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IGeL Schilddrüsentest: TSH-Messung

Diese Arztleistungen zahlt die Krankenkasse nicht, deshalb heißen sie "Individuelle Gesundheitsleistungen" (IGeL). Ob sich die Investition lohnt? Wir machen den Check. Diesmal: Ein Bluttest zur Schilddrüsen-Funktion

von Dr. Reinhard Door, 17.01.2020
Illustration IGeL: Schilddrüsentest

Hält der Arzt einen TSH-Test aufgrund von Symptomen für sinnvoll, übernimmt die Krankenkasse die Kosten. Ansonsten muss der Patient die Kosten für die Blutuntersuchung selbst tragen


Was wird da gemacht?

Gemessen wird der Blutspiegel des Botenstoffs TSH, der Produktion und Freisetzung der Schilddrüsenhor­mone steuert. Weicht er von der Norm ab, kann eine Über- oder Unterfunktion der Schilddrüse vorliegen.

Hormone der Schilddrüse beeinflussen im Körper viele Vorgänge. Eine zu geringe oder zu hohe Menge löst deshalb unterschiedliche Symptome aus. Bei einer Unterfunktion fühlen sich Patienten oft müde, bei einer Überfunktion schwitzen sie leicht oder sind dauernervös.

Die Krankenkasse bezahlt den TSH-Test, wenn der Arzt diesen für medizinisch geboten hält. Also etwa bei Anzeichen einer Fehlfunktion. Eine Blutanalyse ohne medizinischen Anlass wird Patienten in Rechnung gestellt.

Pro

  • Der Test ist einfach und nicht allzu teuer. Der Aufwand für den Patienten: eine einfache Blutentnahme.
  • Es können Fehlfunktionen aufgedeckt werden, bei denen Patienten keine Symptome spüren.
  • Schwangeren Frauen empfiehlt die Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie die Selbstzahler-Leistung. Eine Fehlfunktion der Schilddrüse, die bei etwa einer von 100 werdenden Müttern auftritt, erhöht das Risiko einer Fehlgeburt und einer Entwicklungsstörung des Kindes.

Contra

  • Der TSH-Wert kann schon abhängig von Mess­methode und Tageszeit schwanken. Beeinflusst wird er zudem von manchen Medikamenten und Krankheiten, Alter und Körpergewicht. Eine zweite Messung ergibt häufig wieder einen Wert im Normbereich.
  • Eine US-Analyse der Datenlage hat gezeigt: Keine einzige Studie konnte beurteilen, ob Menschen ohne Symptome einen Nutzen aus der TSH-Messung ziehen. Fast alle Untersuchungen ergaben jedoch: Wem eine Unterfunktion keine Beschwerden macht, der profitiert ohnehin nicht von einer Therapie – weder hinsichtlich ­Lebensqualität und geistiger Fitness noch beim Blutdruck.
  • Oft beginnt eine Behandlung vorschnell. "Häufig wird damit schon bei einem einmalig erhöhten Wert gestartet", sagt Professor Joachim Spranger, Direktor der Klinik für Endokrinologie und Stoffwechselmedizin an der Charité Berlin, "ohne die Messung zu wiederholen oder Schilddrüsenhormone direkt zu messen." Mögliche Folge: Menschen, die wegen vermeintlicher Unterfunktion behandelt werden, zeigen plötzlich eine Überfunktion.

Kosten

Nach der ärztlichen Gebührenordnung kostet der Test samt Blutentnahme zwischen 17 und 21 Euro – ­etwas mehr, wenn der Arzt die Beratung mitberechnet.

Fazit

Eine TSH-Messung ist in erster Linie sinnvoll, wenn der Verdacht auf eine Über- oder Unterfunktion besteht oder der Arzt abklären will, ob die Schilddrüse an einer Erkrankung beteiligt ist. In diesen Fällen tragen aber ohnehin die Krankenkassen die Kosten.

Von einem Test ohne medizinischen Grund raten Experten überwiegend ab – zum Beispiel auch Joachim Spranger. Er empfiehlt die individuelle Gesundheitsleistung selbst bei einem familiär erhöhten Risiko für Schilddrüsen-Erkrankungen nicht.

Dem stimmen aber nicht alle Mediziner zu. So sagt etwa Professorin Petra-Maria Schumm-Draeger, ärztliche Direktorin des Zentrums Innere Medizin/Fünf Höfe in München: "Wenn eine familiäre Veranlagung für Knoten, Hashimoto oder Basedow vorliegt, finde ich den Test sinnvoll."

Individuelle Gesundheits-Leistungen (IGeL): Wichtige Fragen, die Patienten sich stellen sollten

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