Fieber bei Kindern

Im Kindesalter ist Fieber meist durch eine Virusinfektion bedingt und klingt nach kurzer Zeit wieder ab. Aber es gibt auch Ausnahmen von der Regel
von Dr. med. Claudia Osthoff, aktualisiert am 07.09.2017

Bei Kindern besonders wichtig: rechtzeitig Fieber messen

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Kinder machen bis ins Jugendalter mit zahlreichen Krankheitserregern Bekanntschaft. Die empfohlenen Schutzimpfungen können sie vor dem Schlimmsten bewahren. Trotzdem ist die Immunabwehr ständig auf Trab: allein schon durchschnittlich sechs Erkältungen im Jahr sind bei Kindern ganz normal. Sie fiebern häufig, schnell und deutlich.

Allerdings wird Fieber unterschiedlich definiert. Dabei spielen sowohl das Alter eines Menschen, die Tageszeit als auch die Messmethode eine Rolle (siehe auch Kapitel "Fieber: Überblick". Bei Neugeborenen (in den ersten vier Lebenswochen) wird in verschiedenen Quellen eine Temperatur ab 37,8°C (rektal, im Po gemessen) als Fieber angegeben.

Die Kleine ist munter, hat aber immer wieder mal leichtes Fieber: Sicherheitshalber zum Kinderarzt

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Aber Fieber oder erhöhte Temperatur ist nur ein mögliches Hinweiszeichen für eine eventuelle Erkrankung, insbesondere im Säuglingsalter. So können sehr junge Säuglinge auch ohne Fieber zum Beispiel eine Infektion haben. Aber sie zeigen dann häufig andere Auffälligkeiten, etwa ungewöhnliche Trinkunlust, Trägheit, vielleicht Hautveränderungen.

Kinderärzte empfehlen im Allgemeinen, bei einem Kind, das jünger als drei Monate ist, ab einer Körpertemperatur von 38°C (rektal gemessen) den Kinderarzt aufsuchen. Aber das sind alles nur Faustregeln, da die Messungen tagsüber und von Tag zu Tag schwanken können und auch altersbezogene Angaben zu Messwerten von Körpervorgängen Durchschnitts- und Erfahrungswerte sind.

Wenn Eltern sich also unsicher fühlen, weil sie wiederholt bei ihrem Kind eine nicht normale Temperatur messen und befürchten, dass es sich nicht normal entwickelt oder womöglich krank sein könnte, solten sie mit ihm zum Kinderarzt gehen.


Fieber: Was zeigt das Kind sonst noch?

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Wichtige Ursachen von Fieber bei Kindern und mögliche Begleitsymptome

  • Infektionen der oberen Atemwege und der Ohren: Atemwegsinfektionen werden häufig durch Viren und Bakterien verursacht. Dabei kommt es zu Fieber, Halsschmerzen, Schnupfen, Ohrenschmerzen, Husten, oft auch zu Bauchweh. Bei Entzündungen im Kehlkopfbereich, die auch die unterhalb gelegene Luftröhre und Bronchien (Pseudokrupp: Notfall!) erfassen können, treten neben Fieber ein bellender Husten besonders abends und nachts, eine kloßige Sprache und pfeifende oder röchelnde Geräusche beim Einatmen auf. Das löst Unruhe, Angstgefühle und einen sehr schnellen Puls aus.

