Blutungen außerhalb der Regel – Ursachen: Hormonstörungen

Häufig sind hormonelle Unregelmäßigkeiten die Ursache für Zwischenblutungen. Der Arzt schließt jedoch immer zuerst organische Erkrankungen aus, bevor er Hormonproblemen nachgeht

von Andrea Blank-Koppenleitner , aktualisiert am 03.07.2018
Pille

Pille: Künstlicher Zyklus, je nach Präparat und Einnahmeart anfangs mitunter auch unregelmäßig


So gehen Frauenärzte vor

Von einer hormonell bedingten Menstruationsstörung wird der Arzt ausgehen, wenn er zuvor eine körperliche Erkrankung ausgeschlossen hat. Mehr dazu im Abschnitt "Diagnose" im Eingangskapitel "Blutungen außerhalb der Regel, Zwischenblutungen (Übersicht)" dieses Ratgebers.

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Hormonelle Ursachen für Blutungen außerhalb der Regel

1. In der Zeit des Eisprungs: Ovulationsblutung

Symptome: Schmierblutungen, leichte Blutung von ein bis drei Tagen während des Eisprungs in der Mitte des Menstruationszyklus, oft verbunden mit leichten Unterleibschmerzen (sogenannter Mittelschmerz).

Ursache, Therapie: Das Absinken des Östrogenspiegels nach dem Eisprung bewirkt manchmal eine leichte Hormonentzugsblutung. Die auch als Mittelblutung bezeichnete Zyklusstörung hat eigentlich keinen Krankheitswert. Es ist aber sinnvoll, sich vom Gynäkologen untersuchen zu lassen, wenn es wiederholt zu Zwischenblutungen, auch schwächer ausgeprägten, kommt.

Häufig helfen Stressabbau und eine gesunde, ausgeglichene Lebensweise, solche vom Arzt als harmlos bestätigten Zyklusbeschwerden zu verringern.

Sprechstunde

Tritt eine Blutung außerhalb der üblichen Menstruation auf, in unregelmäßigen Abständen und mehr als vierzehn Tage anhaltend, wird sie Metrorrhagie genannt. Zwischenblutungen können neben organischen Ursachen verschiedene Hormonprobleme zugrunde liegen, typisch für hormonell instabile Zeiten wie Pubertät und Wechseljahre: Störungen der Follikelreifung (siehe wiederum im Kapitel "Was den Menstruationszyklus beeinflusst") oder Zyklen ohne Eisprung, bei denen der Follikel länger bestehen bleibt. Infolgedessen baut sich die Gebärmutterschleimhaut höher auf, und es kommt zu Durchbruchsblutungen (dysfunktionelle Blutung).

Der Arzt macht sich ein genaues Bild von den Beschwerden (Anamnese). Bei Zusatzblutungen, die nicht auf hormonelle Schwankungen in der Pubertät oder um die Wechseljahre herum zurückzuführen sind, insbesondere bei einer Metrorrhagie, sind genauere Untersuchungen notwendig. Dazu gehört auch eine Ausschabung (Kürettage oder Abrasio uteri). Zu anderen Metrorrhagie-Ursachen siehe in den weiteren Kapiteln.

Unterleibsschmerzen

Bestätigt sich eine hormonelle Störung als Ursache, kann der Arzt eine hormonelle Behandlung für sinnvoll erachten, um den Zyklus zu stabilisieren. Unter Umständen, etwa in der Pubertät, verordnet der Gynäkologe ein Östrogenpräparat nur in der Zyklusmitte.

Tritt die Blutung zum Beispiel kurz nach der Mentruation auf, setzt der Arzt ebenfalls ein Östrogenpräparat oder ein kombiniertes Präprarat mit Östrogen und Gestagen für wenige Tage ein, je nachdem, welche Störung der Gebärmutterschleimhaut im Zyklusverlauf (Aufbau oder Umbau / Abstoßung) vorliegt.

