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Knorpelschaden: Was Beschwerden lindert

Sind die Stoßdämpfer der Gelenke beschädigt, reibt Knochen auf Knochen. Vor allem die Knie sind von Arthrose gefährdet. Welche Therapien dann helfen

von Christian Krumm, aktualisiert am 27.05.2019
Sportler

Startbereit: Gesunde Gelenke stecken kurze Belastungen meist gut weg


Bis zu mehrere Millimeter dick sind die Knorpelschichten an den Gelenken. Wie Stoßdämpfer federn sie die Belastungen ab und verhindern, dass die Knochen direkt aufeinanderprallen. Das funktioniert außer­ordentlich gut, denn Knorpel ist zäh und nicht von Blutgefäßen oder Nerven durchzogen. Allerdings kann er mit zunehmendem Alter spröde werden. Auch durch Unfälle, starke Dauerbelastung aufgrund von Übergewicht oder Fehlstellungen entstehen Knorpeldefekte.

In vielen Fällen macht ein solcher Schaden zunächst keine Beschwerden, obwohl sich das Knorpel­gewebe selbst nicht mehr regenerieren kann. Erst wenn sich der Defekt im Lauf der Zeit ausbreitet, tie­fer wird und schließlich auch Knochen oder Knochenhaut frei liegt, spürt der Betroffene bei jeder Belastung Schmerzen. Hier erhalten Sie einen Überblick, welche Therapien nun helfen können:

1. Gelenke entlasten

Als erste Maßnahme sollten die ­Gelenke entlastet werden. Bei Beschwerden im Knie, im Sprung- oder Hüftgelenk gelingt das oft mit ortho­pädischen Hilfsmitteln wie Einlagen oder speziell angepasstem Schuhwerk.

Wichtig ist eine weiche Sohle, um die Schritte besser abzufedern. Auch funktionelle Bandagen können die Gelenke so stützen, dass sich die Kräfte gleichmäßiger verteilen. Das gilt ganz besonders dann, wenn Fehlstellungen der Beine, der Füße oder auch Wirbelsäulenprobleme vorliegen.

2. Abnehmen schont Knorpel und Gelenke

Außerdem sollten Patienten unbedingt überflüssige Pfunde abbauen. Denn je mehr Gewicht auf den Gelenken lastet, umso schneller nutzt sich die Knorpelschicht unwiederbringlich ab. Zudem wird auch bestimmten Hormonen im Fettgewebe ein Einfluss auf das Arthrose­geschehen zugeschrieben. Untersuchungen ­haben gezeigt, dass eine Verringerung des Gewichts die Schmerzen in tragenden Gelenken fast genauso gut lindert wie die Einnahme entzündungshemmender Medikamente.

3. Gezielt Physiotherapie einsetzen

Physiotherapeutische Übungen stärken die Muskulatur und verbessern damit die Stabilität und die Beweglichkeit der Gelenke. "Bei einem deutlichen Gelenkerguss fördert die Lymphdrainage auch das Abschwellen", erklärt Universitätsprofessor Dr. Tobias Gotterbarm von der Universitätsklinik für Orthopädie und Traumatologie in Linz.

Entzündungsbotenstoffe werden dadurch schneller abgebaut. Das verringert die Schmerzen. ­Zusätzliche Wärmeanwendungen können die Wirkung einer Physiotherapie unterstützen. Bei einer akuten Entzündung leistet stattdessen ­eine Kältepackung gute Dienste.

4. Schmerzmittel nur über begrenzten Zeitraum

Wer die Beschwerden nicht in den Griff bekommt, kann auf schmerzlindernd und entzündungshemmende Medikamente mit Wirkstoffen wie Paracetamol, Diclofenac oder Ibuprofen zurückgreifen. Aufgrund möglicher Nebenwirkungen sollten die Arzneimittel aber nur über einen kurzen Zeitraum und in möglichst niedriger Dosierung eingenommen werden. Vor allem ­Patienten, die bereits Herz-, Nieren- oder Magen­probleme haben, sollten die Mittel nicht auf ­eigene Faust anwenden, sondern vorher unbedingt Rücksprache mit dem Apotheker oder dem behandelnden Arzt halten.

5. Bewegung schützt den Knorpel

Die medikamentöse Therapie mit entzündungshemmenden Wirkstoffen hilft, möglichst schnell wieder schmerzfrei zu werden. Erst so ist der Patient in der Lage, sich regelmäßig zu bewegen und damit die Muskulatur auf­zubauen. Zudem kann der Knorpel besser mit Nährstoffen versorgt werden, wenn er konsequent in Bewegung gehalten wird.
Für Menschen mit Arthrose eignen sich sanfte Bewegungsarten wie Radfahren und Wandern in der Ebene sowie Schwimmen oder Wassergymnastik. Tabu sind für sie dagegen alle Sportarten mit einer hohen Impuls­belastung wie etwa Tennis, Fußball, Handball oder Karate.

6. Operation als letzter Schritt

"Ein Knorpeldefekt ist aber eine klare strukturelle Schädigung, die nicht von alleine heilt", gibt Tobias Gotterbarm zu bedenken. Lassen sich die Beschwerden nicht mehr mit konservativen Maßnahmen in den Griff bekommen, ist eine Operation unausweichlich. Bereits heute sind die Erfahrungen mit künstlichem Gelenk­ersatz meist sehr gut.

Manchmal versuchen Ärzte, den Knorpel­defekt im Rahmen kleinerer Eingriffe zu reparieren (siehe Grafiken oben). Dabei setzen sie auf Techniken, die den Knochen zur Bildung von Knorpelersatzgewebe anregen sollen, oder sie verpflanzen körpereigene Knorpelstücke. Ob die Verfahren klare Vorteile bieten, ist durch Studien allerdings nicht abschließend geklärt. Zudem eignen sie sich nur bei örtlich begrenzten Schäden, etwa infolge eines Bruchs oder einer Sportverletzung.

Das gilt auch für die Knorpelzelltransplanta­tion. Dabei wird das benötigte Gewebe im Labor gezüchtet. "Untersuchungen haben gezeigt, dass das neue Gewebe nur knorpelähnlich ist", ­erklärt Professor Christoph Brochhausen-Delius. Am Institut für Pathologie der Universität Regensburg erforscht er, warum das so ist und weshalb nicht alle Patienten davon profitieren.

"Auch eine Knorpelzelltransplan­tation wird das Gelenk nicht heilen", meint er. "Sie könnte aber die Operation für eine notwendige Prothese um einige Jahre hinauszögern."

Krankenkassen bezahlen den Eingriff in den meisten Fällen jedoch nicht.

#WirktLokal

Hilfe aus der Apotheke

  • Schmerzmittel mit Paracetamol, Ibuprofen, Naproxen oder Diclofenac können vorübergehend akute Beschwerden lindern. Die meisten davon sind auch als Salben oder Gele erhältlich.
  • Funktionelle Bandagen stabilisieren das betroffene Gelenk und unterstützen aktive Bewegung.
  • Nahrungsergänzungsmittel sollen den Gelenkknorpel vorbeugend stärken. Studien konnten die Wirkung aber nicht eindeutig belegen.