Blutungen außerhalb der Regel – Ursachen: Hormonstörungen

Häufig sind hormonelle Unregelmäßigkeiten die Ursache für Zwischenblutungen. Der Arzt schließt jedoch immer zuerst organische Erkrankungen aus, bevor er Hormonproblemen nachgeht
von Andrea Blank-Koppenleitner , aktualisiert am 14.11.2016

Frauen, die die Pille nehmen, haben oft einen regelmäßigeren Zyklus als vorher

Banana Stock/RYF

Hormonelle Ursachen für Blutungen außerhalb der Regel

1. Ovulationsblutung

Symptome: Schmierblutungen, leichte Blutung von ein bis drei Tagen während des Eisprungs in der Mitte des Menstruationszyklus, oft verbunden mit Mittelschmerz.

Ursache, Therapie: Das Absinken des Östrogenspiegels nach dem Eisprung bewirkt manchmal eine leichte Hormonentzugsblutung. Die auch als Mittelblutung bezeichnete Zyklusstörung hat eigentlich keinen Krankheitswert. Es ist aber sinnvoll, sich vom Gynäkologen untersuchen zu lassen, wenn es wiederholt zu Zwischenblutungen, auch schwächer ausgeprägten, kommt.

Häufig helfen Stressabbau und eine gesunde, ausgeglichene Lebensweise, solche vom Arzt als harmlos bestätigten Zyklusbeschwerden zu verringern.

Dauert eine solche Blutung außerhalb der üblichen Menstruation jedoch länger als sieben Tage, wird sie Metrorrhagie genannt. Hier können zum Beispiel verschiedene Hormonprobleme zugrunde liegen, typisch für hormonell instabile Zeiten wie Pubertät und Wechseljahre: Störungen der Follikelreifung (siehe Kapitel "Der Menstruationszyklus") oder Zyklen ohne Eisprung, bei denen der Follikel länger bestehen bleibt. Infolgedessen baut sich die Gebärmutterschleimhaut höher auf, und es kommt zu Durchbruchsblutungen. Der Arzt macht sich ein genaues Bild von den Beschwerden (Anamnese). In ausgeprägteren Fällen wie einer Metrorrhagie sind umfangreichere Untersuchungen notwendig bis hin zu einer Ausschabung (zu anderen Metrorrhagie-Ursachen siehe in den weiteren Kapiteln).

Bestätigt sich eine hormonelle Störung als Ursache, kann der Arzt die Einnahme einer individuell geeigneten Antibabypille beziehungsweise eine andere hormonelle Behandlung für sinnvoll erachten, um den Zyklus zu stabilisieren. Voraussetzung ist allerdings, dass die betroffene Frau keine Risikofaktoren aufweist, die gegen den Einsatz dieser Therapie sprechen. Dazu gehören Zigarettenrauchen, Thromboseneigung (etwa bei familiärer Veranlagung), Übergewicht, ein bestimmtes Lebensalter.

Mögliche Risiken bei der Einnahme hängen auch von der Art und Zusammensetzung des hormonellen Verhütungsmittels ab. Daher sind eine sehr individuell anpasste Wahl des Medikamentes, die umfassende Aufklärung über mögliche Nebenwirkungen und Warnzeichen sowie regelmäßige Kontrollen angeraten. Unter Umständen, etwa in der Pubertät, erwägt der Arzt eine Behandlung mit einem Gestagen-Präparat nur in der Zyklusmitte.

Bei älteren Frauen, die keinen Kinderwunsch mehr haben, kann eine Verödung beziehungsweise Abtragung der Gebärmutterschleimhaut oder die Entfernung der Gebärmutter eine Lösung sein. Der Gynäkologe wird die Betroffene vorher ausführlich über die möglichen Vor- und Nachteile dieser Verfahren informieren. So kann sie in aller Ruhe und nach reiflicher Überlegung entscheiden, welchen Weg sie bevorzugt. 

