Springerknie (jumpers knee): Therapie

Im Anfangsstadium lässt sich ein Springerknie mit konservativen Methoden meist recht gut behandeln. Ein fortgeschrittenes oder hartnäckiges Sehnenleiden erfordert häufig einen Eingriff, ein Riss praktisch immer
von Dr. med. Claudia Osthoff, aktualisiert am 15.09.2014

Ein Eckpfeiler der Behandlung des Springerknies: Die Physiotherapie

Mauritius/allOver

Therapie des Springerknies: Konservative Möglichkeiten ausschöpfen

Anders gesagt: Die Behandlung des Springerknies richtet sich nach dem Schweregrad (siehe Kapitel "Symptome").

Erste Wahl ist ein konservatives Vorgehen, kein Eingriff. Allerdings beeinflusst auch das sportliche Anforderungsprofil des Betroffenen die Therapieentscheidung.

In der Frühphase lassen sich die Beschwerden häufig durch Umstellung auf schonende Bewegungsabläufe, vor allem aber durch eine spezielle Trainingstherapie wie zum Beispiel ein sogenanntes exzentrisches Krafttraining (siehe unten), beherrschen.

Auch Stretchingübungen sowie Kühlen (Kryotherapie) des Kniegelenks nach jeder sportlichen Aktivität sind empfehlenswert. Die Kniescheibensehne sollte in dieser Phase keinesfalls durch Sport zu sehr belastet werden. Anders gesagt: Von Bewegungen, die die Beschwerden verstärken, sollte man unbedingt Abstand nehmen.

Sportpause: Ungeliebt, aber empfehlenswert

Die Notwendigkeit einer kürzeren Sportpause ist Leistungssportlern in dieser Phase 1 des Sehnenleidens und selbst bei einem Schweregrad 2 (mehr dazu wiederum im Kapitel "Symptome") oft schwer zu vermitteln. Sie wird aber unbedingt empfohlen und sollte der Übungstherapie vorausgehen.

Für Leistungssportler erarbeiten die Therapeuten bei Bedarf Programme, die ein sofortiges Übungstraining unter Schonung der Kniescheibensehne ermöglichen.

Weitere konservative Behandlungsmaßnahmen, die eingesetzt werden, sind Massagen, Elektrotherapie, entzündungshemmende, schmerzlindernde Medikamente sowie Kniebandagen und -tapes.

Auch bei einem Schweregrad 3 kommen die genannten Maßnahmen zum Tragen. Zusätzlich ist es absolut unumgänglich, eine Sportpause einzulegen. Das Knie sollte aber nie ruhiggestellt werden.

Eine Injektion von Kortison in die Sehne oder ihre Umgebung schädigt teilweise eingerissenes (teilrupturiertes) Sehnengewebe und ist unbedingt zu vermeiden, da die Gefahr einer verstärkten Schädigung bis hin zu einem Riss droht.

Die Behandlung mit Stoßwellen (sogenannte extrakorporale, von außen zugeführte Stoßwellentherapie (ESWT) mit gebündelten Schalldruckwellen) ist beim Springerknie eher nicht erfolgreich.

Übungstherapie: Was ist exzentrisches Krafttraining?

Diese Trainingsform spielt beim Springerknie eine wichtige Rolle. Man versteht darunter Übungen, bei denen Muskelfasern – hier: des Oberschenkelstreckers – sich verlängern und eine hohe Spannung aufbauen. Die dabei in Gang gesetzte Muskelkontraktion wirkt dem entgegen. Exzentrische Belastungen sind Teil eines jeden Krafttrainings, zum Beispiel wenn ein Gewicht wieder abgesenkt wird. Die Kapazität des Muskels, auf diese Weise Kraft aufzubringen, wird nicht immer eigens trainiert.

Ein entsprechendes Training steigert die Muskelkraft und Belastbarkeit des Knies zusätzlich. Die so gestärkten Sehnen und Muskeln halten Dehnungs- und Zugstress besser stand. Das ist bei vielen Abbremsbewegungen wichtig.

Achtung: Die Knieschmerzen können sich anfangs etwas verstärken. Es ist wichtig, den Therapeuten darauf aufmerksam zu machen, damit er überprüfen kann, was der Grund für die Schmerzen sind, und das Training richtig steuert.

Operation des Springerknies

Falls die Schmerzen trotz intensiver Behandlung nicht nachlassen, raten Ärzte den Betroffenen, besonders Leistungssportlern, zu einer Operation. Sie ist minimalinvasiv arthroskopisch möglich, also mittels Gelenkspiegelung.

Die Kniescheibensehne kann an der Spitze der Kniescheibe (Patellaspitze) gelöst beziehungsweise längs eingekerbt, neu gebildetes Binde-, Gefäß- und Nervengewebe, das bei der Schmerzentstehung eine Rolle spielt, abgetragen werden (elektrothermische Denervierung der Umgebung der Sehne). Die Maßnahmen betreffen aber nur einzelne Fasern um den Schmerzpunkt und Schmerzrezeptoren (Nozizeptoren), um diese zu beruhigen oder auszuschalten. Anders als bei einem Sehnenriss erfolgt keine Sehnennaht.

Gleichzeitig lassen sich eventuelle Schäden an anderen Strukturen, etwa dem Gelenkknorpel, in allen Kompartimenten im Gelenk beheben.

Nach der Operation wird das Knie mit speziellen Bandagen für drei bis vier Wochen funktionell geführt. Danach schließt sich eine mehrwöchige Physiotherapie an. Ziel ist es, die das Knie führende Muskulatur wieder optimal aufzubauen und es zu stabilisieren, um so die Voraussetzungen für eine Wiederaufnahme der sportlichen Aktivität zu schaffen. Die Erfolgsraten erreichen bis zu 85 Prozent.


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