Bei Frauen, die keinen Kinderwunsch mehr haben, kann eine Verödung beziehungsweise Abtragung der Gebärmutterschleimhaut oder die Entfernung der Gebärmutter eine letzte Option sein. Der Gynäkologe wird die Betroffene vorher ausführlich über die möglichen Vor- und Nachteile dieser Verfahren informieren. So kann sie in aller Ruhe und nach reiflicher Überlegung entscheiden, welchen Weg sie bevorzugt.

Laboruntersuchung

2. Gelbkörperschwäche

Symptome: Schmierblutungen wenige Tage vor Einsetzen der Regelblutung.

Ursache, Therapie: Hier produziert der Gelbkörper (siehe Kapitel "Was den Zyklus beeinflusst" in diesem Artikel) nicht genügend Progesteron; auch ein gewisser Östrogenmangel tritt auf. Es kommt zu Zwischenblutungen oder einem verkürzten Zyklus. Die Einnahme eines kombinierten Hormonpräparates  (mit Östrogen und Gestagen) in der zweiten Zyklushälfte kann die Gelbkörperschwäche beheben.

Bei manchen Frauen treten auch Unregelmäßigkeiten in der Produktion der übergeordneten Hormone FSH und LH auf, die aus der Hirnanhangdrüse kommen und den Zyklus steuern.

Leidet eine Frau unter ausgeprägten Blutungsstörungen und unerfülltem Kinderwunsch, wird der Arzt die hormonelle Situation umfänglich abklären. Auch wenn erste Therapiemaßnahmen keine Hilfe bringen, kann eine entsprechende Prüfung angezeigt sein. Das geschieht häufig in einer endokrinologischen Spezialpraxis.

Spirale

3. Hormonelle Verhütungsmittel

Symptome: Schmierblutungen, Zwischenblutungen, gestörte Regelblutung bis hin zum Ausbleiben der Regel

Ursache, Therapie: Meistens tragen hormonelle Verhütungsmittel wie die Antibabypille dazu bei, Zyklusstörungen zu normalisieren. Deshalb setzen Ärzte sie mitunter auch zur Therapie von Hormonschwankungen und unterstützend zu anderen Behandlungen ein.

Frauen, die mit der sogenannten Minipille, mit dem Verhütungsstäbchen (bis zu drei Jahren unter der Haut verbleibendes Implantat) oder auch einer Dreimonatsspritze verhüten, erleben häufiger Zwischenblutungen und andere Menstruationsstörungen. Diese Verhütungsformen enthalten als Hormon nur Gestagen.

Im Allgemeinen verschreiben die Ärzte heute unterschiedliche Kombinationen aus Östrogenen und Gestagenen, die sie sehr individuell auswählen können. Manchmal treten anfangs Zwischenblutungen auf, wenn eine Frau eine Pille neu einnimmt. In der Regel stabilisiert sich der Zyklus nach wenigen Monaten. Manchmal treten auch unter kombinierten Pillen Blutungsstörungen auf. Dann kann es sich anbieten, auf ein anderes Präparat umzustellen, wenn keine organischen Ursachen vorliegen. So kann bei Blutungen in der ersten Einnahmephase ein mehr östrogenbetontes, bei Blutungen in der zweiten Phase ein gestagenbetontes Präparat sinnvoll sein.

Zu Schmierblutungen und anderen Menstruationsstörungen kann es auch kommen, wenn eine Frau mit einer Spirale verhütet, insbesondere bei Kupferspiralen. Hormonspiralen, die in der Gebärmutter Gestagen abgeben, bewirken dagegen eher, dass die Blutungsstärke zurückgeht. Andererseits treten bei gestagenhaltigen Hormonspiralen auch manchmal Zwischenblutungen auf. Daher ist es wichtig, sich im Vorfeld eingehend vom Frauenarzt beraten zu lassen.