{{suggest}}


Zecken richtig entfernen, Stiche behandeln

Manchmal erwischen sie einen doch: Zecken! Wie Sie diese richtig entfernen, wie Sie Zeckenstiche behandeln, und wann Sie zum Arzt gehen sollten

von Dr. med. Nina Buschek (Redaktion), aktualisiert am 28.03.2019
Entfernung von Zecken

Pinzette verwenden, Zecke gerade nach oben herausziehen, danach Stelle desinfizieren


Entfernen Sie Zecken frühzeitig

Trotz aller Vorsichtsmaßnahmen: Manchmal erwischt einen doch eine Zecke. Haben Sie das Spinnentier – oft zunächst als kleiner dunkler Punkt sichtbar – entdeckt, sollten Sie es so schnell wie möglich entfernen. Denn Zecken können in ganz Deutschland Lyme-Borreliose und vorwiegend in Süddeutschland auch die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) übertragen.

Es gilt: Je früher Sie die Zecke entfernen, desto geringer ist das Risiko, dass sie Krankheitserreger weitergibt. Im Schnitt dauert es mehrere Stunden bis Bakterien wie Borrelien vom Darm der Zecke in den Saugapparat gelangen. FSME-Viren können bereits innerhalb kurzer Zeit nach dem Stich weitergegeben werden.

Video-Bloggerin Sabine Pusch über lästige Zecken

Die Zecke lösen: so geht`s

Zecken verankern sich beim Stich mithilfe kleiner Widerhaken an ihrem Stechrüssel in der Haut. Zusätzlich sondern sie eine Art Zement ab, mit dem sie sich in der Haut verkleben. Beim Herausziehen müssen Sie deshalb einen gewissen Widerstand überwinden. Das Wichtigste vorab: Man kann eine Zecke nicht "falsch" entfernen. Falsch wäre nur, sie nicht zu entfernen. Am einfachsten gelingt es mit einer spitzen Pinzette oder mit einer speziellen Zeckenkarte, Zeckenpinzette oder Zeckenschlinge. Diese Werkzeuge bekommen Sie zum Beispiel in der Apotheke. Zur Not funktioniert es auch mit den Fingernägeln.

Mit der Pinzette, Zange oder Schlinge greifen Sie die Zecke möglichst knapp über der Haut und ziehen Sie in einer kontrollierten Bewegung senkrecht aus der Haut – beherzt, aber trotzdem vorsichtig. Mit der Pinzette kann es etwas leichter gehen, wenn Sie vorsichtig etwas hin und her drehen und ganz zart rütteln bevor Sie ziehen. Drehen müssen Sie die Zecke nicht. Versuchen Sie, die Zecke möglichst wenig zu quetschen.

Mit einer Zeckenkarte ist die Technik etwas anders. Sie müssen nicht aktiv ziehen, sondern entfernen die Zecke in einer Schiebebewegung. Führen Sie die Karte mit dem Schlitz möglichst nah auf der Haut unter das Tier und schieben Sie sie vorsichtig so lange weiter, bis die Zecke sich löst.

Vergessen Sie "Hausmittelchen"

Tropfen Sie kein Öl, keinen Nagellackentferner, keinen Alkohol oder Kleber auf die Zecke. Diese Stoffe töten die Zecke nicht, erhöhen aber die Wahrscheinlichkeit, dass sich das Tier in die Einstichstelle übergibt und so erst recht Bakterien und Viren überträgt.

Suchen Sie den restlichen Körper ab

Wo eine Zecke zugestochen hat können sich noch weitere Artgenossen tummeln. Suchen Sie deshalb immer den ganzen Körper und bei Kindern vor allem auch den Kopf nach weiteren Zecken ab.

So entsorgen Sie die Zecke sicher

Wenn Sie eine krabbelnde Zecke gefangen oder ein saugendes Exemplar erfolgreich entfernt haben, sollten Sie das Tier unschädlich machen, ohne dabei mit seinen Körperflüssigkeiten in Kontakt zu kommen. Sicher gelingt das zum Beispiel, wenn Sie die Zecke in hochprozentigen Alkohol oder Desinfektionsmittel legen. Empfehlenswert ist auch, die Zecke in Stück Papier zu legen und mit einem Gegenstand (etwa einer Trinkflasche oder einem Glas) zu zerdrücken. Bewährt hat sich auch, die Zecke zu verbrennen.

