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Wie gefährlich ist Röntgen?

... fragte unsere Leserin Marlies S. aus Biederitz bei Magdeburg. Wir liefern Fakten zur Strahlenbelastung und ihren Risiken

von Dr. Reinhard Door, 20.11.2019
Strahlung beim Zahnarzt: Eine Röntgenuntersuchung der Zähne belastet mit 0,01 Millisievert. Trotz der verhältnismäßig niedrigen Strahlenlast bekommen Patienten oft einen bestimmten Bleischutz für den Körper

Strahlung beim Zahnarzt: Eine Röntgenuntersuchung der Zähne belastet mit 0,01 Millisievert. Trotz der verhältnismäßig niedrigen Strahlenlast bekommen Patienten oft einen bestimmten Bleischutz für den Körper


Als Vergleich: Strahlenbelastung im Flugzeug

Je höher Menschen reisen, desto stärker sind sie der sogenannten Höhenstrahlung ausgesetzt, die hochenergetische atomare Teilchen aus dem Weltall verursachen. Einmal Frankfurt - San Francisco und zurück belastet einen Flugpassagier deshalb mit circa 0,1 Millisievert. Bei Frankfurt - Palma de Mallorca und zurück kommen 0,01 Millisievert zusammen.

Sievert = Einheit für die biologisch wirksame Strahlendosis

Seit Wilhelm Konrad Röntgen im Jahr 1895 die nach ihm benannten Strahlen entdeckte, haben unzähliche Patienten davon profitiert. Der Blick in den Körper kann Tumore und andere Krankheiten sichtbar machen. Doch vieles bleibt beim Röntgen verborgen. Deshalb setzen Ärzte zunehmend die Computertomografie (CT) ein oder die strahlungsfreie Magnetresonanztomografie (MRT).

Nutzen gegen Risiken abwägen

Mit jedem Röntgen und jeder CT steigt jedoch auch die Strahlenbelastung für den Patienten. Experten der Strahlenschutzkommission werten Studien zum Risiko aus. So erkrankt von 100 Menschen, die im Leben zusätzlich zur natürlichen Strahlung 100 Millisievert angesammelt haben, einer zusätzlich an Krebs. Diese Dosis kann sich etwa durch fünf Untersuchungen mit dem Herzkatheter ergeben, der zu den Untersuchungen mit sehr hoher Strahlenbelastung gehört.

Infografik Röntgen - Strahlendosis
Prof. Dr. med. Annette Becker-Philipps

Deshalb sind Ärzte verpflichtet, vor jeder Röntgen- oder CT-Aufnahme den Nutzen der Untersuchung gegen das Risiko abzuwägen. Die Strahlenschutzverordnung fordert eine "rechtfertigende Indikation". Das lässt Spielraum für Interpretationen.

Jährlich sechs Millionen Rückenaufnahmen mit Röntgen, CT oder teuren MRTs erscheinen manchen Experten nicht gerechtfertigt. Dazu gehört Professorin Annette Becker, die bei der Versorgungsleitlinie Kreuzschmerz Co-Autorin ist:

Frau Professorin Becker, wird in Deutschland zu viel geröntgt?

Speziell bei Rückenschmerzen denke ich, dass dies zutrifft.

Aber ist es nicht gut, die Ursache für die Beschwerden herauszufinden?

Das ist meist gar nicht möglich und nicht nötig. Stattdessen werden Diagnosen gestellt, die eigentlich nur Zufallsbefunde sind.

Infografik Röntgen

Was ist daran schlimm?

Der Diagnose-Verschleiß etwa hat keinen Einfluss auf die Therapie. Stattdessen führt sie eher dazu, dass Schmerzen chronisch werden, weil die Patienten sich schonen. Um Rückenschmerzen zu beheben, ist aber Bewegung wichtig.

Warum röntgen Ärzte dann?

Vermutlich weil sie den Impuls haben, die Schmerzen erklären zu können. Verständlicherweise wünschen sich das auch die Patienten. Bei Rückenschmerzen hat das jedoch meist keinen Sinn.

Meist, aber nicht immer?

Es gibt Ausnahmen. Etwa wenn ein Bruch vorliegen könnte oder jemand keine Kraft mehr in den Beinen hat. Wird der Schmerz mit der Zeit schlimmer, würde ich auch eine Aufnahme erwägen.

Fazit

Fragen Sie Ihren Arzt immer, ob die Röntgen- oder CT-Aufnahme wirklich nötig ist, ob die Untersuchungsergebnisse Einfluss auf die Therapie haben könnten und ob es eine Alternative gibt.

Wenn die Aufnahme wirklich erforderlich ist, um eine gefährliche Krankheit zu erkennen oder auszuschließen, sollten Sie sich wegen der Strahlenbelastung keine allzu großen Sorgen machen. Sie fällt vor allem ins Gewicht, wenn sie sich wegen vieler - eventuell auch überflüssiger - Aufnahmen im Lauf des Lebens aufsummiert.

Röntgenpass gibt Überblick

Er hilft, unnötige Doppelaufnahmen zu vermeiden. Ein Exemplar zum Herunterladen finden Sie unter www.apotheken-umschau.de/Roentgenpass