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Fußheberlähmung: Aus dem Tritt

Eine Lähmung des vorderen Schienbeinmuskels behindert das Gehen oft beträchtlich. Die resultierende Gangstörung heißt Hahnentritt, Storchen- oder Steppergang. Was Betroffenen auf die Beine hilft

von Ute Essig, 12.12.2019
Physiotherapie bei Fußheberlähmung

Diagnostik: Bei der körperlichen Untersuchung testet der Arzt verschiedene Fußreflexe


Von einer Fußheberlähmung Betroffene können die Fußspitze nicht mehr aktiv nach oben ziehen und heben das Bein aus der Hüfte heraus an, um einen Schritt vorwärts zu machen.

"Das Sturzrisiko ist hoch, weil man mit der Fußspitze am Boden hängen bleibt und stolpert", sagt Professor Günter Seidel, Chefarzt der Klinik für Neurologie und Neurologische Frührehabilitation an der Asklepios- Klinik Nord – Heidberg in Hamburg. Außerdem führt der Steppergang zu einer Fehlbelastung der Hüfte und der gesamten Wirbelsäule, was mit der Zeit sehr schmerzhaft werden kann.

Zu viel Druck auf den Nerv

Die Gangstörung entsteht durch die Lähmung des vorderen Schienbeinmuskels, der den Fuß anhebt. Gründe dafür gibt es viele. Der häufigste: zu großer Druck auf den Peroneus-Nerv – das ist ein Teil des großen Bein- oder auch Ischiasnervs.

Ursachen können Verletzungen, lange Bettlägrigkeit oder das regelmäßig lange Sitzen mit übergeschlagenen Beinen sein.

Vielfältige Ursachen

Die Beeinträchtigung kann aber auch vom zentralen Nervensystem oder von den Nervenwurzeln zwischen den Wirbelkörpern ausgehen – etwa nach einem Schlaganfall oder Bandscheibenvorfall.

Eine Nervenschädigung (Polyneuro­pathie) im Zuge eines langjährigen Diabetes schwächt den Fußheber ebenfalls oder legt ihn lahm. "Die Vielfalt an möglichen Ursachen führt dazu, dass wir die Patienten schwer in Zahlen fassen können", sagt Dr. Anne Carolus von der Neurochirurgischen Klinik am Universitätsklinikum Knappschaftskrankenhaus Bochum.

Neues Therapiekonzept

Um die Beratung und medizinische Versorgung von Betroffenen zu verbessern und interdisziplinär zu bündeln, gründete die Ärztin eine Schwerpunktsprechstunde. Dort arbeiten Mediziner verschiedener Fachrichtungen und Physiotherapeuten eng zusammen.

Das Therapiekonzept in Bochum sieht vor, mittels bildgebender Verfahren herauszufinden, ob die Schädigung einen Ursprung hat, der sich lokalisieren lässt. Auf dieser Basis wird dann entschieden, ob eine Operation zur Druckentlastung die Chance erhöht, dass sich die Lähmung zurück­bildet.

In einigen Fällen, zum Beispiel nach einer Unfallverletzung, können sich die Nerven auch ohne Eingriff regenerieren. "Die Fasern sprossen neu aus, etwa einen Millimeter pro Tag", so Seidel. Dieses Wachstum könne man gezielt fördern. "Eine Physiotherapie mit bestimmten Bewegungen, die häufig wiederholt werden, stimuliert das Nervengewebe."

Kleine Maßnahmen steigern die Lebensqualität

In vielen Fällen ist das Zeitfenster für eine deutliche Verbesserung aber schon geschlossen, weil die Patienten zu spät kommen. "Bei weniger als der Hälfte der Betroffenen kann man die Lähmung noch beheben", sagt Carolus. In den meisten Fällen dauert das Leiden schon Monate oder Jahre. "Dann ist der Nerv in der Regel irreversibel geschädigt."

Mit den Beschwerden und Problemen, die entstehen, muss sich jedoch niemand abfinden. Auch wenn eine ursächliche Therapie nicht mehr möglich ist, kann man die Lebensqualität verbessern und die Verletzungsgefahr reduzieren (siehe Kasten unten). Oft helfen dabei schon kleine Veränderungen. Besonders wichtig: Stolperfallen in der Wohnung entfernen!

Das verbessert den Gang

Individuell angepasste Orthesen unterstützen die Fußbewegung. Das sind mechanische Hilfssysteme, die die Fußspitze durch einen Federmechanismus nach oben führen. Eine gezielte Bewegungtherapie steigert die Mobilität.

Bei bleibender Lähmung kann eine Operation helfen. Dabei wird die Sehne eines anderen Fußmuskels auf den Fußrücken umgelenkt.

Beseitigen Sie zuhause Boden­unebenheiten wie welliges Parkett, kleben Sie Teppichkanten fest und verlegen Sie lose Kabel so, dass keiner darüber stolpert.