Ausfluss bei der Frau – Ursachen: Gutartige Tumoren, Krebs

Geschwülste im Genitalbereich können harmlose Wucherungen sein, aber auch Krebsvorstufen oder bösartige Tumoren darstellen

von Andrea Blank-Koppenleitner, aktualisiert am 03.07.2018
Sprechstunde

Krebsfrüherkennung: Vorsorge und Beratung


Gynäkologische Krebsfrüherkennungsuntersuchungen auf einen Blick

Sie umfassen folgende kostenlosen Maßnahmen:

  • Jährlich ab dem Alter von 20 Jahren eine Anamnese (Erhebung der Krankengeschichte) zu Unterleibsbeschwerden oder beobachteten Verändungen in diesem Bereich, außerdem die Untersuchung der äußeren und inneren Geschlechtsorgane und Entnahme eines Abstrichs zur Beurteilung von Zellveränderungen am Gebärmutterhals;
  • Voraussichtlich ab Ende 2018 für Frauen ab 35 Jahren statt jährlichen Abstrichkontrollen alle drei Jahre eine Kombination aus Pap-Abstrich und HPV-Test;
  • Ab 30 Jahren eine Anamnese bezüglich Brustbeschwerden oder getasteter Verändungen; Abtasten der Brüste und Lymphabflussgebiete auf beiden Körperseiten durch den Arzt; ab dem Alter von 50 bis 69 Jahren außerdem alle zwei Jahre Einladung in ein zertifiziertes Mammografiezentrum zur Röntgenuntersuchung beider Brüste (Mammografie-Screening);
  • Frauen über 65 Jahren sollten weiterhin auch an den gynäkologischen Krebsfrüherkennungsuntersuchungen der Unterleibsorgane teilnehmen.

Gutartige Geschwülste, zum Beispiel Polypen, und Krebsvorstufen

Symptome: Ein schleimiger, manchmal hell- bis dunkelbräunlicher Ausfluss kann auf Polypen in der Scheide, im Gebärmutterhals und in der Gebärmutter hindeuten. Auch für unregelmäßige Blutungen sind solche gutartigen Schleimhautveränderungen mitunter verantwortlich, etwa als Zwischenblutungen wie Schmier- oder Kontaktblutungen, aber auch als irreguläre Blutung nach den Wechseljahren (eigentlich sollten dann ja keine Blutungen mehr auftreten). Viele betroffene Frauen haben anfangs jedoch keinerlei Beschwerden. Allerdings kann auch ein Fremdkörper in der Scheide, etwa ein vergessener Tampon, einen bräunlichen Ausfluss verursachen.

Ursachen:
Polypen sind ganz überwiegend gutartige Schleimhautwucherungen, die unter anderem im Bereich der Scheide, des Gebärmutterhalses oder der Gebärmutter auftreten können. Sie entstehen, wenn sich die Schleimhautzellen übermäßig teilen. Neben entzündlichen Vorgängen durch Infektionen spielen auch die weiblichen Geschlechtshormone Östrogen und Gestagen eine Rolle. Polypen können in jedem Alter auftreten, gehäuft aber in beziehungsweise nach den Wechseljahren. Eine geschwächte Immunabwehr, Stress und psychische Belastungen sowie eine falsche Intimhygiene beeinflussen das Scheidenmilieu (siehe dazu Kapitel "Ausfluss bei der Frau – Überblick")) und fördern damit Schleimhautveränderungen.

Krebsvorstufen: Gewebeveränderungen am Gebärmutterhals (siehe dazu auch: Entzündungen durch humane Papilloma-Viren, Kapitel "Scheidenentzündungen") oder Veränderungen an anderen Stellen der Gebärmutter können je nach Ausprägung auch Vorstufen für eine Krebserkrankung sein. Das bedeutet zwar nicht, dass daraus auch immer ein bösartiger Tumor entsteht, aber der Frauenarzt wird sie regelmäßig kontrollieren und entsprechend behandeln.

Diagnose:

Mit Hilfe eines Kolposkopes beziehungsweise Videokolposkopes kann der Arzt den Muttermund am unteren Gebärmutterhals wie unter einer Lupe betrachten und gezielt einen Zellabstrich entnehmen. Ultraschalluntersuchungen können Aufschluss über weiter innen liegende Wucherungen geben. Spezielle Verfahren wie eine Hysteroskopie, eine Spiegelung des Gebärmutterinneren, ermöglicht es, Polypen von Myomen abzugrenzen. Letztere sind gutartige Geschwülste von Muskelzellen, im vorliegenden Fall solche, die in die Gebärmutterhöhle hineinragen (submuköse Myome). Diese gehen nicht vorherrschend mit verstärktem Ausfluss einher. Gewebeproben können zum Beispiel bei Krebsvorstufen am Gebärmutterhals die Diagnose bestätigen.

