Grauer Star (Linsentrübung, Katarakt): Anatomie des Auges

Je nachdem, welcher Bereich der Linse getrübt ist, sprechen Augenärzte zum Beispiel vom Kernstar oder einer hinteren Schalentrübung. Aber wo im Auge liegt eigentlich die Linse?

aktualisiert am 27.11.2017

Die Linse gehört zum vorderen Augenabschnitt


Um die Veränderungen an der Augenlinse, wie sie beim grauen Star auftreten, besser zu verstehen, ist ein kurzer Blick auf den Bauplan des Auges hilfreich, zumindest auf die vorderen Abschnitte.

Das Auge wird oft mit einer Fotokamera verglichen. Dieser Vergleich hinkt insofern, als das Auge tausendmal mehr kann. Es ist nämlich mit seiner Netzhaut Teil des Gehirns. Immerhin: Die Hornhaut und die Linse sind tatsächlich starke, mithin die stärksten optischen Brechungsmedien des Auges. Die größte Lichtbrechung bewirkt die Hornhaut. Die Linse bündelt die Lichtstrahlen dann im Punkt des scharfen Sehens (Fovea) auf der Netzhaut. So entsteht dort ein scharfes Bild.

Feine Fasern oder Bänder (Zonulafasern) am sogenannten Ziliarkörper (siehe Bild "Aufbau des Auges" und Text weiter unten), der auch einen Muskel enthält, halten die Linse fest. Je nach Zug des Muskels streckt oder wölbt sich die Linse. Dieses Bewegungsspiel heißt Akkomodation und bewirkt, dass bei jungen Menschen das Bild sowohl beim Blick in die Nähe und Ferne scharf gestellt wird. Diese Anpassungsfähigkeit geht im Laufe der Jahre verloren, weshalb wir die Anpassung in die Nähe später mit einer Lesebrille (oder einem Nahteil in der Gleitsicht- oder Bifokalbrille) unterstützen müssen.

Wo liegt die Augenlinse genau?

Der Augapfel lässt sich in zwei Bereiche unterteilen: den vorderen Abschnitt, der die vordere und hintere Augenkammer mit der Augenlinse und der Regenbogenhaut (Iris) enthält, und den hinteren Augenabschnitt. Dieser umfasst den gallertartigen (gelartigen) Glaskörper, die Netzhaut und den Sehnerv.

Die vordere Augenkammer wird von der Hornhautrückfläche und der Irisvorderfläche begrenzt. Die hintere Augenkammer reicht von der Irisrückseite bis zur Vorderseite des Glaskörpers. Die Linse befindet sich in der Hinterkammer des Auges und hat nach vorne Kontakt zum Kammerwasser der vorderen Augenkammer und mit ihrer Rückfläche Kontakt zum Glaskörper des Auges.

Außen in der Hinterkammer sitzt der ringförmige Ziliarkörper, der das Kammerwasser bildet. Dieses ernährt die Linse und spielt bei der zweiten wichtigen Starerkrankung des Auges, dem grünen Star (Glaukom), eine besondere Rolle. Der Ziliarkörper reguliert durch Muskelzug zudem die Wölbung der Linse beim Sehen in der Nähe und in die Ferne und hält sie in der richtigen Stellung.

Die elastische, glasklare Linse des Auges ist mit einem Durchmesser von etwa neun Millimetern im Mittel vier Millimeter dick. Sie besteht aus Eiweißfasern, die sich schalenförmig aneinanderlagern, und viel gebundenem Wasser. Im Laufe des Lebens wird sie größer und büßt an Elastizität ein. In ihrer Mitte befindet sich der Linsenkern. Ihn umgibt die weichere Linsenrinde. Rundherum ist die Linse von einer Hülle, der Kapsel, umgeben. Unter der vorderen Kapsel liegt noch eine spezielle Zellschicht, das Linsenepithel. Es bildet die Eiweißfasern.

Formen des grauen Stars

Mit Blick auf die anatomischen Gegebenheiten der Augenlinse können Trübungen beim grauen Star an verschiedenen Stellen auftreten. Sie zeigen sich insofern als:

  • Rindentrübung
  • Kerntrübung
  • Häufig auch Mischformen, zum Beispiel Rinden- und Kerntrübung
  • Hintere Schalentrübung (subkapsuläre Rindentrübung)

In manchen Fällen kann der Ort der Trübung Hinweis auf die Entstehung geben. So zeigt sich bei einem durch Medikamenteneinnahme (Kortison) entstandenen grauen Star eine hintere Schalentrübung, nach Operationen im Auge oft eine Trübung des Linsenkerns (Bilder dazu im Kapitel "Grauer Star: Überblick"). Trübungen des hinteren Linsenpols zentral in der Linse (siehe Bild der Linse im Kapitel "Grauer Star: Anatomie des Auges") direkt unter der Kapsel sind oft angeboren.

Auch das Aussehen der Trübung kann hinweisgebend sein: Rosettenartige Trübungen entstehen oft als Folge einer stumpfkantigen Gewaltanwendung (stumpfes Trauma).

Die Leitsymptome des grauen Stars wie nachlassendes Sehvermögen und vermehrte Blendempfindlichkeit sind je nach Lage der Trübung unterschiedlich akzentuiert, oder es kommen weitere Beschwerden hinzu. Während ein Rindenstar sich eher langsam entwickelt und zunächst wenig Beschwerden bereitet, da das Zentrum der Linse und damit die optische Achse des Augen frei bleibt, geht das bei der hinteren Schalentrübung vergleichsweise schnell. Weitere Informationen dazu im Kapitel "Grauer Star: Symptome".