann es aber auch bei anderen Augenproblemen kommen, etwa bei Netzhautablösungen, Gefäßverschlüssen oder – selten – Geschwülsten im Auge.

Verlagerung oder ein Riss der Kapsel der Augenlinse, etwa durch eine Verletzung, kann ebenfalls ein Glaukom auslösen.

Schließlich tritt ein Sekundärglaukom mitunter als unerwünschte Arzneimittelwirkung auf. Dies kann zum Beispiel unter der Therapie mit Kortison, insbesondere kortisonhaltigen Augentropfen, vorkommen. Jedoch überprüft der Augenarzt hier den Augeninnendruck in der Regel engmaschig und kann so rechtzeitig gegensteuern.

Angeborenes Glaukom

Primäre und sekundäre angeborene Glaukome sind vermutlich genetisch bedingt und selten, aber nicht ungefährlich, da sie mitunter schnell fortschreiten können. Die primären und viele der sekundären angeborenen Glaukome gehören zu den Augenerkrankungen, bei denen frühzeitig operativ eingegriffen werden muss: Die Ursache, nämlich ein im Rahmen verschiedener Erbkrankheiten fehlentwickelter Kammerwinkel, kann durch eine Operation eröffnet werden. Dabei wird ein Abfluss für das Kammerwasser geschaffen.

Kind beim Sehtest

Augenhochdruck (okuläre Hypertension)

Okuläre Hypertension, also ein Augendruck über 21 mmHg, ohne dass der Betroffene eine Sehnervenschädigung und/oder Gesichtsfeldeinschränkungen hat, ist zunächst kein Glaukom, sondern ein Risikofaktor für eine Glaukomentwicklung. Einige Gegebenheiten erhöhen die Wahrscheinlichkeit eines späteren Glaukoms. Dazu gehören zum Beispiel wiederum familiäre Belastung, also die Tatsache, dass ein Glaukom bei Verwandten ersten Grades aufgetreten ist, stärkere Fehlsichtigkeit, ein Glaukom am anderen Auge und Gefäßerkrankungen, etwa eine ausgeprägte Arteriosklerose.

Der Augenarzt wird die Betroffenen regelmäßig kontrollieren. Ob bei alleinigem Augenhochdruck eine antiglaukomatöse Therapie angezeigt ist, entscheidet der Arzt aufgrund der individuellen Risiken und Befunde des Patienten.