Ausfluss bei der Frau – Ursachen: Gutartige Tumoren, Krebs

Geschwülste im Genitalbereich können harmlose Wucherungen sein, aber auch Krebsvorstufen oder bösartige Tumoren darstellen

von Andrea Blank-Koppenleitner, aktualisiert am 05.09.2014

Krebsfrüherkennung: Regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen und Beratung sind auch für junge Frauen wichtig


Gutartige Geschwülste, Krebsvorstufen

Symptome: Ein schleimiger, manchmal hell- bis dunkelbräunlicher Ausfluss kann auf Polypen in der Scheide, im Gebärmutterhals und in der Gebärmutter hindeuten. Auch für unregelmäßige Blutungen sind solche gutartigen Schleimhautveränderungen mitunter verantwortlich. Viele betroffene Frauen haben anfangs jedoch keinerlei Beschwerden. Allerdings kann auch ein Fremdkörper in der Scheide, etwa ein vergessener Tampon, einen bräunlichen Ausfluss verursachen.

Ursache: Polypen sind zunächst gutartige Schleimhautwucherungen, die unter anderem im Bereich der Scheide, des Gebärmutterhalses oder der Gebärmutter auftreten können. Sie entstehen, wenn sich die Schleimhautzellen übermäßig teilen. Neben entzündlichen Vorgängen durch Infektionen spielen auch die weiblichen Geschlechtshormone Östrogen und Gestagen eine Rolle. Polypen können in jedem Alter auftreten, gehäuft aber in beziehungsweise nach den Wechseljahren. Eine geschwächte Immunabwehr, Stress und psychische Belastungen sowie eine falsche Intimhygiene beeinflussen das Scheidenmilieu (siehe dazu Kapitel "Übersicht") und fördern damit Schleimhautveränderungen.

Krebsvorstufen: Gewebeveränderungen (Dysplasien) am Gebärmutterhals (siehe dazu auch: Entzündungen durch humane Papilloma-Viren, Kapitel "Scheidenentzündungen") beziehungsweise an der Gebärmutter können je nach Ausprägung auch Vorstufen für eine Krebserkrankung sein. Das bedeutet zwar nicht, dass daraus auch immer ein bösartiger Tumor entsteht, aber der Frauenarzt wird sie regelmäßig kontrollieren und entsprechend behandeln.

Diagnose: Nach der Tastuntersuchung, mit der der Arzt etwa Polypen am äußeren Muttermund feststellen kann, geben Ultraschalluntersuchungen Aufschluss über weiter innen liegende Wucherungen. Bei der Untersuchung der Scheide sieht der Arzt Polypen, die aus dem Muttermund herausgetreten sind. Mit Hilfe eines Kolposkopes beziehungsweise Videokolposkopes kann der Arzt den Muttermund wie unter einer Lupe betrachten und gezielt einen Zellabstrich entnehmen. Spezielle Verfahren wie eine Hysteroskopie, einer Spiegelung des Gebärmutterinneren, ermöglichen es, Polypen von Myomen, das sind gutartige Geschwülste von Muskelzellen, abzugrenzen. Diese gehen nicht vorherrschend mit verstärktem Ausfluss einher. Ein Zellabstrich und Gewebeproben sowie nötigenfalls eine Gebärmutterspiegelung sichern die Diagnose ab.

Therapie: Polypen müssen nicht unbedingt Beschwerden verursachen. Sie werden zur Sicherheit und auch für feingewebliche Untersuchungen in der Regel entfernt. Bei ungünstigen Untersuchungsergebnissen, zum Beispiel hohen Werten bei einem Pap-Test mit Verdacht auf eine Krebsvorstufe am Gebärmutterhals ist immer ein Eingriff notwendig. Dann wird zum Beispiel eine Schlingenkonisation empfohlen. Dabei wird ein kegelförmiges Gewebsstück entnommen. Auch eine Laserbehandlung ist möglich.

Krebsformen

Symptome: Ein stark riechender, wässriger, teils blutiger Ausfluss, Blutungen sowie Schmerzen im Beckenbereich gehören zu möglichen Symptomen für bösartige Tumoren im Bereich der Geschlechtsorgane. Blut im Ausfluss, Blutungen außerhalb der Regel beziehungswiese nach der Menopause sind immer Warnzeichen, die umgehend der Arzt abklären sollte. Allerdings entwickeln sich Krebserkrankungen zunächst vielfach ohne deutliche Beschwerden. Deshalb ist es so wichtig, die Vorsorgeuntersuchungen regelmäßig wahrzunehmen.

