Grippe: „Vor Dezember impfen lassen“

In der letzten Saison hat die Grippeimpfung schlecht gewirkt. Woran das lag, wie sich der Impfstoff zusammensetzt und wann der beste Impftermin ist, erklärt Dr. Jan Leidel
von Christian Krumm, 30.10.2015

Sollte ich mich impfen lassen? Ein Arztgespräch macht die Entscheidung leichter

Fotolia/Goodluz

Patienten waren verunsichert. Trotz rechtzeitiger Impfung gegen die Grippe wurden manche krank. "Normalerweise schützen Impfungen zu etwa 95 bis 98 Prozent vor einer Erkrankung. Beim Grippeimpfstoff sind die Raten etwas niedriger", sagt Dr. Jan Leidel, Vorsitzender der Ständigen Impfkommission am Robert Koch-Institut (STIKO). In der vergangenen Grippesaison, in der zudem mehr Erkrankungen auftraten als sonst, habe der Impfstoff jedoch schlechter gewirkt als erwartet. Warum das so war und was man über die Impfung wissen sollte, erklärt der Mediziner im Interview.

Dr. Jan Leidel, Vorsitzender der STIKO

W&B/Selina Pfrüner

Herr Leidel, warum hat der Impfstoff der letzten Saison schlecht gewirkt?

Die Wirksamkeit hängt in erster Linie davon ab, wie gut die im Impfstoff enthaltenen Virusbestandteile zu den tatsächlich zirkulierenden Erregern passen. In der vergangenen Saison hatte sich eines der drei Viren, dessen Antigene im Impfstoff enthalten waren, schon wieder so weit verändert, dass der Schutz nicht mehr ausreichte. Weil die Produktion sehr langwierig ist, konnten die Hersteller nicht rechtzeitig darauf reagieren.

Macht eine Impfung dann noch Sinn, wenn der Schutz schon nicht so sicher ist?

Das Gute an der Grippeimpfung ist ja: Es gibt keinen besseren Schutz. Selbst eine Wirksamkeit von 50 Prozent ist besser als nichts. Und wenn es trotz Impfung zu einer Erkrankung kommt, verläuft sie milder. Klinik­aufenthalte und Todesfälle sind bei geimpften Grippepatienten seltener.

Auftreten akuter Atemwegserkrankungen in der vergangenen Saison. Der Anstieg wurde mitverursacht durch die Grippewelle im Februar. Quelle: Arbeitsgemeinschaft Influenza, Robert Koch-Institut

W&B/Michelle Günther

Was ist überhaupt im Impfstoff ­enthalten?

Normalerweise enthält der Impfstoff drei aktuelle Stämme, davon zwei des Typs A und einen des Typs B. Weil es vom B-Typ aber zwei Linien gibt, die Yamagata- und die Victoria-Linie, wird immer auf einen Typ davon zurück­­gegriffen. Um die Wirksamkeit zu erhöhen, gehen manche Hersteller dazu über, Stämme beider Linien aufzunehmen. Doch da dieser Vierfachimpfstoff teurer ist, erstatten die meisten Krankenkassen in Deutschland die Kosten dafür nicht.

Also übernehmen die Krankenkassen die Kosten für die Impfung?

Generell erstatten sie die Impfung für jene Personengruppen, für welche die STIKO sie empfiehlt. Das sind Menschen über 60 Jahre, Menschen mit bestimmten chronischen Vorerkrankungen und all diejenigen, die beruflich sehr viel Publikumskontakt haben. Auch Schwangere und Kinder sind in besonderem Maß durch Grippe gefährdet. Abgesehen davon können alle Gesunden von einer Grippe­impfung profitieren. Sie müssen sie dann aber meist selbst bezahlen.

Woher wissen die Hersteller, welche Viren in der nächsten Saison ­­ausschlaggebend sein werden?

Ein weltweites Netzwerk von Laboratorien züchtet und analysiert das ganze Jahr hindurch Influenzaviren. Die Weltgesundheitsbehörde WHO wertet die Daten aus und ermittelt, welche Virustypen mit welcher Wahrscheinlichkeit in der nächsten Saison eine Rolle spielen könnten. Die Hersteller erhalten die Liste im späten Frühjahr und produzieren den Impfstoff bis September.

Wann ist der ideale Zeitpunkt?

Die Hauptsaison der Grippe beginnt typischerweise nach Weihnachten. Einzelne Fälle können schon früher auftreten, aber eine Grippewelle rollt meist erst im Januar oder Februar. Der ideale Impfzeitraum ist zwischen Oktober und Dezember. Dann hat der Impfstoff genügend Zeit, seine Wirkung zu entfalten. Das dauert normalerweise etwa 12 bis 14 Tage. Wer das berücksichtigt, kann sich aber auch noch im Januar oder Februar impfen lassen.

Löst die Impfung nicht häufig sogar eine Grippe-Erkrankung aus?

Nein, sie enthält nur einzelne Bestand­teile von Viren, die gar keine Infektion auslösen können. Wenn jedoch eine harmlose Erkältung, auch grippaler Infekt genannt, zufällig gleich nach der Impfung auftritt, wird das vom ­Patienten häufig zu Unrecht damit in Zusammenhang gebracht. Immerhin fällt der Impfzeitraum mit der Haupt­­erkältungssaison zusammen. Generell werden alle Impfstoffe auf Sicherheit und Wirksamkeit geprüft und sind daher sehr sicher.

Darf man während einer akuten ­Erkältung impfen?

Während eines leichten Infekts ohne Fieber kann man auch impfen. Die Ärzte tun es allerdings ungern, weil der Patient die Verschlechterung der Erkältungssymptome dann oft irrtümlicherweise der Impfung anlastet.


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