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Syphilis: Symptome

Syphilis kann zahlreiche unterschiedliche Symptome verursachen – oder völlig unbemerkt bleiben

aktualisiert am 26.06.2017
Syphilis Symptome

Ein nicht-juckender Hautausschlag wie hier an den Händen, an den Füßen sowie am Körperstamm kann Symptom einer Syphilis sein


Syphilis verläuft im typischen Fall in drei bis vier verschiedenen Phasen, sogenannten Stadien. Jedes Stadium macht sich mit anderen Beschwerden bemerkbar (siehe weiter unten).

Allerdings kann der individuelle Fall deutlich von diesem typischen "Muster" abweichen. Nicht immer folgen alle Stadien aufeinander. Auch die Symptome können stark variieren. Eine Lues bleibt manchmal auch unbemerkt. Wenn gleichzeitig eine HIV-Infektion vorliegt, verläuft eine Syphilis oft untypisch. Es können mehrere Stadien gleichzeitig auftreten, insbesondere eine Beteiligung des zentralen Nervensystems muss ausgeschlossen werden.

Primärstadium (Lues I)

Die Zeit zwischen der Ansteckung mit dem Syphilis-Erreger und dem Auftreten erster Symptome beträgt meistens zwischen zwei und drei Wochen (im Extremfall zwischen 10 bis 90 Tage). An der Stelle, an der das Bakterium in den Körper gelangt ist, entsteht ein kleiner, hirsekorngroßer, dunkelroter Knoten oder Fleck. Da die Syphilis meistens beim Geschlechtsverkehr übertragen wird, findet sich die Hautveränderung entsprechend oft am Penis, an den Schamlippen, in der Scheide oder am After. Es können aber genauso gut auch andere Körperstellen betroffen sein wie Mund oder Brüste. Aus dem roten Fleck entsteht ein scharf begrenztes, nässendes Geschwür. Der Grund kann gelblich belegt aussehen. Die Stelle ist von einem harten Randwall umgeben. Die Hautveränderung wird daher auch harter Schanker (Ulkus durum) genannt. Sie ist hochinfektiös. Schmerzhaft ist die Hauterscheinung meistens nicht. Es können auch gleichzeitig mehrere Geschwüre auftreten.

In den folgenden Wochen schwellen die benachbarten Lymphknoten (also zum Beispiel die Leistenlymphknoten) an. Üblicherweise verschwinden diese Krankheitszeichen nach einigen Wochen von alleine wieder.

Sekundärstadium (Lues II)

Nach etwa zwei bis drei Monaten streut der Erreger über den Blut- oder Lymphweg in den ganzen Körper. Damit beginnt das Sekundärstadium der Syphilis. Die Beschwerden sind vielfältig: Mögliche Symptome sind Allgemeinsymptome wie Abgeschlagenheit, Fieber, Kopfschmerzen, Gelenk- und Muskelschmerzen. Dazu kommen Lymphknotenschwellungen am ganzen Körper, insbesondere an Hals und Achseln.

Verschiedene Hautveränderungen können auftreten: Ein fleckiger, meistens nicht-juckender Hautausschlag breitet sich vor allem am Körperstamm aus. Betroffen sind typischerweise auch Handflächen und Fußsohlen. Aus den Flecken werden allmählich bräunlich-rote Knötchen, die manchmal schuppen oder nässen. Sie enthalten Krankheitserreger, sind also potenziell infektiös. Besonders breite Knötchen entstehen oft im Genital- oder Analabereich. Sie werden Condyloma lata genannt.

Manche Patienten leiden außerdem unter einem mottenfraßähnlichen Haarausfall. Weitere mögliche Symptome sind Veränderungen an der Mundschleimhaut: So kann sich die Schleimhaut stellenweise verdicken. Mandeln und Rachen sind eventuell gerötet.

Die Beschwerden sind mehr oder weniger stark ausgeprägt, flammen manchmal immer wieder erneut auf. Meistens verschwinden sie Symptome nach etwa einem Jahr. Die Krankheit kann aber "versteckt" weiter bestehen (latente = versteckte Syphilis, Lues latens).

Tertiärstadium (Lues III)

Etwa ein Viertel aller unbehandelten Syphilis-Infektionen geht in das Tertiärstadium über. Unter Umständen passiert das aber erst Jahrzehnte nach der Infektion mit Treponema pallidum. Alle Gewebe und Organe des Körpers können dann befallen sein. Auf der Haut entstehen knotige Veränderungen. In Organen und im Gewebe, zum Beispiel an Nase oder Zunge, bilden sich geschwürige Knoten (Gummen), die manchmal zur Hautoberfläche hin aufbrechen und Sekret absondern. Syphilis schädigt oft auch die Wände der großen Blutgefäße, so dass die Durchblutung gestört wird. An der Hauptschlagader (Aorta) kann sich eine gefährliche Aussackung, ein Aorten-Aneurysma bilden. Reißt die Aussackung, droht eine starke, lebensgefährliche innere Blutung. Lues kann außerdem dazu führen, dass die Herzklappen undicht werden (Herzklappen-Insuffizienz). Eine Augenbeteiligung mit Entzündung des Sehnerven (Optikusneuritis) oder der Regenbogenhaut (Iritis) führt zu Sehstörungen und kann ein Hinweis für eine Beteiligung des zentralen Nervensystems sein.

Quartärstadium / Metasyphilis

Nach vielen Jahren führt eine unbehandelte Syphilis unter Umständen zu Schäden am Rückenmark. Mögliche Symptome sind: "lanzinierende", also lanzenstichartige Schmerzen in Bauch und Beinen, Gangunsicherheiten, Gefühlsstörungen, Störungen der Blasen- und Darmfunktion und Lähmungen. Diese Symptome werden unter der Bezeichnung Tabes dorsalis zusammengefasst.

Schäden am Gehirn führen zu psychischen Auffälligkeiten wie Wahnideen und Halluzinationen, außerdem zu einem geistigen Abbau bis hin zur Demenz. Diese Krankheitserscheinungen heißen progressive Paralyse (fortschreitende Lähmung). Diese späten Folgen der unbehandelten Syphilis können zum Tod führen.

Neurosyphilis

Sobald sich die Bakterien im Körper ausbreiten – also sobald das Sekundärstadium erreicht ist – können sie auch immer das zentrale Nervensystems (ZNS) befallen. Ärzte sprechen dann von einer Neurosyphilis. Die Krankheitszeichen sind vielfältig: Kopfschmerzen, Nackensteifigkeit, Hör- und Sehstörungen oder Lähmungen kommen vor. Manchmal bleibt die Neurosyphilis auch lange symptomlos und ist nur anhand von Laboruntersuchungen feststellbar (siehe Kapitel Diagnose).