Bauchweh bei Kindern: Da brauchen Eltern guten Spürsinn

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  • Magen-Darm-Infekte (Gastroenteritis): Erreger sind Viren, darunter zum Beispiel Rotaviren, oder Bakterien wie verschiedene Escherichia-Coli-Arten einschließlich sogenannter EHEC-Bakterien (EHEC = Enterohämorrhagische Escherichia (E.) coli) oder der Keim Campylobacter. Leitsymptome sind Bauchweh, wässriger, eventuell auch blutiger Durchfall, und Erbrechen. Teilweise tritt Fieber auf. Bei Säuglingen, Kleinkindern, aber auch alten oder abwehrgeschwächten Menschen kommen häufiger schwere Krankheitsverläufe vor. Dies gilt insbesondere auch für EHEC-Infektionen.
  • Harnwegsinfekte: Erreger sind vor allem Escherichia-Coli-Bakterien, die aus dem Darm stammen. Sie verursachen Fieber und Schmerzen beim Wasserlassen. Dies führt dazu, dass die betroffenen Kinder weinen, schreien oder sich weigern, die Blase zu entleeren.
  • Bakterielle (septische) Knochen- (Osteomyelitis) und Gelenkinfektionen (Arthritis): Septisch bedeutet: Ausgehend von einer infektiösen Grunderkrankung, etwa einem Eiterherd, streuen Krankheitserreger über das Blut (hämatogen) und setzen sich in anderen Organen fest, etwa im Knochen. Von dort aus erreichen sie bei Säuglingen und Keinkindern auch leicht ein benachbartes Gelenk, weil die Blutgefäße vom Knochenschaft aus noch bis in den Gelenkkopf hinein reichen. Mit zunehmender Verknöcherung schließt sich der Übergang allmählich. Eine septische Knochinfektion breitet sich dann meist vermehrt im Knochenschaft aus. Meistens sind Bakterien wie Streptokokken, Staphylokokken oder Hämophilus influenzae im Spiel. Betroffen sein können Kinder aller Altersgruppen, bis hin zu Jugendlichen. Am ehesten erkrankt das Hüftgelenk, in absteigender Häufigkeit das Schultergelenk, Ellenbogengelenk, Kniegelenk, Sprunggelenk. Als Komplikationen sind Abszesse möglich. Bei Säuglingen, deren Immunabwehr oft noch zu schwach ist, können schwere Krankheitsbilder aufgrund starker Streuung der Erreger (Sepsis, Notfall, sofortige Therapie in der Klinik!) vorkommen. Eine andere Art der Knochen- oder Gelenkinfektion ist diejenige nach einem orthopädischen Eingriff im betroffenen Bereich oder aber nach einer andersartigen großen Operation.
    Symptome
    : Bei einer Gelenkentzündung ist die Beweglichkeit schmerzhaft eingeschränkt oder das Kind weigert sich sogar, sich aufrecht zu halten und die erkrankte Gliedmaße (meist das Bein) zu belasten. Ein betroffenes Gelenk ist stark geschwollen und gerötet. Je nach Ausprägung des Krankheitsbildes, wobei unter anderem das Alter eine Roll spielt, kommt es zu Fieber (zum Beispiel intermittierender Fiebertyp, siehe Bild im Kapitel "Diagnose") und weiteren Symptomen.
  • Rheumatisches Fieber: Dabei handelt es sich um eine Reaktion des Immunsystems auf sogenannte Streptokokkeninfektionen. Streptokokken sind Bakterien, die Infektionen wie Scharlach, Mandelentzündungen (Streptokokkenangina) und Mittelohrentzündungen verursachen können. Krankmachend sind beim rheumatischen Fieber aber die vom Körper gebildeten Antikörper, die sich gegen körpereigenes Gewebe richten – den Herzmuskel, die Nieren, Bindegewebe der Gelenke, Nervengewebe im Gehirn. Die Krankheit kommt heute eher selten vor.
    Symptome:
    Etwa drei Wochen nach dem Streptokokkeninfekt tritt plötzlich hohes Fieber auf, verschiedene Gelenke schwellen nacheinander an, sind überwärmt und schmerzen. Weitere Symptome betreffen das Herz, die Haut und das Gehirn. Das bei uns selten gewordene Krankheitsbild heilt unter der Behandlung mit Penicillin und entzündungshemmenden Medikamenten einschließlich Kortison meistens aus. Es kann jedoch ein Herzklappenfehler zurückbleiben.
  • Dreitagefieber (Exanthema subitum, Roseola infantum): Das ist eine vorübergehende Viruserkrankung mit hohem Fieber über drei Tage (Fieberkrampfgefahr!), danach zeigt sich für wenige Tage ein Hautausschlag: kleine und mittelgroße rötliche Flecken.
  • Andere fieberhafte Kinderkrankheiten mit Ausschlag: siehe jeweils unter Masern, Mumps, Röteln, Scharlach, Windpocken auf unserem Partnerpotal www.baby-und-familie.de
  • Hand-Fuß-Mundkrankheit: Infektion mit bestimmten Enteroviren (Coxsackieviren), vor allem Vorschul- und Schulkinder erkranken.
    Symptome: Zu Beginn Fieber, Unwohlsein, Appetitlosigkeit, Halsschmerzen, dann Hautausschlag mit kleinen Bläschen an den Händen, Füßen, im Mund- und Intimbereich, aber auch an Knien und Ellenbogen. Meist milder Verlauf.
    Seltene Komplikation ist eine Hirnhautentzündung.
    Wichtig: Gute Händehygiene (gründlich, mit Wasser und Seife) nach jedem Toilettengang hilft das Infektionsrisiko zu senken.
  • Blinddarmentzündung (Appendizitis): Am häufigsten erkranken Kinder zwischen zehn und fünfzehn Jahren an einer Blinddarmentzündung. Typisch sind hier Bauchschmerzen, zunächst um die Nabelgegend. Dann verlagern sich die Schmerzen meist in den rechten Unterbauch. Dazu treten Fieber – manchmal nur leicht –, Übelkeit und Erbrechen auf.
  • Hirnhautentzündung (Meningitis): Erreger von Gehirnhautentzündungen sind unter anderem Bakterien wie Meningokokken, Streptokokken, Pneumokokken, Haemophilus influenzae. Als dringend meningitisverdächtig gelten Symptome wie ein rasch ansteigendes, hohes Fieber mit Erbrechen, erhebliche Kopfschmerzen, Krampfanfälle, Nackensteifigkeit. Dabei legt sich das erkrankte Kind instinktiv auf die Seite und streckt den Kopf nach hinten, da es zu starke Schmerzen hat, wenn es ihn nach vorne beugt. Es kann auch benommen sein und eine sehr berührungsempfindliche Haut haben.

