Zecken richtig entfernen, Stiche behandeln

Manchmal erwischen sie einen doch: Zecken! Wie Sie diese richtig entfernen, wie Sie Zeckenstiche behandeln, und wann Sie zum Arzt gehen sollten

von Bettina Dobe, aktualisiert am 13.06.2018

Pinzette verwenden, Zecke gerade nach oben herausziehen, danach Stelle desinfizieren


Ein schöner Sommerspaziergang, wunderbar. Trotz aller Vorsichtsmaßnahmen: Manchmal erwischt einen die Zecke doch. Haben Sie das Spinnentier – oft zunächst als kleiner dunkler Punkt sichtbar – entdeckt, sollten Sie es so schnell wie möglich entfernen. Denn die Übertragung von Erregern kann gefährlich sein: Zecken können in ganz Deutschland Lyme-Borreliose und vorwiegend in Süddeutschland auch die Frühsommermeningoenzephalitis (FSME) übertragen. Gegen Letzteres kann man sich vorbeugend impfen lassen. Eine Borreliose wird mit Antibiotika behandelt.

Im Schnitt dauert es zwar einen halben bis einen Tag, bis Bakterien wie Borrelien vom Darm der Zecke in den Saugapparat gelangen, so Dr. Rolf Kübler, Allgemeinarzt aus Stuttgart. Aber: FSME-Viren können schon innerhalb kurzer Zeit nach dem Stich übertragen werden. Es gilt: Je schneller Sie die Zecke entfernen, desto besser. Experten raten, bei Waldspaziergängen oder Wanderungen eine Zeckenzange oder -karte dabei zu haben.

Zecke am besten herausziehen

Früher tropfte so mancher noch Öl, Nagellackentferner, Alkohol oder Kleber auf die Zecken, um sie zu töten. "Das macht man aber besser nicht", warnt Kübler. Die Tiere könnten sich in die Einstichstelle übergeben und so erst recht Bakterien und Viren übertragen. Eine Zecke muss darum mit viel Fingerspitzengefühl entfernt werden, sie darf möglichst nicht gequetscht werden. "Das drückt nur eventuell gefährliche Bakterien in den Saugapparat", so Kübler.

Versucht man eine Zecke herauszudrehen, bleiben unter Umständen Teile in der Haut stecken. In das abgetrennte vordere Stück können zwar keine Borrelien oder FSME-Viren mehr gelangen. Aber eine örtliche Entzündung durch Verunreinigung ist möglich. Eine Drehbewegung ist nicht sinnvoll: Zecken "schrauben" sich nicht in die Haut, sondern sie verankern sich mithilfe kleiner Widerhaken an ihrem Stachel und setzen sich dann fest.

Trotzdem fällt Drehen einigen Menschen leichter als Ziehen, weil sie das Gefühl haben, die Drehbewegung mit mehr Fingerspitzengefühl ausüben zu können. Und auch beim Herausziehen besteht die Gefahr, einen Teil der Zecke einfach abzureißen. Darum: Ob Drehen oder Ziehen: "Am Ende ist es wichtig, dass die Zecke vollständig entfernt wird", sagt Dr. Matthias Berndt, Allgemeinarzt aus Hannover. Wenn Teile des Saugapparats oder gar der ganze Kopf der Zecke stecken geblieben seien, solle man seinen Hausarzt aufsuchen, rät Berndt.

Zeckenzange, Pinzette, Zeckenkarte

Am besten eignen sich zur Entfernung sogenannte Zeckenpinzetten oder -zangen oder auch Zeckenkarten. Die Utensilien bekommt man zum Beispiel in der Apotheke. "Die Karte mit dem Schlitz schiebt man unter das Tier. Dann muss man relativ kräftig, aber trotzdem vorsichtig ziehen", erklärt Apothekerin Olivia Schauer aus München die Zeckenkarte.

Zecken entfernen mit einer Zeckenkarte

Stich nach Entfernen der Zecke desinfizieren

Packen Sie das Tier möglichst nah an der Haut: "Die Zecke könnte es sonst zerreißen", warnt Berndt. Ziehen Sie die Zecke behutsam und ohne Unterbrechung gerade aus der Haut heraus und achten Sie darauf, dass kein Mundwerkzeug zurückbleibt. Desinfizieren Sie danach die Stichstelle.

Selbst in Risikogebieten für FSME ist nicht jede Zecke infiziert. Die Quote kann erheblich variieren. "Aber nur, weil eine Zecke infiziert war, heißt das nicht, dass sie die Krankheit auch übertragen hat", klärt Berndt auf. Außerdem führt nicht jede Infektion zu Krankheitserscheinungen. Dies gilt sowohl für Borreliose als auch für FSME.

Wann zum Arzt?

Je nachdem, wie leicht sich die Zecke herausziehen lässt, ist ein Arztbesuch ratsam. "Kurz nach dem Stich hat sich die Zecke noch nicht festgesaugt, da kann man sie noch recht leicht entfernen", sagt Kübler. Die Zecke benutzt eine Art "Klebstoff", mit dem sie sich fest mit dem Wirt verbindet. Dieser Klebstoff wird erst nach einigen Minuten ausgeschüttet und erschwert das Herausziehen der Zecke. Je schwieriger das Entfernen ist und je länger sich die Zecke bereits festgesaugt hat, desto wahrscheinlicher ist es, dass das Tier potenziell Erreger übertragen hat. Deshalb sicherheitshalber zum Arzt gehen. Dies gilt auch, wenn Sie die Zecke nicht komplett entfernen konnten, sich darüber unsicher sind oder sich das Tier an einer Stelle befindet, an die Sie selbst nicht hinkommen.

Gehen Sie unbedingt zum Arzt, wenn ein bis zwei Wochen nach dem Stich grippeähnliche Beschwerden wie Fieber, Kopfschmerzen, Gliederschmerzen auftreten. "Bei Unklarheiten oder wenn man an sich Symptome wie eine Wanderröte entdeckt, sollte man zum Arzt", rät außerdem Berndt. Beobachten Sie also die Einstichstelle noch einige Wochen, um eine eventuelle Rötung mit hellem Zentrum, die sich ausdehnt, das mögliche Symptom für eine Borreliose, zu entdecken.

Borreliose: Symptome oft nicht eindeutig

Die Symptome einer Borreliose sind jedoch nicht immer gleich. Einige Erkrankte weisen zum Beispiel keine Wanderröte auf. Aber auch ein Bluttest kann bei unklaren Symptomen nicht unbedingt Gewissheit verschaffen. "Oft zeigt er an, dass man irgendwann einmal Borreliose hatte. Der Test hat also nur bedingt etwas mit der aktuellen Situation zu tun", erklärt Allgemeinarzt Berndt. Stattdessen rät er zur Gelassenheit: "Von einem Zeckenstich sollte man sich nicht verrückt machen lassen."