Schwellungen und Knoten an den Händen – Ursachen: Bindegewebserkrankungen (Kollagenosen)

Kollagenosen sind entzündliche Erkrankungen des Bindegewebes, die auch die Gelenke der Hand betreffen können. Beispiele hierfür sind der systemische Lupus erythematodes und die Sklerodermie

von Andrea Blank-Koppenleitner, aktualisiert am 28.04.2016

Stress abbauen und regelmäßig entspannen kann sehr wichtig sein bei Bindegewebserkrankungen


Systemischer Lupus erythematodes (SLE): Hautausschläge, schmerzhaft geschwollene Finger- und Handgelenke

Symptome: Mehrere Fingergelenke, Handgelenke oder andere Gelenke schwellen schmerzhaft an. Morgens sind die Hände steif und schwer beweglich. Typischerweise treten schmetterlingsförmige, rote Hautausschläge im Gesicht ("Wolfsgesicht", daher der Name der Erkrankung, lateinisch lupus heißt "Wolf") auf, sowie schuppende Ausschläge an anderen Körperteilen wie den Händen. Fieber, Schwächegefühl, Atembeschwerden können ebenfalls Anfangszeichen der Erkrankung sein. Auch reagiert die Haut hochempfindlich auf Licht. Die Beschwerden verstärken sich häufig nach einem Aufenthalt in der Sonne oder bei stärkeren körperlichen und seelischen Belastungen. Weitere Symptome richten sich danach, welche Organe miterkrankt sind.

Ursache: Diese Autoimmunerkrankung erfasst vor allem die Haut und viele Organe beziehungsweise deren Gefäße. Das Abwehrsystem richtet sich aggressiv gegen körpereigene Stoffe in den Zellen. In der Mehrzahl erkranken Frauen vor den Wechseljahren an SLE. Es besteht wohl eine erbliche Anlage für die Erkrankung. Möglicherweise spielen auch weibliche Geschlechtshormone, die Östrogene, sowie intensive Sonneneinstrahlung oder bestimmte Virusinfektionen für den Ausbruch der Krankheit eine Rolle. Die genauen Ursachen sind jedoch noch nicht bekannt. Die Krankheit verläuft in Schüben. Neben inneren Organen wie Herz, Lunge und den Nieren kann auch das Gehirn betroffen sein. Psychische Veränderungen, Depressionen oder epileptische Anfälle können daraus entstehen. Einige Medikamente wie bestimmte Blutdrucksenker, Tuberkulosemittel oder Psychopharmaka lösen sehr selten ebenfalls SLE-Symptome aus, die jedoch nach Absetzen der Mittel wieder vergehen.

Diagnose: Die Hautrötungen und weitere Symptome wie Gelenkentzündungen in zwei oder mehr Gelenken sind oft kennzeichnend für den Arzt. Hauptansprechpartner sind nach dem Hausarzt ein Internist beziehungsweise Rheumatologe sowie ein Hautarzt. Blutuntersuchungen decken spezielle Antikörper und weitere Krankheitszeichen auf. Untersuchungen der Nieren (über Urintests, eventuell auch anhand kleiner Gewebeproben aus der Niere) sowie von Herz und Lungen geben Aufschluss, in welcher Form innere Organe beteiligt sind.

Therapie: Die Behandlung des Lupus erythematodes richtet sich danach, in welchem Stadium sich die Erkrankung befindet und wie ausgeprägt sie ist. Es sind auch lebensbedrohliche Verläufe möglich. Für die Haut sind Cremes mit einem hohen Lichtschutzfaktor (60) und Lichtschutz durch die Kleidung wichtig. Zudem können kortisonhaltige Salben angezeigt sein.

Akute Entzündungsschübe behandelt der Arzt häufig mit nichtsteroidalen Antirheumatika, mit den Antimalariamedikamenten Hydroxychloroquin und Chloroquin oder kurzfristig mit Kortison,  sofern noch keine inneren Organe wie die Nieren mit erkrankt sind. Unter dieser Behandlung bessern sich auch die Hauterscheinungen. Der Arzt wird einmal jährlich eine Kontrolle der Augennetzhaut veranlassen. Bei schwererem Verlauf ist eine Behandlung in einer Klinik unumgänglich. Unter anderem werden dann Kortison, das Immunsystem unterdrückende Mittel (Immunsuppressiva) und andere Medikamente eingesetzt. Je nach Erkrankungsmuster sind zudem weitere spezielle Therapiemaßnahmen wirkungsvoll. Eine möglichst stressverringerte, gesunde Lebensweise und Schutz vor intensiver Sonne helfen SLE-Kranken darüber hinaus, Schüben vorzubeugen.

Lesen Sie mehr zu Ursachen, Symptomen, Diagnose und Therapie im Ratgeber "Lupus erythematodes".

