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OP oder nicht: Wann müssen Zysten raus?

Die Gewebeblasen können im ganzen Körper entstehen, zum Beispiel in den Nieren, der Leber, dem Gehirn, der Schilddrüse, der Brust und den Eierstöcken. Meist sind sie harmlos. Wann doch ein Eingriff nötig ist

von Sebastian Poliwoda, 05.12.2019
Infografik Zyste

So entstehen Zysten: In allen Organen können sich kleine Hohlräume bilden. Über die Lymphbahnen füllen sie sich beispielsweise mit Gewebsflüssigkeit. Anschließend verkapseln sie sich


In den Nieren

Jeder Fünfte über 60 Jahren hat kleine Blasen in der Niere und spürt davon meist nichts. Nierenzysten entstehen spontan. Mediziner wissen bis jetzt nicht, warum. Eine Vorsorge ist nicht möglich. Sieht der Arzt die Zyste während einer Ultraschalluntersuchung, wird sie nur weiter beobachtet, wenn sie auffällig erscheint.

Eine Nierenzyste ist nicht zu verwechseln mit der erblich bedingten Zystenniere. Diese macht sich häufig ab dem 30. Lebensjahr bemerkbar. Erste Symptome wie Flankenschmerzen oder Blut im Urin treten zusammen mit hohem Blutdruck auf. Zudem schränken diese Zysten die Filterfunktion der Nieren ein.

Neuerdings lässt sich die Erkrankung auch medikamentös behandeln, wodurch das unkontrollierte Wachstum der Zysten eingeschränkt wird.

In der Leber

Nach den Nieren ist die Leber von allen anderen inneren Organen am häufigsten betroffen.  Aber auch hier gibt der Arzt in den meisten Fällen Entwarnung: Ähnlich wie bei den Nieren sind fast alle Leberzysten harmlos.

Anders sieht es mit dem Krankheitsbild der erblich bedingten Zysten­leber aus. Sie entsteht bei Patienten, die auch Zystennieren haben. Dabei handelt es sich um eine krankhafte Vermehrung der Zysten. In diesem Fall muss operiert werden, üblicher­weise minimalinvasiv.

In der Brust

Neun von zehn Frauen entwickeln zwischen dem 30. und 50. Lebensjahr Brustzysten, die meist gutartig sind. Sie entstehen in den sogenannten Läppchen der Brustdrüse, wenn der abführende Gang gestaut oder verschlossen ist. Je nach Ausdehnung können sie schmerzhaft sein, wenn sie auf umliegendes Gewebe drücken. Die Größe variiert teils während des Zyklus.

Infografik Frauenkörper

Frauenärzte raten, regelmäßig die Brust nach Knoten abzutasten. Abhängig von der Lage, der Brustbeschaffenheit und -größe können dabei bereits ein Zentimeter große Knoten erfühlt werden. "Aber nicht jeder Knoten bedeutet Krebs. Tastbefunde sollten jedoch immer abgeklärt werden", rät die Krebsgesellschaft.

Stellt der Gynäkologe eine auffällige Zyste fest, kann sie punktiert werden. Dabei wird der Inhalt der Blase mit einer Hohlnadel abgesaugt und untersucht. Das Absaugen verringert auch den Druck. Nach dem Entleeren wird die Zyste meist mit Luft gefüllt, um das Nachlaufen von Flüssigkeit zu verhindern.

In den Eierstöcken

Bei 98 Prozent aller Gewebeblasen in den Eierstöcken handelt es sich um Follikel-, Gelbkörper- oder Lutein­zysten, die hormonell bedingt sind und sich von allein zurückbilden. "Sie werden selten größer als sechs Zentimeter", sagt Dr. Herbert Mecke, Chef­arzt der Klinik für Gynäkologie des Vivantes-Auguste-Viktoria-Klinikums Berlin. Bei starken Beschwerden oder nach einem Zystenriss werden sie operativ entfernt.

Manchmal steckt eine Endometriosezyste dahinter. Gebärmutterschleimhaut, das Endometrium, siedelt sich dabei in den Eierstöcken an. "Diese Zysten lassen sich per Bauchspiegelung entfernen", so Mecke.

Rund eine Million Frauen leiden zudem unter dem polyzystischen Ovarsyndrom. Eierstockzysten, Akne, vermehrte Körperbehaarung und erhöhter Blut­zucker sind Symptome dieser Stoffwechsel­erkrankung, die zu Unfruchtbarkeit führen kann.

In der Schilddrüse

Fast jeder dritte Deutsche hat einen Knoten an der Schilddrüse. Jeder Knoten muss abgeklärt werden, aber nur selten handelt es sich um ein Karzinom. Meist steckt dahinter ein Gewebeknoten, der eventuell Hormone produziert, oder eine harmlose Zyste. Diese Gewebeblase kann bis zu einem Millimeter pro Jahr wachsen.

Nach so einem Befund wird häufig abgewartet und einige Monate später nachkontrolliert. Nur wenn Beschwerden auftauchen, etwa ein Druckgefühl oder Schmerzen beim Schlucken, oder die Zyste so stark wächst, dass sie von außen sichtbar ist und kosmetisch stört, sollte sie operativ entfernt werden.

Auch in anderen Drüsen wie der Bauchspeicheldrüse kann eine Zyste entstehen, zum Beispiel nach einer Entzündung, der sogenannten Pankreatitis. Selbst im Knochengewebe und in Organen wie der Nebenniere oder Milz bilden sich diese mit Flüssigkeit gefüllten Hohlräume.

Im Gehirn

Meist sind Gehirnzysten ein seltener Zufalls­befund während einer MRT- oder CT-Unter­suchung. "Asymptomatische Zysten bedürfen im Normalfall keiner Therapie", betont Dr. Jörg Baldauf, leitender Oberarzt an der Klinik für Neurochirurgie der Universität Greifswald.

Doch je nach Sitz und Größe können sie in sehr vereinzelten Fällen zu Kopfschmerzen und auch zu epileptischen Anfällen führen. "Dann wird das sogenannte Fenstern notwendig", so Baldauf. Dabei wird die Zystenblase minimalinvasiv geöffnet, damit die Flüssigkeit abfließen kann.

Unter der Haut

Es sieht aus wie ein Pickel und ist fest – das Atherom. Das griechische Wort für Weizengrütze bezeichnet eine Talgzyste, früher auch Grützbeutel genannt. Sie entsteht, wenn eine Talgdrüse verstopft.

Das geschieht bevorzugt an stark behaarten Körperstellen wie beispielsweise am Kopf oder Nacken. Diese Atherome treten sehr häufig auf, haben aber keine gesundheit­lichen Folgen. Hauptsächlich sind Männer betroffen.

Die anfangs kleinen Knoten bestehen aus Fett, Fettkristallen und Oberhautzellen und können etwa die Größe einer Pflaume erreichen. Schmerzen verursachen Atherome aber nur, wenn sie sich entzünden, gerötet sind und weiter anschwellen.

In so einem Fall sollte man sie operativ entfernen lassen. Experten vermuten, dass eine kohlen­hydratreiche und auch fetthaltige Ernährung die Bildung solcher Talgzysten fördern können.