2. Gelbkörperschwäche

Symptome: Schmierblutungen wenige Tage vor Einsetzen der Regelblutung beziehungsweise nach Ende der Regelblutung

Ursache, Therapie: Hier produziert der Gelbkörper (siehe unter "Menstruationszyklus") nicht genügend Progesteron. Es kommt zu Zwischenblutungen oder einem verkürzten Zyklus. Der Progesteronmangel ist möglicherweise auch Ursache für eine ausbleibende Schwangerschaft. Der Arzt richtet die Behandlung individuell nach der Diagnose und der Situation seiner Patientin aus. Wichtig ist dabei zum Beispiel, ob sie noch Kinder bekommen möchte. Eine Hormonersatztherapie mit Progesteron oder einem künstlichen Gestagenpräparat in der zweiten Zyklushälfte kann die Gelbkörperschwäche beheben. Daneben kommen auch anders gestaltete Hormontherapien infrage. Über mögliche Risiken wird der Arzt die Betroffene jeweils genau informieren (siehe auch oben).

Bei manchen Frauen treten auch Unregelmäßigkeiten in der Produktion der stimulierenden Hormone FSH und LH auf.

Leidet eine Frau unter ausgeprägten Blutungsstörungen und unerfülltem Kinderwunsch, wird der Arzt die hormonelle Situation abklären (endokrine Basisdiagnostik). Auch wenn erste Therapiemaßnahmen keine Hilfe bringen, kann eine entsprechende Prüfung angezeigt sein. Das geschieht häufig in einer endokrinologischen Spezialpraxis.

3. Hormonelle Verhütungsmittel

Symptome: Schmierblutungen, Zwischenblutungen, gestörte Regelblutung bis hin zum Ausbleiben der Regel

Ursache, Therapie: Meisten tragen hormonelle Verhütungsmittel wie die Antibabypille dazu bei, Zyklusstörungen zu normalisieren. Deshalb setzen Ärzte sie mitunter auch zur Therapie von Hormonschwankungen und unterstützend zu anderen Behandlungen ein.

Frauen, die mit der sogenannten Minipille, mit dem Verhütungsstäbchen (bis zu drei Jahren unter der Haut verbleibendes Implantat) oder auch einer Dreimonatsspritze verhüten, erleben häufiger Zwischenblutungen und andere Menstruationsstörungen. Diese Verhütungsformen enthalten als Hormon nur Gestagen.

Meistens verschreiben die Ärzte heute unterschiedliche Kombinationen aus Östrogenen und Gestagenen, die sie sehr individuell aussuchen können. Manchmal treten anfangs Zwischenblutungen auf, wenn eine Frau eine Pille neu einnimmt. In der Regel stabilisiert sich der Zyklus nach wenigen Monaten. Manchmal treten auch unter kombinierten Pillen Blutungsstörungen auf. Dann kann es sinnvoll sein, auf ein anderes Präparat umzustellen, wenn keine organischen Ursachen vorliegen.

Zu Schmierblutungen und anderen Menstruationsstörungen kann es auch kommen, wenn eine Frau mit einer Spirale verhütet, insbesondere bei Kupferspiralen. Hormonspiralen, die in der Gebärmutter Gestagen abgeben, bewirken dagegen eher, dass die Blutungsstärke zurückgeht. Andererseits treten bei gestagenhaltigen Hormonspiralen auch manchmal Zwischenblutungen auf. Daher ist es wichtig, sich im Vorfeld eingehend vom Frauenarzt beraten zu lassen.


  1. 1
  2. 2
  3. 3
  4. 4
  5. 5
  6. 6
  7. 7
  8. 8
  9. 9

Newsletter abonnieren

Hier können Sie unseren kostenlosen Newsletter abonnieren »

Symptome-Finder

Wählen Sie:
© Wort & Bild Verlag Konradshöhe GmbH & Co. KG

Weitere Online-Angebote des Wort & Bild Verlages