Gasbrand (Gasödem)

Gasbrand ist eine lebensbedrohliche Wundinfektion mit bestimmten toxinbildenden Bakterien, am häufigsten Clostridium perfringens. Gefährdet sind vor allem Menschen mit schweren Verletzungen nach Unfällen oder Kriegsverletzungen
von Dr. med. Dagmar Schneck, aktualisiert am 13.02.2014

Der Erreger des Gasbrandes, das Bakterium Clostridium perfringens

Your Photo Today/Phanie/CDC

Die Erreger des Gasbrandes, Clostridium perfringens kommen nahezu überall in der Umwelt vor. Sie sind im Erdreich zu finden und mit wechselnder Häufigkeit auch im menschlichen Darm. Sie bilden Sporen, also Dauerformen, die auch unter Bedingungen überleben können, die die Bakterien selbst nicht überstehen könnten. Vermehren können sie sich ausschließlich unter Luftabschluss oder genauer gesagt in Abwesenheit von Sauerstoff (anaerobe Bedingungen). Sie bilden dann Toxine, also Giftstoffe, die Gewebe und Körperzellen angreifen und unter Gasbildung verflüssigen.

Wann kann es zu einer Infektion mit Clostridium perfringens kommen?

Eine Verunreinigung von Haut oder oberflächlichen Wundschichten mit Clostridium perfringens ist gar nicht so selten. Vermehren können sich die Keime nur, wenn sie keinem Sauerstoff ausgesetzt sind. Nur dann ist eine Infektion mit Toxinbildung möglich.  Solche Bedingungen finden die Clostridien in stark gequetschtem, teils abgestorbenem Gewebe vor, in dem keine ausreichende Blutversorgung vorhanden ist. Beispiele sind ausgedehnten Weichteilverletzungen im Rahmen von Verkehrsunfällen oder bei Kriegsverletzungen. Relativ häufig besiedeln die Clostridien abgestorbenes Gewebe (Nekrosen) in solchen Verletzungen. Von einem Gasbrand spricht man erst dann, wenn die Infektion auf das umgebende gesunde Muskelgewebe übergreift und es zerstört. Das ist insgesamt selten, aber wenn es auftritt, ist es immer lebensbedrohlich.

Welche Symptome weisen auf einen Gasbrand hin?

Typische Symptome sind heftigste Wundschmerzen, die wenige Stunden bis drei Tage nach der Verletzung auftreten. Die Wunde schwillt an. Die Haut in ihrer Umgebung ist gespannt. Zunächst ist sie blass. Später wird sie rot. Es entwickeln sich Blasen mit blutig-wässrigem Wundsekret. Die Gasbildung im Gewebe ist beim Betasten der Wunde als Knistern wahrzunehmen (Krepitationen). Erfahrene Ärzte und Pflegepersonal erkennen die Infektion auch an ihrem typischen fauligen Geruch. Wenn Keime und Toxin in die Blutbahn gelangen, kommt es zu einer schweren Blutvergiftung mit Fieber, Kreislaufversagen, Störungen der Blutgerinnung und Versagen lebenswichtiger Organe.

Wie stellt der Arzt die Diagnose?

Eine Gasbrandinfektion ist immer unmittelbar lebensbedrohlich. Bei einem Verdacht auf diese Infektion muss die weitere Diagnostik parallel zu den ersten Behandlungsmaßnahmen stattfinden. Dazu gehört die Untersuchung einer frischen Gewebeprobe unter dem Mikroskop. In solchen Proben erkennt der Keimspezialist bei einem Gasbrand typischerweise viele große, plumpe grampositive (blau gefärbte) Stäbchenbakterien. Genau bestimmen kann er die Keime mit Hilfe einer Anzucht, die ein bis zwei Tage dauert. Eine Massenspektrometrie kann das Ergebnis innerhalb weniger Minuten liefern. Wichtig für den erfolgreichen Nachweis der Keime ist ein schnellstmöglicher Transport der Gewebeprobe in einem Milieu, in dem die anaeroben Keime auch überleben können.

Wie sieht die Behandlung eines Gasbrandes aus?

Wichtigste Säule der Behandlung ist die operative Entfernung des abgestorbenen Gewebes (Nekrosen) und eine offene Wundbehandlung. Denn wenn die Keime der Einwirkung von Sauerstoff augesetzt sind, können sie sich nicht mehr vermehren. Wenn die Infektion auf eine Wunde an einer Gliedmaße (Arm oder Bein) beschränkt ist, kann eine Amputation eine Blutvergiftung durch die Keime und ihr Toxin verhindern. Begleitend beginnt der Arzt meistens eine Behandlung mit den Antibiotika Penicillin und Clindamycin. Es gibt experimentelle Therapieansätze mit hyperbarer Sauerstofftherapie. Diese ist jedoch nur zu empfehlen, wenn sie ohne größeren logistischen Aufwand möglich ist. Bei einer Sepsis mit Clostridium perfringens gelten die allgemeinen Behandlungsrichtlinien zur Behandlung eines septischen Schockes (Flüssigeitszufuhr und unterstützende Therapieaßnahmen).

Wie ist die Prognose bei einem Gasbrand?

Ein Gasbrand ist immer eine lebensbedrohliche Erkrankung. Trotz Behandlung versterben weit über die Hälfte der betroffenen Patienten. Ein Gasbrand an den Extremitäten lässt sich leichter beherrschen als einer am Körperstamm. Die Amputation einer von Gasbrand befallenen Gliedmaße kann lebensrettend sein.

Beratender Experte: Univ.-Prof. Dr. med. Thomas Miethke

Professor Thomas Miethke ist der Direktor des Instituts für Medizinische Mikrobiologie und Hygiene am Universitätsklinikum Mannheim. Zu seinen wissenschaftlichen Schwerpunkten gehören die Wechselwirkungen zwischen Krankheitserregern und Immunsystem des Patienten.

Quellen:

Siewert JR, Stein HJ, Chirurgie 9. Auflage, Berlin, Heidelberg, Springer-Verlag 2012

Burchardi H, Larsen R, Marx G et al, Die Intensivmedizin 11. Auflage, Berlin, Heidelberg, Springer-Verlag 2011


Wichtiger Hinweis:

Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder –behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.



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