Fieber bei Kollagenosen, Rheuma

Kollagenosen beruhen auf Störungen des Immunsystems und betreffen das Bindegewebe. Die ernsthaften Krankheitsbilder kommen bei Frauen häufiger vor als bei Männern und verursachen oft Fieber

von Dr. med. Claudia Osthoff, aktualisiert am 07.09.2017
So wehrt das Immunsystem Angreifer ab

Das Immunsystem wird nicht nur konkret bei der Feindabwehr, sondern manchmal auch grundlos aktiv


Aufgabe des Immunsystems ist es, Krankheitserreger und andere krankmachende Fremdstoffe zu erkennen und zu bekämpfen. Manchmal reagiert das Immunsystem überzogen und richtet sich gegen den Körper selbst. Die Folge sind mitunter den ganzen Körper umfassende Entzündungsvorgänge.

Mediziner sprechen dann von Autoimmunerkrankungen, im weiteren Sinn auch von Systemerkrankungen. Dazu gehören vielfältige Krankheitsbilder. Nicht alle gehen mit Fieber einher, Kollagenosen, Rheuma oder bestimmte Entzündungen der Schilddrüse (siehe Kapitel "Hormone & Co.") aber schon.

Kollagenosen spielen sich im Bindegewebe ab. Das ist praktisch in allen Organen vorhanden, einschließlich Gefäßen. Daher können sich bei diesen Krankheiten auch nahezu alle Organe entzünden. Und der Name? Ein Grundbaustein von Bindegewebe ist das Kollagen. Ursprünglich nahmen Mediziner an, dass diese Kernsubstanz des Bindegewebes Kollagenosen auslöst. Oft gibt es hier auch eine genetische Veranlagung.

Schließlich gehen bestimmte Zellen des Immunsystems (Lymphozyten) gegen den Körper vor. Das bedeutet, dass das Immunsystem teilweise die natürliche Toleranz dem eigenen Körper gegenüber aufgibt. In der Folge treten bestimmte Stoffe (Antikörper, teilweise auch sogenannte Immunkomplexe) auf. Es kommt zu Entzündungen – häufig in Gelenken, Gefäßen, Nieren, Nerven, Augen, Schleimhäuten, am Rippenfell, Herz und in der Haut.

Hände in der Sonne

Zu den Kollagenosen, bei denen unter anderem regelhaft Fieber auftreten, gehören der systemische Lupus erythematodes (SLE) und die Polymyositis / Dermatomyositis.

Systemischer Lupus erythematodes (SLE)

Überwiegend erkranken an SLE Frauen im gebärfähigen Alter, manchmal auch nach dem 55. Lebensjahr. UV-Strahlen und starke hormonelle Veränderungen (Schwangerschaft) können das Krankheitsbild begünstigen. Eine meist milde verlaufende "Lupus"-Form entsteht manchmal unter dem Einfluss bestimmter Medikamente wie Schilddrüsenblocker, einige Antiepileptika und Antiarrhythmika  (etwa Chinidin). Werden sie abgesetzt, verschwindet das Phänomen wieder.

Symptome: Die Betroffenen haben Fieber, verlieren an Gewicht und fühlen sich abgeschlagen. Auffällig und störend sind die Hautveränderungen: eine schmetterlingsförmige Rötung im Gesicht, rote, schuppige Papeln in anderen Körperbereichen, zum Beispiel am Rücken und an den Armen, sodann die äußerst lichtempfindliche Haut. Möglich sind auch Beschwerden seitens des Herzens, zum Beispiel Angina pectoris, der Lungen oder des Rippen- und Lungenfells (etwa deutliche Schmerzen beim Atmen, Reizhusten ohne Auswurf, eventuell Übergang in Atemnot). Außerdem kann es zu Nierenschädigungen ("Lupus-Nephritis") mit Schwellungen am Körper und neurologischen Störungen kommen: Gedächtnisprobleme, Kopfschmerzen, psychische Veränderungen.

Diagnose: Die Diagnose ergibt sich aus der Kombination von Befunden, die das amerikanische Rheuma-College zu diagnostischen Kriterien erhoben hat. Dazu gehören zum Beispiel ein schmetterlingsförmiger Ausschlag im Gesicht (Erythem) ebenso wie Beschwerden an zwei oder mehr Gelenken, eine äußerst lichtempfindliche Haut (Photosensibilität) und vieles mehr. Richtungweisend sind zudem Immunphänomene im Blut wie Anti-DNS-Antikörper und sogenannte antinukleäre Faktoren (ANA gegen Zellkernbestandteile).

