Nebenwirkung

An die Herde denken

Dr. Roland Mühlbauer
Dr. Roland Mühlbauer

Extra einen Termin beim Arzt ausmachen, um sich in den Oberarm stechen zu lassen. Anschließend mit Sport aussetzen. Kurz darauf schmerzt der geimpfte Arm, ich fühle mich schlapp und etwas fröstelig. "Warum tust du dir eigentlich jedes Jahr diese Grippeimpfung an?", fragte mich kürzlich ein Freund. "Du bist doch gesund und noch recht jung, da solltest du eine Grippe wegstecken können. Und Kinder hast du auch nicht."

Stimmt. Mein Freund hat mit all dem nicht unrecht. Aber meine Bekannten und Verwandten haben Kinder. Meine Eltern sind im Rentenalter, und ich besuche sie regelmäßig. Kinder erkranken relativ schnell an Grippe und viele ältere Menschen besonders schwer. Wenn es ganz schlimm kommt, sterben sie sogar an der Infektion. Insofern zählen sie neben chronisch Kranken zu den sogenannten Risikogruppen.

Nie könnte ich es mir verzeihen, wenn ich meinen Lieben als Souvenir so gefährliche Keime hinterlassen würde – und ich das hätte verhindern können. Eine richtige Grippe ist keine Bagatelle. In schlimmen Wintern mussten in Deutschland deshalb schon über 30.000 Menschen ins Krankenhaus. Mehr als zwei Millionen wurden krankgeschrieben.

Deshalb lasse ich mich jedes Jahr wieder impfen und nehme die Umstände gern in Kauf. Die Geimpften tragen dazu bei, dass sich die restliche Bevölkerung nicht so leicht ansteckt. Mediziner nennen das Herdenschutz.