Nebenwirkung

Positives aus der Problemzone


Es wird Sommer. Für manches Ego eine harte Zeit. Denn kommt die Sonne raus, scheint das für viele Menschen ein klarer Imperativ zu sein: Zeigt, was ihr habt! Ich bin eigentlich ganz gut darin, diesen Befehl zu überhören. Freibäder sind mir egal, da bin ich selten. Auch die Sommermode, die mal wieder Frauenkörper über 16 demütigt: geschenkt. Meine Probleme sitzen viel tiefer. Es sind meine Füße. Barfuß habe ich entfernt was vom Personal aus "Herr der Ringe". Nicht den Elfen, den Hobbits.

Orthopäden würden vermutlich von "Spreiz-Senk-Plattfüßen mit Ballenzehen" sprechen. Auch wenn es so klingt: Das ist nicht schmerzhaft. Nur ein bisschen peinlich. Bevor ich im Sommer die Turnschuhe gegen luftige Sandalen tausche, muss das Thermometer Sahara-Temperaturen anzeigen.

Als ich kürzlich frustriert eine Zeitschrift mit den "ultimativen Sommer-Schuhen" durchblätterte, blieb ich deshalb interessiert an einem Beitrag über die "Body Positive"-Bewegung hängen. Sie wirbt dafür, den eigenen Körper inklusive aller Makel anzunehmen – von Akne bis Cellulite. Jawoll, dachte ich. Wir sollten alle Body-Positivisten werden. Nieder mit dem Diktat gängiger Schönheitsideale!

Meine Füße sind vielleicht nicht schön, erfüllen aber brav ihren Zweck. Nämlich mich von A nach B zu bringen. Sie tragen mich durchs Leben, haben mich manchen Kilometer laufen und Nächte durchtanzen lassen. Ich stehe auf meine Füße. Zwangsläufig.

Aber: Zeigefreudiger macht mich das auch nicht. Für mich gilt irgendwie noch ein weiterer Imperativ: Was du nicht willst, dass man dir zeigt, das führ auch keinem anderen vor. Ich sehe meine Füße jetzt total positiv, wirklich. Trotzdem: Auch diesen Sommer bleibt der Schuh zu.