Therapie:
Polypen müssen nicht unbedingt Beschwerden verursachen. Sie werden zur Sicherheit und auch für feingewebliche Untersuchungen in der Regel mittels einer bestimmten Ausschabungstechnik entfernt.

Krebsvorstufen am Gebärmutterhals: Bei ungünstigen Untersuchungsergebnissen, zum Beispiel hohen Werten in einem Pap-Test und Hinweisen auf eine Krebsvorstufe am Gebärmutterhals in weiteren Untersuchungen, wird nach den aktuellen Leitlinien (siehe auch Kapitel "Ausfluss bei der Frau, Fachliteratur", letztes Kapitel dieses Beitrags) folgendes Vorgehen empfohlen):

Vorbeugung Gebärmutterhalskrebs

Bei Frauen bis 24 Jahren mit einem feingeweblich gesicherten Befund aus dem Gebärmutterhals wie CIN 2 (cervikale intraepitheliale Neoplasie Grad 2; cervikal steht für Gebärmutterhals, Neoplasie für mittelschwere Gewebeveränderung) soll, bei CIN 3 (Grad 3, fortgeschritten) kann eine konservative Vorgehensweise festgelegt werden, wenn diese Gewebeveränderung

• in ihrer gesamten Ausdehnung mittels Kolposkopie (Scheidenspiegelung, Lupenbetrachtung des Gebärmuttermundes am unteren Gebärmutterhals) überwachbar ist

• keine atypische Drüsenzellanteile enthält und

• eine beginnend bösartige Entwicklung mit hoher Sicherheit ausgeschlossen ist.

Ansonsten oder wenn die CIN 2 für mehr als 24 Monate beziehungsweise die CIN 3 für mehr als 12 Monate bestehen bleibt oder die Gewebeveränderung bis in den Kanal des Gebärmutterhalses reicht, sollte eine schonende Entfernung des veränderten Gewebes erfolgen. Welche Technik zur Entfernung des Gewebestücks (Konisation) sich im Einzelnen anbietet, etwa mit Laser, elektrischer Schlinge oder Skalpell, wird der Frauenarzt individuell mit der Patientin besprechen.
! Achtung: Zur krebsvorbeugenden HPV-Impfung siehe ebenfalls im Kapitel "Ausfluss bei der Frau – Überblick" in diesem Beitrag.

Sprechstunde beim Arzt

Unterleibskrebs: Die verschiedenen Formen und wie der Arzt vorgeht

Symptome: Ein stark riechender, wässriger, teils blutiger Ausfluss, Blutungen sowie Schmerzen im Beckenbereich gehören zu möglichen Symptomen für bösartige Tumoren im Bereich der Geschlechtsorgane. Blut im Ausfluss, Blutungen außerhalb der Regel beziehungswiese nach der Menopause sind immer Warnzeichen, die umgehend der Arzt abklären sollte. Allerdings entwickeln sich Krebserkrankungen zunächst vielfach ohne deutliche Beschwerden. Deshalb ist es so wichtig, die Krebsfrüherkennungsuntersuchungen (siehe ebenfalls oben) regelmäßig wahrzunehmen.

Ursachen:

Gebärmutterhalskrebs: Diese Krebserkrankung entsteht überwiegend durch eine Infektion mit humanen Papilloma-Viren (Warzenviren, siehe oben und Kapitel "Scheideninfektionen", Abschnitt Humane Papilloma-Viren). Allerdings bergen vor allem bestimmte Virentypen die Gefahr einer Krebsentwicklung. Doch selbst eine Infektion mit diesen sogenannten Hochrisikotypen muss nicht unbedingt zu bösartigen Veränderungen der Gebärmutterhalszellen führen.

Die Viren können sich nach einer Erstinfektion aber in den Zellen einnisten und diese bisweilen erst nach Jahren unbemerkter Aktivität verändern. Weitere vorhandene Entzündungen im Genitalbereich könnten einen solchen ungünstigen Verlauf fördern, ebenso die langjährige Einnahme der Antibabypille, Rauchen oder Therapien, die das Immunsystem unterdrücken.

Gebärmutter(körper)krebs ist eine sehr häufige Krebsform bei Frauen vor allem im höheren Lebensalter, nach den Wechseljahren. Hauptrisikofaktoren sind neben dem Alter unter anderem Übergewicht, Kinderlosigkeit, Diabetes, hormonelle Störungen wie beim Polyzystischen Ovarialsyndrom (PCO-Syndrom, Veränderungen an den Eierstöcken) oder eine bestimmte Form des HNPCC-Syndrom, bei dem es schon im jungen Alter zu Krebs an mehreren Organen, darunter der Gebärmutter, kommt.