Was Sie nicht tun sollten

Spülen Sie die Zecke nicht in der Toilette herunter. Die Tiere sind sehr robust und überleben sogar einen Waschgang bei 40 Grad in der Waschmaschine. Versuchen Sie auch nicht sie mit dem Schuhabsatz zu zerquetschen. Das gelingt oft nicht, denn Zecken haben einen harten Schild, der sie schützt. Auch mit dem Finger sollten Sie die Zecke nicht zerdrücken. Denn falls das Tier Krankheitserreger in sich trägt könnten Sie sich über Mikroverletzungen in der Haut anstecken.

Soll man die Zecke einschicken?

Eine entferne Zecke auf Krankheitserreger wie Borreliose-Bakterien oder FSME-Viren untersuchen zu lassen, ist nicht sinnvoll. Denn selbst wenn in der Zecke Erreger gefunden werden, heißt noch nicht, dass eine Infektion stattgefunden haben muss. Umgekehrt schließt ein negatives Ergebnis eine Ansteckung nicht aus.

Den Stich desinfizieren und beobachten

Ist die Zecke vollständig entfernt? Dann desinfizieren Sie die Stichstelle mit einem Wunddesinfektionsmittel.

Nach einem Zeckenstich sollten Sie die Hautstelle etwa sechs Wochen lang im Blick behalten. Dass sie sich unmittelbar nach dem Stich rötet ist normal. Diese Rötung sollte jedoch innerhalb einiger Tage abklingen.

Wann zum Arzt nach einem Zeckenstich?

Es kommt immer wieder vor, dass man die Zecke nicht komplett erwischet und Teile des Tiers in der Haut zurückbleiben. Keine Panik! Meistens sind das nur Reste des Stechapparats, nicht etwa der Kopf der Zecke. Hinsichtlich der Übertragung von Borrelien oder FSME-Viren sind die verbleibenden Zeckenteile ungefährlich. Oft stößt der Körper die Fremdkörper mit der Zeit von alleine ab. Sicherheitshalber können Sie feststeckende Teile auch von einem Arzt entfernen lassen. Beobachten Sie, ob sich die Stelle entzündet. Falls ja, auf jeden Fall zum Arzt gehen – sind Kinder betroffen, dann lieber früher als später. Bei jeder Wunde sollte auch der Tetanusschutz überprüft werden.

Rötet sich die Haut Tage bis Wochen nach dem Stich erneut, sollten Sie einen Arzt aufsuchen. Es könnte sich um eine Wanderröte (Erythmea migrans) handeln, ein Frühzeichen der Lyme-Borreliose.

Gehen Sie unbedingt zum Arzt, wenn ein bis zwei Wochen nach dem Stich grippeähnliche Beschwerden wie Fieber, Kopfschmerzen, Gliederschmerzen auftreten. Die Beschwerden könnten Anzeichen einer FSME sein.

Quellen:

  • Rauer S., Kastenbauer S. et al., Neuroborreliose, S3-Leitlinie, 2018; in: Deutsche Gesellschaft für Neurologie (Hrsg.), Leitlinien für Diagnostik und Therapie in der Neurologie. Online: www.dgn.org/leitlinien (abgerufen am 28.3.2019)
  • Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit: Erkrankungen durch Zeckenstiche – Borreliose. Online: https://www.lgl.bayern.de/gesundheit/infektionsschutz/infektionskrankheiten_a_z/borreliose/index.htm (abgerufen am 28.3.2019)
  • Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA): infektionsschutz.de. Online: www.infektionsschutz.de (abgerufen am 28.3.2019)
  • Robert Koch-Institut: Zeckenübertragene Krankheiten. Online: www.rki.de/DE/Content/InfAZ/Z/Zecken/Zecken.html?nn=2386228 (abgerufen am 28.3.2019)