Nebenwirkung

Eine Überdosis Vitamine


Alkohol ist auf der Tanzfläche tabu, stattdessen gibt es zum Trinken Gurke-Sellerie-Cocktails und Reismilch-Saft mit Brokkoli. Das klingt nach einer mäßig lustigen Geburtstagsfeier im örtlichen Gemeindepfarrzentrum, ist aber der letzte Schrei unter hippen Großstädtern. Detox-Partys heißen diese Veranstaltungen, und das Ganze schwappt derzeit, wie könnte es anders sein, aus den USA zu uns herüber.

Abgesehen davon, dass sich das Konzept von "Detox", also einer Entgiftungskur für den Körper, wissenschaftlich nicht halten lässt, fällt es natürlich leicht, sich nur darüber lustig zu machen. Eiweiß-Shakes statt Exzess, Vitaminüberdosis statt Alkoholrausch: Was an den Worten "Spaß haben" haben diese Leute eigentlich nicht verstanden?

Dabei bringt es – nüchtern betrachtet – sogar einige Vorteile, wenn einem höchstens von zu viel Ingwer im Glas der Kopf schwirrt: Der Kater am nächsten Morgen fällt schon einmal aus. Außerdem kann man sich noch erinnern, welches ­Gesicht sich hinter der Telefonnummer verbirgt, die seit der gestrigen Nacht auf einmal im Handy gespeichert ist.

Vielleicht sind die Wellness-Partys einfach ein logischer Gegentrend in einer Gesellschaft, die dem Rausch frönt wie eh und je. Fast zehn Liter reinen Alkohol trinkt der Durchschnittsdeutsche im Jahr. Da senken die paar Gemüse-Smoothies den Pegel nur minimal. Noch ist das Ganze bei uns nur eine Randerscheinung. Ob daraus ein Massentrend wird? Ich glaube kaum. Zu viel Vernunft darf es für die meisten Menschen an einem Freitag- oder Samstagabend dann doch nicht sein. Außerdem ist das Anstoßen mit Wirsing und Kohlrabi eindeutig zu sehr Geschmackssache.

Wobei: Gemüsesaft soll ja den Kater vertreiben ...