Therapie: Wichtig ist guter Lichtschutz. Je nachdem, wie aktiv die Krankheit ist, behandelt der Arzt den Patienten mit Arzneimitteln wie Antirheumatika,  Hydroxychloroquin, Kortison oder speziellen Substanzen, die das Immunsystem unterdrücken (Immunsuppressiva) wie Azathioprin oder Cyclosporin A. Auch sogenannte Biologicals, also biotechnisch erzeugte Antikörper wie Rituximab, oder aber der Stoff Mycophenolat-Mofetil haben ihren Platz, vorläufig aber noch in Studien. Mycophenolat-Mofetil wird auch eingesetzt, wenn die Nieren miterkrankt sind. Das gilt außerdem für sogenannte ACE-Hemmer, die den Eiweißverlust über die Nieren sowie den Blutdruck in Schranken halten können. Der Arzt achtet außerdem auf eine gute Einstellung des Blutdrucks. Er empfiehlt, nicht zu rauchen, und verordnet bei Kortisonbehandlung Kalzium und Vitamin D, um die Knochen gegen Osteoporose zu schützen.

Polymyositis / Dermatomyositis

Polymyositis bedeutet Entzündung vieler Muskeln. Dermatomyositis heißt, dass sich Muskeln und die Haut entzünden. Es gibt zahlreiche Ausprägungen der Erkrankung. Sie kann auch schon bei Kindern auftreten. Gelegentlich ist sie Begleiterscheinung einer Tumorerkrankung, zum Beispiel bei Eierstockkrebs.

Symptome: Sehr typisch sind Muskelschmerzen, teilweise wie bei Muskelkater. Sie lassen sich aber nicht durch einen entsprechenden "Einsatz" erklären. Außerdem kommt es zu Muskelschwäche. Die Beschwerden betreffen vor allem die Schultern und das Becken. Teilweise tritt auch Fieber auf. Auffallend sind zudem Hautveränderungen wie violett-rote Ringe an den Lidern, hellrosafarbene Knötchen an den Streckseiten der Fingergelenke, Nagelveränderungen, rissige Haut an den Handflächen und Fingerkuppen. Erkranken innere Organe mit, macht sich das entsprechend bemerkbar: Versteift die Speiseröhre, kommt es zu Schluckstörungen. Veränderungen am Herzen führen zu Rhythmusstörungen. Eine Verhärtung (Fibrose) der Lunge verursacht Atemnot (vgl. Ratgeber "Atemnot", Kapitel "Ursachen – Lungenerkrankungen").

Diagnose: Die Leitsymptome – Muskelschmerzen, Muskelschwäche und Fieber – können den Arzt auf die Spur führen, stehen aber auch für viele andere Erkrankungen. Richtungweisend sind erhöhte Muskelenzyme, vor allem die Kreatinkinase (CK) im Blut. Die der elektrophysiologische Untersuchung der Muskulatur (Elektromyogramm) und eine Gewebeprobe von einem schmerzenden Skelettmuskel (Muskelbiopsie) liefern weitere Anhaltspunkte. Im Rahmen der Diagnostik wird der Arzt auch eine Tumorerkrankung ausschließen.

Therapie: Mit verschiedenen Medikamenten wie Kortison oder speziellen Stoffen, die das Immunsystem blockieren (Immunsuppressiva), etwa des Typs Azathioprin, außerdem Methotrexat lässt sich die Krankheit häufig vollständig oder teilweise beherrschen. Manchmal schreitet sie jedoch voran. Dann setzen Ärzte unter Umständen Medikamente wie Ciclospoprin A ein, über einen begrenzten Zeitraum auch Cyclophosphamid, sodann – derzeit noch in Studien – bestimmte Antikörper (Biologicals) oder Tacrolimus. Letzteres ist ein sogenannter Immunmodulator, der bestimmte Immunzellen abblockt. Hat ein Tumor die Krankheit ausgelöst, so bessert sie sich oft, nachdem er entfernt wurde.

Bei beiden Kollagenosen kommt es auch zu Gefäßentzündungen. Diese betrachten Ärzte gesondert. Mehr dazu im entsprechenden Kapitel in diesem Beitrag.

Zu den Autoimmunerkrankungen gehören auch die verschiedenen rheumatischen Gelenkentzündungen. Hier stehen Gelenkschmerzen und -schwellungen sowie die Tendenz zu Gelenkverformungen in der Regel klar im Vordergrund. Bis auf das Still-Syndrom bei Kindern (siehe Kapitel "Fieber bei Kindern") tritt eher kein Fieber auf, allenfalls gelegentlich erhöhte Temperatur. Somit stellen diese Erkrankungen weniger eine Fieberproblematik als vielmehr eine Gelenkproblematik dar und werden daher hier nicht weiter thematisiert.

Im Spezial "Rheuma" finden Sie dazu viele Informationen.