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Für wen die Grippeimpfung wichtig ist

Warum die Impfung ab Herbst sinnvoll ist, wie gut sie bei Älteren anschlägt und welche Nebenwirkungen möglich sind

von Dr. Martina Melzer, aktualisiert am 14.08.2019
Senior bei der Grippeschutzimpfung

Grippeerreger abwehren: Eine Impfung schützt


Die echte Grippe ist eine ernstzunehmende Krankheit. Besonders bei älteren Menschen kann sie einen schweren Verlauf nehmen, sogar tödlich enden. Deshalb raten Fachleute Risikogruppen zur Grippeimpfung.

Wer sollte sich gegen die Grippe impfen lassen?

Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt die Impfung sogenannten Risikogruppen. Dazu gehören

  • Menschen, die älter als 60 Jahre sind
  • Bewohner von Alten- und Pflegeheimen
  • Schwangere

Bei ihnen kann die Grippe besonders schwerwiegend verlaufen. Auch Neugeborene profitieren von dem Impfschutz ihrer Mutter: in den ersten Monaten nach der Geburt sind sie ebenfalls durch die Impfung geschützt.

Des Weiteren sollten Kinder, Jugendliche und Erwachsene mit bestimmten chronischen Erkrankungen geimpft werden, wie

Auch wer eine angeborene oder erworbene Immunschwäche hat, gilt als Risikokandidat. Die Gefahr, dass es zu schweren Komplikationen bei einer Grippeinfektion kommt, ist für Menschen mit chronischen Erkrankungen besonders hoch.

Wer im Krankenhaus oder im Altersheim arbeitet oder einen Beruf ausübt, bei dem er viel mit anderen Menschen zu tun hat, sollte sich ebenfalls impfen lassen. Dies gilt auch für jene, die mit einem Risikopatienten zusammenleben beziehungsweise sich um ihn kümmern.

Wann sollte die Impfung stattfinden?

Im Herbst beginnt typischerweise die Erkältungssaison. Bis es gehäuft zu Grippe-Fällen kommt, also zu Infektionen mit Influenzaviren, dauert es meistens etwas länger: Januar und Februar gelten als die Hauptmonate. Warum die Grippe vor allem im Winter auftritt, weiß die Forschung noch nicht. Vermutlich breiten sich die Viren bei kalten Temperaturen besonders gut aus. Zudem halten sich die Menschen verstärkt in Räumen auf und haben engeren Kontakt zueinander.

"Idealerweise lassen Sie sich im Oktober oder November impfen", sagt Susanne Glasmacher vom Robert Koch Institut, einem Bundesinstitut, das sich vor allem mit Infektionskrankheiten beschäftigt. Denn es dauert erfahrungsgemäß zirka zwei Wochen, bis sich der volle Impfschutz aufgebaut hat. Im Dezember kann bereits die erste Grippewelle anrollen – auch wenn dies oft bis Januar dauert. Nehmen Sie den Impftermin im Herbst wahr, hält die Impfung in aller Regel über die gesamte Grippesaison an. Entscheiden Sie sich dafür, sich später im Jahr impfen zu lassen, dann klären Sie am besten mit dem Arzt ab, ob er dies für sinnvoll hält.

Weshalb ist jedes Jahr eine erneute Impfung nötig?

Influenzaviren können leicht ihre Oberfläche verändern. Dadurch tarnt sich der "alte Bekannte" als vermeintlich "neuer" Eindringling, auf den das Immunsystem erst nach komplexen Abläufen im Körper reagieren kann. Zudem gibt es verschiedene Virenstämme, die sich in einem Jahr unterschiedlich stark ausbreiten können. Auf der ganzen Welt sammeln die zuständigen Behörden Informationen zu aktuell verbreiteten Grippeerregern und geben diese an die Weltgesundheitsorganisation (WHO) weiter. Die WHO entscheidet dementsprechend, wie sich der Grippeimpfstoff im aktuellen Jahr idealerweise zusammensetzt.

Grippe trotz Impfung: Ist das möglich?

Ja. "Die Grippeimpfung bietet keinen hundertprozentigen Schutz", sagt Glasmacher. Dies kann verschiedene Gründe haben: Es hat sich plötzlich ein Grippevirus ausgebreitet, vor dem die Impfung nicht schützt. Oder Sie bekommen die Grippe, bevor der Impfschutz voll aufgebaut ist, also kurz nach der Impfung. Zudem ist es möglich, dass Sie auf die Impfung unzureichend ansprechen.

Wie gut wirkt die Grippeimpfung bei älteren Menschen?

Das Immunsystem von alten Menschen arbeitet weniger effektiv als das von jüngeren. "Aus diesem Grund schlägt die Impfung bei Älteren teilweise nicht so gut an", erklärt Dr. Susanne Stöcker vom Paul-Ehrlich-Institut, dem Bundesinstitut für Impfstoffe und biomedizinische Arzneimittel. Dennoch empfiehlt die Ständige Impfkommission genau ihnen die Impfung. "Wer geimpft ist und trotzdem an der Influenza erkrankt, bei dem verläuft die Infektion häufig milder", erläutert Stöcker. Das sei vor allem für Hochbetagte wichtig, da bei ihnen die Grippe zu schweren Komplikationen führen kann. Ein Beispiel: Es entwickelt sich parallel zur Virusgrippe eine Lungenentzündung, die den Betroffenen im schlimmsten Fall das Leben kosten kann.

Welche Nebenwirkungen sind möglich?

Nach der Impfung kann sich die Einstichstelle

  • röten
  • schmerzen
  • und leicht anschwellen.

Es können auch allgemeine Symptome auftreten wie

Die Beschwerden verschwinden normalerweise nach ein bis zwei Tagen wieder. Auch wenn einige bei solchen Krankheitszeichen vermuten, dass sie durch die Impfung die Grippe bekommen, liegen sie nach Expertenmeinung falsch. "Der Impfstoff besteht aus Bruchstücken von abgetöteten Viren, die keine Erkrankung mehr hervorrufen können", beruhigt Glasmacher.

Wann sollte man sich nicht impfen lassen?

Haben Sie eine Erkältung, Fieber oder einen anderen akuten Infekt, sollten Sie eventuell warten und sich besser erst impfen lassen, wenn Sie wieder gesund sind. Besprechen Sie dies im Einzelfall aber mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. Wer gegen bestimmte Bestandteile von Grippeimpfstoffen, zum Beispiel Hühnereiweiß, allergisch ist, sollte nach einer Alternative fragen. Gesunden Schwangeren empfiehlt die STIKO, den Impftermin erst ab dem zweiten Schwangerschaftsdrittel wahrzunehmen. Bei werdenden Müttern mit einem chronischen Leiden wie Diabetes kann die Impfung schon früher sinnvoll sein.

Übernimmt die Krankenkasse die Kosten?

Für diejenigen, für welche die Grippeimpfung empfohlen wird, tragen die gesetzlichen Krankenkassen die Kosten. Wer privat versichert ist, für den gelten ähnliche Regelungen. Klären Sie dies sicherheitshalber im Vorfeld mit Ihrem Versicherer. Sind Sie angestellt, werden manchmal die Kosten für die Grippeimpfung vom Betrieb getragen. So kommt es eher nicht zu einer Grippewelle und damit auch zu weniger Arbeitsausfällen.