Grauer Star (Linsentrübung, Katarakt): Diagnose

Bei der Diagnostik des grauen Stars steht die Augenlinse im Mittelpunkt. Es gibt verschiedene Untersuchungsverfahren

aktualisiert am 27.11.2017
Augenuntersuchung

Die Spaltlampe liefert ein mehrfach vergrößertes mikroskopisches Bild der vorderen Augenabschnitte einschließlich der Linse


Zentral: Die Spaltlampenuntersuchung

Das Spaltlampenmikroskop ist das zentrale Instrument zur Untersuchung der Augen, unter anderem der Linse.

Im Alltag wird das Gerät, das eine sechs- bis vierzigfach vergrößerte Darstellung der vorderen Abschnitte des Auges ermöglicht, vereinfachend meist nur Spaltlampe genannt. Der Patient sitzt bei der Untersuchung vor dem Gerät, Kinn und Stirn werden abgestützt, anschließend bringt der Augenarzt die Geräteoptik in Position.

Anatomie des Augen-Querschnitts

Der vordere Augenabschnitt

Bindehaut, Hornhaut, Lederhaut, die Regenbogenhaut und die Linse bilden den vorderen Augenabschnitt. Die Hornhaut ist eine transparente Schicht, die das einfallende Licht wie eine starre Linse bricht. Sie ist der – in jungen Jahren sehr elastischen – Augenlinse vorgeschaltet (siehe auch Kapitel "Grauer Star: Anatomie des Auges").

Störungen des Sehens können unter anderem schon in der Hornhaut ihren Ursprung haben, etwa in unregelmäßigen Krümmungen der Hornhautoberfläche wie bei Stabsichtigkeit (Astigmatismus; einen Selbst-Test finden Sie im nachfolgenden Link) oder anderen Veränderungen. Die Hornhaut und ihre Rückfläche nebst Vorderkammer des Auges (was das ist, steht ebenfalls im Kapitel "Grauer Star: Anatomie des Auges") kann der Augenarzt bei der Untersuchung mit der Spaltlampe hervorragend "durchleuchten".

So kann der graue Star aussehen

An der Spaltlampe erkennt der Augenarzt auch die einzelnen Schichten der Augenlinse und beginnende Trübungsmuster meist gut. In fortgeschrittenen Stadien verschwimmen diese Muster oft, weil die Trübungen die Grenzen der Linsenzonen überschreiten.

Rindenstar (graue Flecken links)

Ein Rindenstar ist durch feine speichen- und keilförmige Trübungen (Foto: graue Flecken) und spaltenförmige Wassereinlagerungen gekennzeichnet.

Grauer Star: Hier ist der Kern der Augenlinse getrübt

Bei einem Kernstar trübt sich das Innere der Augenlinse.

Grauer Star: Trübung von Kern und Rinde der Augenlinse

Häufig trüben sich Kern und Rinde der Augenlinse.

Grauer Star

Eine hintere Schalentrübung zeigt sich anhand einer schalenförmigen Verdichtung unterhalb der hinteren Linsenkapsel (zum Beispiel Kortisonstar).

Stadien des grauen Stars

Ärzte teilen den grauen Star in vier Stadien ein. Ein fortgeschrittener grauer Star wird – heute muss man angesichts unserer guten medizinischen Versorgung sagen: würde – beim Blick auf die Pupille als graue Trübung sichtbar. Beim Totalstar, der die gesamte Linse erfasst (erfassen würde), ist (wäre) das Auge erblindet.

  • Beginnende Linsentrübung (Cataracta incipiens): Die Sehschärfe ist hier meist noch recht gut, daher ist auch noch keine Operation nötig.
  • Fortgeschrittene Linsentrübung (Cataracta provecta): In diesem Stadium empfehlen Ärzte oft eine Operation.
  • Reifer grauer Star (Cataracta matura, Totalstar): Die Linse ist komplett getrübt, klare Operationsindikation.
  • Überreifer grauer Star mit Aufquellung der Linse (Cataracta intumescens): Die getrübte Linse vergrößert sich durch Aufquellung und Verflüssigung zunehmend. Hier muss umgehend operiert werden, weil sonst die Gefahr eines grünen Stars (Glaukom, hier als Folge- oder Sekundärglaukom mit hohem Augeninnendruck) besteht.