Kinderrheuma: Mädchen erkranken häufiger

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  • Kindliches Rheuma: Entweder entzünden sich bei den betroffenen Kindern einzelne große Gelenke (Mono- oder Oligoarthritis), etwa das Knie oder Ellenbogengelenk. Oder das Rheuma zielt auf mehrere große und kleine Gelenke symmetrisch auf beiden Körperseiten (Polyarthritis), beispielsweise Ellbogen, Knie, dazu häufig die Fingergrundgelenke. Die erkrankten Gelenke schmerzen, sind überwärmt, geschwollen und morgens mehr als eine Stunde lang auffallend steif. Außerdem sind Hautausschläge, eventuell auch Augenentzündungen, Fieber über mehrere Wochen und eine Blutarmut möglich. Manchmal erkranken auch innere Organe (Still-Syndrom). Dabei kann es zu Herzmuskel- und Herzbeutelentzündungen, Rippenfell- und Bauchfellentzündungen kommen.
  • Knochentumoren: Der Begriff Tumor bedeutet zunächst nur, dass sich eine Geschwulst gebildet hat. Die gute Nachricht: Knochentumoren sind im Kindesalter häufiger gut- als bösartig. Mögliche Symptome, mitunter das Leitsymptom, sind wechselnd ausgeprägte, schließlich zunehmende Schmerzen und Schwellungen des betroffenen Bereiches sowie erhöhte Bruchanfälligkeit. Da für diese Beschwerden verschiedenste Knochenerkrankungen infrage kommen können, sollte ein (Kinder-)Orthopäde sicherheitshalber zügig die Ursache abklären. Dies gilt insbesondere auch dann, wenn Allgemeinsymptome wie Müdigkeit, Fieber und Gewichtsverlust auftreten sollten.
  • Leukämien: Bei Kindern kommen vor allem sogenannte akute lymphoblastische Leukämien (ALL) vor.
    Mögliche Symptome sind erhöhte Temperaturen oder Fieber, Müdigkeit, blasse Haut, die auch stippchenartige kleinste Blutungen aufweisen kann, Infektanfälligkeit, geschwollene Lymphknoten, Bauchschmerzen.
  • Kawasaki-Syndrom: Das Krankheitsbild gehört zu den Vaskulitis-Erkrankungen. Dabei entzünden sich aus unklarer Ursache bestimmte Blutgefäße (siehe auch entsprechendes Kapitel "Vaskulitis"). Diese Vaskulitis-Form betrifft überwiegend Kleinkinder unter fünf Jahren.
    Symptome:
    Kennzeichnend sind hohe Fieberschübe (Typ intermittierend, siehe Kapitel "Fieber: Diagnose") mit Schüttelfrost, die nicht auf Antibiotika ansprechen, eine Entzündung in Mund und Rachen nebst scharlachähnlicher "Erdbeerzunge". Tatsächlich besteht eine gewisse Gefahr, die Krankheit mit Scharlach zu verwechseln. An den Handinnenflächen und Fußsohlen finden sich Rötungen, und es entsteht ein schuppender Ausschlag. Häufig schwellen auch die Halslymphknoten an. Manchmal gehen von den erkrankten Gefäßen Komplikationen aus. So können geschädigte Herzkranzgefäße einen Herzinfarkt auslösen.
    Diagnose, Therapie
    : Die Gefäßveränderungen zu erkennen – möglich durch eine Magnetresonanz-(MRT)-Angiografie –, ist neben anderen Kriterien für die Diagnose und die Therapie äußerst wichtig. Denn ausnahmsweise spielt hier neben Immunglobulinen auch Acetylsalicylsäure, die Kinder normalerweise bei Fieber nicht erhalten dürfen, eine wichtige Rolle.
    Weitere Infos im Ratgeber "Kawasaki-Syndrom".