Sklerodermie (progressive systemische Sklerose): geschwollene Finger und Hände als Anfangssymptom

Symptome: Pralle Schwellungen über die ganzen Finger und Hände (Wurstfinger) und Morgensteifigkeit sind häufig ein akutes Erstsymptom, manchmal auch nur geschwollene Fingergelenke. Mitunter treten anfangs überhaupt nur untypische Allgemeinbeschwerden wie Muskelschwäche und Gewichtsabnahme auf. Mit Fortschreiten der Erkrankung kommen oft Durchblutungsstörungen in den Fingern (Raynaud-Syndrom) dazu. Die Finger werden an den Spitzen erst blass, dann rot und schmerzen. Die Haut kann sich zusammenziehen, Gewebe stirbt ab, es entstehen Narben an den Fingerspitzen. Auch tritt mitunter ein Karpaltunnelsyndrom auf.

Die Hautveränderung dehnt sich im weiteren Verlauf aus: Die Gesichtshaut wird straff und starr wie bei einer Maske, der Mund verkleinert sich, Bewegungen im Gesicht sowie an den Gelenken fallen schwer. Die Starre kann sich zudem auf innere Organe erstrecken. Wenn die Speiseröhrenwand versteift und das Zungenbändchen sich erhärtet, sind Schluckbeschwerden, Rückfluss des Mageninhalts und andere Störungen im Magen-Darm-Trakt mögliche Folgen. Die Verhärtungen bewirken, dass die Gefäße sich verengen. Atembeschwerden, Herzrhythmusstörungen, Bluthochdruck weisen darauf hin, dass auch innere Organe wie Lunge, Herz und Nieren in Mitleidenschaft gezogen sind.

Ursache: Sklerose bedeutet Verhärtung. Frauen im Alter zwischen 20 und 50 Jahren  erkranken häufiger als Männer an dieser eher seltenen entzündlichen Bindegewebserkrankung. Durch entzündliche Vorgänge wird das Bindegewebe dicker, es sammeln sich vermehrt Eiweißkörper (Kollagen) in der Haut und in inneren Organen an. Das führt zu Gefäßverengungen, Flüssigkeitsansammlungen und Durchblutungsstörungen. Stoffwechsel und Organe werden mehr und mehr in ihrer Funktion gestört. Die Ursachen für diesen fortschreitenden Krankheitsprozess sind noch weitgehend unbekannt. Auch hier handelt es sich möglicherweise um eine Autoimmunerkrankung.

Diagnose: Der Arzt wird Hände und Finger genau untersuchen. Vor allem die Schäden an den Fingerspitzen sind wichtige Anhaltspunkte. Blutuntersuchungen weisen spezielle Antikörper auf. Röntgenaufnahmen der Hände zeigen eventuell Auflösungszeichen am Knochen und Aufnahmen der Speiseröhre eine eingetretene Wandstarre. Tastet der Arzt über verdickte und verhärtete Sehnen, spürt oder hört er manchmal ein Reiben. Im Zweifelsfall lässt er auch eine Hautprobe (Biopsie) für die genaue Diagnose untersuchen. Um Aufschluss über die Ausprägung und das Stadium der Krankheit zu erhalten, prüft der Arzt zudem die inneren Organe. Das geschieht mit Hilfe von Urinproben, einer Ultraschalluntersuchung des Herzens (Echokardiographie) sowie Lungenfunktionstests und gegebenenfalls weiteren Untersuchungsschritten. Bei Diagnose und Therapie wird der Hausarzt sich mit einem Rheumatologen sowie einem Hautarzt abstimmen.

Therapie: Die Behandlung einer Sklerodermie richtet sich individuell nach dem Verlauf der Erkrankung. Infrage kommen entzündungshemmende, durchblutungsfördernde und gewebsschützende Medikamente. Kortison wenden die Ärzte oft eher zurückhaltend an, meist kurzfristig bei anfänglichen Schwellungen und Krankheitsschüben. Mit bestimmten Mitteln, die das Immunsystem hemmen (Immunsuppressiva), behandeln die Fachärzte oft längerfristig schwere Krankheitsentwicklungen. Gegen die Durchblutungsstörungen der Finger helfen zudem verschiedene Medikamente, zum Beispiel Salben mit Nitrat, ACE-Hemmer oder Kalziumantagonisten. Die Betroffenen sollten die Hände warm halten (etwa mit Fausthandschuhen, auch beheizbaren), Kälte und Stress möglichst vermeiden. Ist das Hautgewebe stark geschädigt, können unter anderem sogenannte Prostaglandinanaloga, Endothelinrezeptorantagonisten und PDE-5-Hemmer, angezeigt sein. Für mögliche andere Organschäden gibt es wiederum individuell ausgelegte Therapiekombinationen.

Physikalische Maßnahmen wie Bäder- und Lichttherapie, zum Beispiel eine Balneo-Fototherapie, lindern die Beschwerden und wirken der fortschreitenden Hautzerstörung, etwa an den Fingern entgegen. Spezielle Krankengymnastik, Bindegewebsmassagen und Lymphdrainage helfen den Erkrankten, ihre Muskeln möglichst beweglich zu halten. Bei einer Ergotherapie lernen die Patienten, mit ihrer Krankheit im Alltag umzugehen. Ganz wesentlich ist es außerdem, das Rauchen aufzugeben.


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