Ursachen: Gebärmutterhalskrebs entsteht in der Regel durch eine Infektion mit humanen Papilloma-Viren (Warzenviren, siehe auch Kapitel "Scheidenentzündungen", Abschnitt Humane Papilloma-Viren). Allerdings bergen überwiegend nur bestimmte Virentypen die Gefahr einer Krebsentwicklung, und selbst eine Infektion mit diesen sogenannten Hochrisikotypen muss nicht unbedingt zu bösartigen Veränderungen der Gebärmutterhalszellen führen. Die Viren können sich nach einer Erstinfektion aber in den Zellen einnisten und diese bisweilen erst nach Jahren unbemerkter Aktivität verändern. Weitere vorhandene Entzündungen im Genitalbereich könnten einen solchen ungünstigen Verlauf fördern, ebenso die langjährige Einnahme der Antibabypille, Rauchen oder Therapien, die das Immunsystem unterdrücken.
Gebärmutterkrebs
ist eine sehr häufige Krebsform bei Frauen vor allem im höheren Lebensalter, nach den Wechseljahren. Hauptrisikofaktoren sind neben dem Alter unter anderem Übergewicht, Kinderlosigkeit, Diabetes, hormonelle Störungen wie beim PCO-Syndrom oder eine bestimmte Form des HNPCC-Syndrom, bei dem es schon im jungen Alter zu Krebs an mehreren Organen, darunter der Gebärmutter, kommt. Krebsfördernd könnte auch eine längere Wirkungszeit des Geschlechtshormons Östrogen sein, etwa aufgrund einer natürlichen Verteilung über die Lebensphasen, weil die Periode früh eingesetzt hat und die Menopause erst spät eintritt, oder durch eine längere Hormonersatztherapie ohne ausreichenden "Gestagenschutz". Östrogene fördern möglicherweise, wenn auch wohl eher selten, bösartiges Zellwachstum in einem Gebärmutterpolypen.
Scheidenkrebs (Vaginalkarzinom) kommt relativ selten vor und betrifft Frauen im höheren Lebensalter, zwischen 60 und 65 Jahren. Er kann die Folge einer Krebserkrankung der umliegenden Organe sein, vor allem von Gebärmutterkrebs. Auch eine Infektion mit Papilloma-Viren könnte eine Rolle spielen.
Vulvakrebs bezeichnet bösartige Veränderungen an den äußeren Geschlechtsorganen, wie äußere und innere Schamlippen, Klitoris. Ständiger Juckreiz, überriechender Ausfluss, sichtbare Flecken und tastbare Erhebungen in diesem Bereich sowie Blutungen können Hinweise sein.

Diagnose: Damit eine Krebsentwicklung frühzeitig erkannt und erfolgreich behandelt werden kann, ist es unerlässlich, dass Frauen regelmäßig zu den Vorsorgeuntersuchungen gehen. Tastuntersuchungen, Scheidenspieglung und Zellabstriche können erste Hinweise auf einen beginnenden Tumor geben, denn vielfach fehlen Erstsymptome. Bei Verdacht führen dann Gewebeanalysen sowie Untersuchungen mit bildgebenden Verfahren wie Ultraschall weiter. Um die Diagnose zu sichern und eine Einteilung in die verschiedenen Krebsstadien zu erlauben, wird der Arzt gegebenenfalls eine Gebärmutterspiegelung durchführen und weitere Gewebeproben aus Gebärmutterhals und Gebärmutter entnehmen.

Therapie: Die Behandlung richtet sich nach dem Stadium des jeweiligen Tumors. Manche Vorstufen können mit kleineren Eingriffen (siehe oben Konisation bei Dysplasien am Gebärmutterhals) oder mit einer hormonellen Therapie (Vorstufen bei Gebärmutterkrebs) beseitigt werden. Ansonsten wird bei Gebärmutterkrebs die Gebärmutter meist zusammen mit den übrigen inneren Fortpflanzungsorganen chirurgisch entfernt, eventuell auch mit bestimmten Lymphknoten. Es gibt für jede der genannten Krebsformen und dabei wiederum für jedes Stadium angepasste operative Vorgehensweisen sowie gezielte Anwendungsformen der Strahlen- und Chemotherapie. Richtschnur für die Ärzte ist dabei immer, die individuellen Voraussetzungen und Wünsche der betroffenen Patientinnen bestmöglich mit den Behandlungserfordernissen in Einklang zu bringen.


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