Über die seltenen erblichen Fiebererkrankungen informiert Sie das Kapitel "Erbliche Fiebererkrankungen" dieses Beitrages.


Was ist ein Fieberkrampf?

Etwa drei Prozent aller Kinder im Alter von drei Monaten bis fünf Jahren erleiden mindestens einmal einen Fieberkrampf. Dabei führen schon mäßige Temperaturanstiege zu Entladungen bestimmter Nervenverbände im Gehirn. Das Kind verdreht dabei die Augen, atmet für kurze Zeit nicht, bekommt blaue Lippen und ist nicht mehr ansprechbar. Arme, Beine und Gesichtsmuskeln können zucken (in der Fachsprache: generalisierter Krampf) und erschlaffen anschließend. Kurz danach kommt das Kind langsam wieder zu Bewusstsein. Der Krampf dauert normalerweise höchstens Sekunden bis zwei, drei Minuten. Das erscheint den Eltern, besonders wenn sie es das erste Mal erleben, wie eine Ewigkeit, in der sie sich sehr hilflos fühlen. Dennoch: Fieberkrämpfe, die so verlaufen, stufen Ärzte meist als unkompliziert ein.

Wichtig zu wissen:

  • Unkomplizierte Fieberkrämpfe sind im Allgemeinen ungefährlich. Sie beeinträchtigen die spätere geistige Leistungsfähigkeit des Kindes in der Regel nicht und sind auch nicht automatisch Vorläufer eines späteren Krampfleidens (Epilepsie).
  • Die meisten Kinder bekommen nur einmal einen Fieberkrampf. Im Schulalter ist überwiegend Schluss damit. Häufigster Auslöser ist das nur einmal auftretende Dreitagefieber (siehe oben)
  • Die Veranlagung zu Fieberkrämpfen ist genetisch bedingt und aktuell genauer beschrieben worden (siehe Kapitel "Fieber: Fachliteratur"). Das Risiko für einen Fieberkrampf ist erhöht, wenn auch bei den Eltern oder Geschwistern schon einmal ein Fieberkrampf vorgekommen ist.
  • Ein erhöhtes Wiederholungsrisiko besteht möglicherweise, wenn der erste Krampf im Alter unter zwölf Monaten aufgetreten ist und das Fieber dabei nicht sehr hoch war.
  • Ein komplizierter Fieberkrampf dauert länger als fünfzehn Minuten oder wiederholt sich während einer Fieberperiode beziehungsweise innerhalb von 24 Stunden. Es kommt zu Krampferscheinungen in Teilen des Körpers, zum Beispiel nur auf einer Seite (fokaler Krampfanfall).

Nach Rücksprache mit dem Arzt oder Apotheker: Ein fiebersenkendes Mittel in passender Dosierung fürs Kind

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So helfen Sie Ihrem Kind:

  • Bewahren Sie Ruhe, schützen Sie Ihr Kind vor einer Verletzung, in dem Sie es weich lagern, vor allem den Kopf
  • Noch besser: Bringen Sie es in die stabile Seitenlage (siehe Bild), damit Erbrochenes und Speichel abfließen können
  • Lockern Sie die Kleidung des Kindes
  • Rufen Sie den Not- oder Kinderarzt, wenn ein Fieberkrampf das erste Mal auftritt, ebenso im Wiederholungsfall, wenn Sie sich unsicher sind, ob es ein solcher ist. Bei deutlichem Fieber sollte der Kinderarzt das Kind sicherheitshalber sehen.
  • Beobachten Sie, wie lange der Krampf dauert. Rufen Sie den Arzt im Wiederholungsfall auch, wenn der Krampf länger anhält.
  • Möglicherweise verschreibt der Arzt für den Wiederholungsfall ein Fieberzäpfchen. Halten Sie sich stets an die angegebene Dosis. Zusätzlich können Sie Ihrem Kind gegebenenfalls handwarme Wadenwickel anlegen.

Mehr dazu unter Ratgeber "Fieberkrämpfe" auf www.baby-und-familie.de



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Fieber bei Kindern

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