Spitzfuß

Der Spitzfuß ist eine Fußfehlstellung, die häufig bei Kindern, aber auch bei Erwachsenen auftritt. Dabei steht die Ferse hoch und berührt nicht den Boden
von Dr. Dagmar Schneck, 25.04.2013

Durch eine verkürzte Wadenmuskulatur kann es zu einem Spitzfuß kommen

W&B/Astrid Zacharias

Was ist ein Spitzfuß?

Zu einer Spitzfuß-Fehlstellung (auch Pes equinus oder Pferdefuß genannt) kommt es, wenn die Wadenmuskulatur verkürzt ist. Aber auch knöcherne Veränderungen im Sprunggelenk können dazu führen, dass die Ferse hoch steht und nicht mehr den Boden berührt. Diese Fußfehlstellung kommt bei Kindern, aber auch bei Erwachsenen vor. Am häufigsten tritt der Spitzfuß im Rahmen einer neurologischen Erkrankung auf, bei der das Zusammenspiel zwischen Nerven und Muskeln gestört ist. Dies ist zum Beispiel bei spastischen Lähmungen (wie der infantilen Zerebralparese) der Fall. Ein Spitzfuß kann sich auch ausbilden, wenn der Betroffene lange liegen muss und der Fuß nicht abgestützt wird, bei Arthrose oder nach bestimmten Operationen oder unfallbedingten Verletzungen.

Formen eines Spitzfußes

Jedes Kind lernt das Laufen zunächst auf den Zehenspitzen. Mediziner nennen das den physiologischen Zehenspitzengang eines Kleinkindes. Bleibt der Zehenspitzengang über diese Phase hinaus bestehen ohne dass eine neurologische beziehungsweise neuromuskuläre Erkrankung vorliegt, spricht man von einem habituellen Spitzfuß.

Solange die Spitzfußstellung nur beim Gehen oder Stehen vorhanden ist, ohne dass die Wadenmuskulatur irreversibel verkürzt ist, spricht man von einem funktionellen Spitzfuß. Ein typisches Beispiel ist der Spitzfuß, der benutzt wird um eine Beinlängendifferenz auszugleichen. Ist eine Verkürzung der Wadenmuskulatur (Kontraktur) vorhanden, welche nicht mehr ausgeglichen werden kann, sprechen Experten von einem strukturell fixierten Spitzfuß. Ursachen können eine spastische Muskelaktivität, Muskelschäden nach Unfällen oder auch Narben sein.

Das Gehen und Stehen in Spitzfußstellung bereitet Betroffenen Probleme, weil sie den Fuß nur auf einer kleinen Auflagefläche belasten können. Es ist schwierig das Gleichgewicht zu halten, vor allem wenn, wie bei den meisten Patienten, zusätzlich andere neurologische Störungen bestehen. Daher kommt es häufig zu kombinierten Fußfehlstellungen (z. B. Abduktions-Knick-Senk-Fuß oder Klumpfuß).

Therapie: Wie lässt sich ein Spitzfuß behandeln?

Eine habituelle Spitzfußstellung im Kindesalter kann sich unter Umständen unter dem steigenden Körpergewicht des wachsenden Kindes von selbst korrigieren. Ist dies nicht der Fall, muss der Spitzfuß behandelt werden. Ob eine Therapie nötig ist, sollten Eltern frühzeitig mit dem Arzt besprechen. Solange die Fußfehlstellung nicht durch eine verkürzte Wadenmuskulatur bedingt ist, ist eine konservative Behandlung mit gutem Erfolg möglich. Teilweise reichen spezielle Dehnübungen unter Anleitung eines Physiotherapeuten aus.

Droht eine Verkürzung der Wadenmuskulatur, wird meist eine andere Behandlung nötig. Die Patienten müssen zum Beispiel einen Unterschenkelgehgips über mehrere Wochen tragen, damit sich die Fußstellung wieder normalisiert. Anschließend kommen häufig Nachtschienen zum Einsatz und funktionelle Orthesen (Gehschienen). Manchmal verabreicht der Arzt auch Botulinustoxin in bestimmte Anteile der Wadenmuskulatur, um diese erschlaffen zu lassen. Botulinustoxin wird auch eingesetzt um die Möglichkeiten und Grenzen einer funktionellen Behandlung abschätzen zu können.

Ist die Spitzfußstellung bereits strukturell fixiert, ist also die Wadenmuskulatur verkürzt, wird meist eine Operation notwendig, um die Fehlstellung zu korrigieren. Auch hier gibt es verschiedene Behandlungsansätze. Grundsätzlich kann die Achillessehne verlängert werden oder die Wadenmuskulatur. Eine Verlängerung der Achillessehne ist technisch einfacher und führt zu einer größeren Längenzunahme. Der Nachteil ist ein möglicher Kraftverlust. Als schonender und physiologischer gelten daher die Verfahren, bei der die Wadenmuskulatur verlängert wird.

Alle Verfahren bergen ein gewisses Rückfallrisiko, insbesondere im Wachstumsalter. Sie können aber mehrfach wiederholt werden. In aller Regel ist nach der Operation eine intensive physiotherapeutische Nachbehandlung notwendig.

Unser Experte: Professor Markus Walther

Schön Kliniken München Harlaching

Beratender Experte: Professor Markus Walther, Orthopäde und Fußchirurg an der Schön Klinik München-Harlaching

Quellen:

- Niethard: Kinderorthopädie, 2. Auflage, Thieme Verlag 2010

- Hefti: Kinderorthopädie in der Praxis, 2. Auflage,  Springer-Verlag 2006

- Niethard, Pfeil, Biberthaler: Orthopädie und Unfallchirurgie, Duale Reihe, Thieme Verlag, 6. Auflage, 2009


Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder –behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.



Newsletter abonnieren

Hier können Sie unseren kostenlosen Newsletter abonnieren  »

© Wort & Bild Verlag Konradshöhe GmbH & Co. KG

Weitere Online-Angebote des Wort & Bild Verlages