Krebsfördernd könnte auch eine längere Wirkungszeit des Geschlechtshormons Östrogen sein, etwa aufgrund einer natürlichen Verteilung über die Lebensphasen, weil die Periode früh eingesetzt hat und die Wechseljahre erst spät eintreten, oder durch eine längere Hormonersatztherapie ohne ausreichenden "Gestagenschutz" (Gestagene sind ebenfalls weibliche Geschlechtshormone). Daneben gibt es aber auch östrogenunabhängig entstehende Gebärmutterkrebsformen. Hormonpräparaten mit Östrogenen und Gestagenen zur Verhütung können das Risiko für Gebärmutter(körper)krebs und Eierstockkrebs senken. Da diese Krebsform mehrheitlich frühzeitig wegen des Warnzeichens einer anomalen Blutung entdeckt und behandelt werden kann, ist die Prognose häufig recht gut.

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Scheidenkrebs (Vaginalkarzinom): Diese Krebsform kommt sehr selten vor und betrifft Frauen im höheren Lebensalter, zwischen 60 und 65 Jahren. Scheidenkrebs kann die Folge einer Krebserkrankung der umliegenden Organe sein, vor allem von Gebärmutterkrebs. Auch eine Infektion mit humanen Papilloma-Viren (HPV, in erster Linie Hochrisikotyp HPV 16) spielt eine Rolle.
Symptome: siehe oben.
! Hinweis: Blutungen nach den Wechseljahren, Ausfluss, Schmerzen und Druckgefühl sind eher Spätsymptome.

Vulvakrebs bezeichnet bösartige Veränderungen an den äußeren Geschlechtsorganen, wie äußere und innere Schamlippen, Klitoris. Die Krebserkrankung kommt ebenfalls eher selten vor. Zu den Risikofaktoren gehören Rauchen, Immunschwäche, wiederum Infektion mit humanen Papilloma-Viren (HPV, in erster Linie Hochrisikotyp 16). Diese Faktoren kommen vor allem bei Frauen zum Tragen, die im Alter von 30 bis 50 Jahren erkranken. Die zweite Altersgruppe, die vermehrt von Vulvakrebs betroffen ist, sind Frauen über 70 Jahren. Bei ihnen spielen chronisch-entzündliche Hautleiden als Risikofaktoren die Hauptrolle.
Symptome: siehe Abschnitt oben; weitere Anzeichen: Ständiger Juckreiz, überriechender Ausfluss, sichtbare Flecken und tastbare Erhebungen in diesem Bereich sowie Blutungen.

Diagnose:

Damit eine Krebsentwicklung frühzeitig erkannt und erfolgreich behandelt werden kann, ist es unerlässlich, dass Frauen regelmäßig zu den Vorsorgeuntersuchungen gehen. Tastuntersuchungen, Scheidenspiegelung und Zellabstriche können erste Hinweise auf einen beginnenden Tumor geben, denn vielfach fehlen Erstsymptome. Bei Verdacht führen dann Gewebeanalysen sowie Untersuchungen mit bildgebenden Verfahren wie Ultraschall weiter. Um die Diagnose zu sichern und eine Einteilung in die verschiedenen Krebsstadien zu erlauben, wird der Arzt eine Gebärmutterspiegelung mit Ausschabung der Gebärmutter beziehungsweise des Gebärmutterhalses (oder dessen Konisation) durchführen, um das erhaltene Gewebe genau zu untersuchen. Auch bei mutmaßlichem Scheiden- oder Vulvakrebs ist eine feingewebliche Untersuchung, hier anhand einer Biopsie, notwendig.

Therapie:

Die Behandlung richtet sich nach dem Stadium des jeweiligen Tumors. Manche Vorstufen können mit kleineren Eingriffen (siehe oben Konisation bei Gewebeveränderungen am Gebärmutterhals) oder mit einer hormonellen Therapie (Vorstufen bei Gebärmutterkrebs) beseitigt werden. Ansonsten wird bei Gebärmutterkrebs die Gebärmutter meist zusammen mit den übrigen inneren Fortpflanzungsorganen chirurgisch entfernt, eventuell auch mit bestimmten Lymphknoten.

Es gibt für jede der genannten Krebsformen und dabei wiederum für jedes Stadium angepasste operative Vorgehensweisen sowie gezielte Anwendungsformen der Strahlen- und Chemotherapie. Richtschnur für die Ärzte ist dabei immer, die individuellen Voraussetzungen und Wünsche der betroffenen Patientinnen bestmöglich mit den Behandlungserfordernissen in Einklang zu bringen.