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Tennisarm: Hilfe bei Ellbogenschmerzen

Intensives Training oder monotone Bewegungen führen nicht nur bei Sportlern zum Tennisarm. Welche Therapien helfen, wenn die Sehnen am Ellenbogen gereizt sind

von Wolfram Eberhardt, aktualisiert am 20.05.2016

Martin M. war überglücklich, als er nach 30 Jahren endlich wieder den Tischtennisschläger in der Hand hielt. Dreimal pro Woche trainierte er zwei bis drei Stunden. Die Bälle zischten nur so über die Platte. Alles schien wie früher.

Als der 51-Jährige aber eines Morgens beim Heben der Kaffeetasse stechende Schmerzen im Ellbogenbereich spürte, war der Traum von der ewigen Jugend vorbei. Sein Orthopäde attestierte ihm eine Epikondylitis – im Volksmund auch Tennisarm genannt.

Häufige Ursachen: Gärtnern, Fensterputzen, Computerarbeit

Nicht nur intensives Training löst die Schmerzen aus. Vor allem monotone Bewegungen, etwa bei der Gartenarbeit, beim Malern, Fensterputzen oder Stricken, aber auch das lange Arbeiten mit der Maus am Computer, können zur Überlastung des Sehnenansatzes am Knochenvorsprung des Ellbogens (Epikondylus) führen.

"Bei einem Großteil der Patienten über 50 Jahre haben die Sehnen bereits an Elastizität eingebüßt, es kann dann leicht zu Mikrorissen kommen", erklärt Dr. Christoph Eichhorn, Vorsitzender des Deutschen Orthopäden- und Unfallchirurgen-Verbands.

Lautete das Therapie-Mantra der Orthopäden einst "Ruhigstellen und Kortison spritzen", plädieren Mediziner wie Eichhorn inzwischen am Anfang der Beschwerden zu einer Physiotherapie.

Physiotherapie ist auf Dauer erfolgreich

Eine Studie aus Holland mit 185 Patienten zeigt, dass Kortisonspritzen zwar zunächst mehr Erleichterung bringen als die Physiotherapie, bei längerer Behandlungsdauer drehe sich aber das Bild: "Nach einem Jahr war in der Kortison-Gruppe die Behandlung nur noch bei 69 Prozent der Patienten erfolgreich, in der Physio-Gruppe dagegen bei 91 Prozent."

Dehnübungen können den zumeist verhärteten Muskel im Unterarm lockern und so die Zuglast auf den geschädigten Sehnenansatz mindern, weiß Eichhorn. Auch die Querfriktion, bei der der Therapeut die Sehne quer zu ihrem Verlauf massiert, sei "sehr entspannend".

Sobald der Patient die Übungen beherrscht, kann er sie zu Hause selbst anwenden. Allerdings sollten auch die Bewegungen korrigiert werden, die den Tennisarm hervorgerufen haben, etwa durch eine ergonomische Computer-Maus.

Krafttraining lindert Schmerzen

Tischtennis-Fan Martin M. trainierte einfach weiter, ohne sich behandeln zu lassen. Ein Fehler. Die Schmerzen nahmen rapide zu. Der Handchirurg Professor Karsten Knobloch aus Hannover mahnt, möglichst früh mit der Behandlung zu beginnen. Denn im Anfangsstadium kann vor allem ein spezielles Krafttraining heilsam sein. Knobloch hat an der Medizinischen Hochschule Hannover erforscht, inwieweit Krafttraining Schmerzen lindert. Die Patienten sollten dabei mehrfach täglich einen Gummistab mit beiden Händen für jeweils zwei Sekunden nach oben und unten verbiegen.

Das Ergebnis der wissenschaftlichen Studien: "Das Krafttraining führt dazu, dass der Blutfluss sich in der schmerzenden Stelle um 50 Prozent verringert", sagt Knobloch. Die Entzündung und auch die Schmerzen gehen zurück.

Bis zur Heilung vergeht viel Zeit

Allerdings ist die Epikondylitis eine Sehnenerkrankung, bei der Patienten einen langen Atem brauchen. "Man muss mit Monaten rechnen, bis es zur Heilung kommt", urteilt Knobloch. Effekte des Krafttrainings zeigen sich trotz täglicher Übungen häufig erst nach etwa drei Monaten. Wenn dann die Schmerzen immer noch nicht nachgelassen haben, spricht Knobloch von einer chronischen Epikondylitis.

Neben der herkömmlichen Behandlung mit Schmerzmedikamenten scheint in diesem Fall eine Bündelung mehrerer Therapie-Methoden sinnvoll. Stoßwellen-  und Lasertherapie haben sich in Untersuchungen als wirksam erwiesen. Auch für Injektionen mit Hyaluronsäure liegen erste positive Ergebnisse vor. All diese Therapieformen werden aber nicht von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen.

Bezahlt wird dagegen eine Operation. Knobloch: "75 bis 80 Prozent der Eingriffe sind erfolgreich, die Schmerzen werden zumindest gelindert." Für Christoph Eichhorn ist die OP trotzdem die letzte Wahl. Nur bei "sehr hohem Leidensdruck" sei sie zu empfehlen. "Erst dann sollten Operateure eingreifen."