Ebenfalls bei der augenärztlichen Untersuchung im Visier: Der hintere Augenabschnitt

Bei der Untersuchung an der Spaltlampe (siehe eingangs in diesem Kapitel) kann der Augenarzt auch den Glaskörper und die Netzhaut am Augenhintergrund mit wichtigen Strukturen wie Blutgefäße, Sehnerv, Makula und Fovea – die Stelle des schärfsten Sehens – überprüfen. Zur Beurteilung dieses hinteren Augenabschnitts werden die Pupillen mittels spezieller Augentropfen erweitert. Die Wirkung setzt nach etwa einer Viertelstunde ein, hält aber noch einige Stunden nach der Untersuchung an. So lange gilt der Patient als nicht fahrtüchtig. Auch bei der vollumfänglichen Untersuchung der (im vorderen Augenabschnitt) liegenden Augenlinse kann die medikamentöse Pupillenerweiterung notwendig sein. Bei einer Voruntersuchung zur Operation eines grauen Stars muss die Netzhaut in jedem Fall bei weiter Pupille untersucht werden.

Die an der Spaltlampe erhobenen Befunde lassen sich als Fotos oder Film dokumentieren.

Ergänzende Untersuchungen

Um die Hornhaut (siehe oben: "Der vordere Augenabschnitt") eingehender zu beurteilen, gibt es noch weitere, spezielle Untersuchungen: etwa eine computergestützte Abbildung der Hornhautoberfläche und Rückfläche (Pentacam), ferner eine Messung der Hornhautdicke (Pachymetrie). Die Untersuchung der Hornhaut ist wichtig, um unregelmäßige Krümmungen der Hornhaut zu erkennen (Astigmatismus), die eventuell mit Sonderlinsen (torische Linsen) im Rahmen der Operation eines grauen Stars ausgeglichen werden können (Mehr dazu im Kapitel "Grauer Star: Therapie").

Auch die Ermittlung der sogenannten Endothelzelldichte kann relevant sein, besonders wenn angeborene Hornhauterkrankungen vorliegen. Das Endothel liegt an der Hornhautrückfläche. Diese Zellschicht spielt eine wichtige Rolle bei der Ernährung der Hornhaut und der Aufrechterhaltung ihrer Transparenz.

Falls wegen einer ausgeprägten Linsentrübung die Untersuchung des Augenhintergrundes nicht möglich ist, kann eine Ultraschalluntersuchung bestimmte Erkrankungen in dem Bereich, beispielsweise eine Netzhautablösung oder Tumore im Augeninneren, erkennen helfen. Denn bei der Therapie der Katarakt – der Staroperation – muss der Augenarzt zusätzliche Augenprobleme mitberücksichtigen.

Mithilfe eines Retinometers kann der Augenarzt bei einem Patienten, der eine Linsen- oder Hornhauttrübung hat, zudem die Sehschärfe beziehungsweise das Auflösungsvermögen der Netzhaut beurteilen. So lässt sich beispielsweise abschätzen, ob sich die Sehkraft durch die Operation bessern kann.

Bei bekannten Erkrankungen der Netzhautmitte wie altersbezogene Makuladegeneration oder diabetisches Makulaödem oder zum Ausschluss relevanter Makulaveränderungen wird der Augenarzt eventuell eine Untersuchung mit einem OCT-Gerät (optische Kohärenztomografie) vornehmen. Bei diesen Erkrankungen muss vor einer Operation des grauen Stars eventuell eine besondere medikamentöse Vorbehandlung erfolgen.

OCT - Optische Kohärenztomografie: Was ist das?

Die OCT ist ein optisches Messverfahren mithilfe von Laserlicht. Es ist nicht eingreifend und arbeitet berührungsfrei. Der Lichtstrahl tastet das Zielgewebe ab und wird unterschiedlich stark reflektiert. So entstehen "Schnittbilder" in hoher Auflösung, die es erlauben, die Dicke des untersuchten Gewebes zu vermessen und die Schichtung der Netzhaut genau darzustellen. So können die Nervenfaserschicht der Netzhaut, Flüssigkeitsansammlungen (Ödeme) in oder unter der Netzhaut oder auch degenerative Veränderungen genau vermessen und dokumentiert werden. 

Sehtest (Sehschärfenprüfung)

Anhand eines Sehtests oder einer Sehschärfenmessung kann der Augenarzt das Auflösungsvermögen des Auges bestimmen. Dazu benutzt er einen Sehzeichenprojektor oder Sehtafeln. Bei einer Linsentrübung ist die Sehschärfe mehr oder weniger herabgesetzt, anfangs vor allem beim Sehen in der Nähe. Fehlsichtigkeiten wie Weitsichtigkeit, Kurzsichtigkeit oder Astigmatismus werden mit einem speziellen Messgerät erfasst (Refraktokeratometer).

Gesichtsfelduntersuchung (Perimetrie)

Jedes Auge hat sein Gesichtsfeld. Das ist der Bereich, den man bei ruhiger, geradeaus gerichteter Stellung des Auges sieht, ohne den Blick zu ändern. Das Gesichtsfeld untersucht der Augenarzt bei jedem Auge einzeln. Heute erfolgt diese auch Perimetrie genannte Untersuchung computergesteuert.