Bulimie: Symptome und Folgen

Typisches Symptom bei Bulimie sind wiederholte Essanfälle, gefolgt von Gegenmaßnahmen wie Erbrechen. Die Betroffenen führen oft eine Art „Doppelleben“. Außenstehende ahnen meist nichts von der Krankheit

aktualisiert am 25.08.2014
Bulimie: Mädchen isst heimlich am Kühlschrank

Essanfall am Kühlschrank: Menschen mit Bulimie leiden immer wieder an Essattacken, die sie nicht stoppen können


Häufig schwanken Menschen mit Bulimie zwischen zwei Extremen – strenger Kontrolle und völligem Kontrollverlust:

In der Öffentlichkeit wirken Bulimie-Kranke oft sehr kontrolliert, sie legen besonderen Wert auf eine gesunde Ernähung, achten penibel auf ihr Gewicht, wählen Lebensmittel und Speisen mit Bedacht, verbieten sich ungesunde "Dickmacher".

Zwischen diesen kontrollierten Phasen erleben die Betroffenen jedoch immer wieder Momente, in denen ihnen die Kontrolle über ihr Essverhalten völlig entgleitet. Sie nehmen dann riesige Mengen Nahrung zu sich, oft besonders hochkalorische, "ungesunde" oder "verbotene" Lebensmittel. Es scheint ihnen zu diesem Zeitpunkt unmöglich, mit dem Essen aufzuhören. Solche Essanfälle treten unterschiedlich häufig auf – manchmal wöchentlich, täglich, oder sogar mehrfach täglich. Typischerweise finden sie heimlich im Verborgenen statt.

Anschließend empfinden die Erkrankten nicht selten Scham und Ekel. Sie fürchten, durch den Essanfall zuzunehmen. Deshalb ergreifen sie Maßnahmen, die ihre "Fressattacke" ungeschehen machen sollen. Manche "stecken sich den Finger in den Hals", um Erbrechen auszulösen. Andere treiben übermäßig viel Sport, um Kalorien zu verbrennen. Sie fasten streng oder missbrauchen Abführmittel und Diätpillen.

Bulimie – die Seele leidet

Eine Bulimie ist keineswegs eine "alternative Form der Diät", sondern eine psychische Störung – aus der Betroffene ohne geeignete Therapie meist nicht mehr selbst herausfinden.

Auch wenn es äußerlich kaum erkennbar sein mag, stehen die Erkrankten innerlich unter großem Druck, leiden unter ihrer Krankheit und unter ihrer Lebenssituation. Viele schämen sich oder hassen sich sogar für ihre Essattacken. Etliche ziehen sich immer mehr von Freunden und Familie zurück. Manche leiden an Niedergeschlagenheit, an Depressionen oder weiteren psychischen Störungen wie Ängsten oder Zwängen. Bulimie ist nicht selten mit selbst verletzendem Verhalten, Selbsthass und Suizidgedanken verbunden.

Bulimie – oft eine heimliche Krankheit

Für Außenstehende (Eltern, Geschwister, Freunde) bleibt die Bulimie häufig lange unbemerkt. Denn die Betroffenen verheimlichen ihre Krankheit meist perfekt. Sie führen sozusagen ein "Doppelleben", wahren nach außen eine unauffällige Fassade. Anders als die Magersucht fällt eine Bulimie auch kaum durch Untergewicht auf. Bulimie-Kranke sind oft eher schlank, meistens aber normalgewichtig.

Woran erkennt man, dass jemand an Bulimie leidet?

Folgende Punkte können – müssen aber nicht – darauf hindeuten, dass die Essstörung vorliegen könnte:

  • Essen in der Öffentlichkeit wird vermieden ("Ich habe schon gegessen.")
  • Verstecktes, heimliches Essen fällt auf. Oft halten Bulimie-Kranke keine geregelten Mahlzeiten ein
  • Betroffene wissen oft ungewöhnlich gut über Kalorien, Kohlenhydrate und Fette in Nahrungsmitteln Bescheid
  • Ständiges Kalorienzählen oder eine große Sorge um das eigene Gewicht kann ein Anzeichen sein
  • Die persönliche Gewichtsgrenze ist meist sehr niedrig gewählt
  • Im Beisein anderer werden nur ausgewählte, "gesunde" Lebensmittel gegessen
  • Betroffene kaufen eventuell große Mengen billiger, ungesunder und kalorienhaltiger Nahrungsmittel
  • Sie geben unter Umständen viel Geld für Lebensmittel aus – bis hin zur Verschuldung
  • Manche Betroffene horten und verstecken Nahrung
  • Der Gebrauch von Abführmitteln und Entwässerungstabletten kann ein Hinweis sein
  • Ein gesteigerter Bewegungsdrang und exzessive sportliche Betätigung stehen eventuell mit der Krankheit in Verbindung
  • Bei manchen Betroffenen fällt eine Schwellung der Speicheldrüsen auf, sie bekommen "Hamsterbacken" oder Zahnschäden

 

Welche gesundheitlichen Folgen hat eine Bulimie?

Eine Bulimie kann auf längere Sicht ernste körperliche Folgen verursachen. Zwar leiden die Betroffenen selten an deutlichem Untergewicht wie es bei der Magersucht der Fall ist. Nicht selten bleibt die Ernährung aber insgesamt trotzdem unausgewogen. Dann können Mangelerscheinungen auftreten.

Fehlen wichtige Nährstoffe, wirkt sich das negativ auf den ganzen Organismus aus. Haarausfall, Konzentrationsstörungen, Infektanfälligkeit sind mögliche Folgen. Bei Untergewicht oder einem stark schwankenden Körpergewicht sind Menstruationsstörungen (zum Beispiel eine ausbleibende Regelblutung) möglich, ebenso Schlafstörungen oder Phasen von Unterzuckerung (Hypoglykämie). Sehr häufig leiden Bulimiekranke an labiler Stimmung und depressiven Phasen.

Gesundheitsschäden entstehen aber vor allem durch häufiges Erbrechen. Dabei geht ständig Magensaft verloren. Das kann den Salz- und Mineralienhaushalt (Elektrolythaushalt) des Körpers durcheinander bringen, zu Elektrolytstörungen führen. In schweren Fällen drohen dann Nierenschäden, Flüssigkeitseinlagerungen oder ernste, teils lebensbedrohliche Herzrhythmusstörungen – insbesondere durch Kaliummangel (Hypokaliämie).

Beim Erbrechen gelangt immer wieder aggressive Magensäure in die Speiseröhre und in den Mund. Das setzt der Schleimhaut der Speiseröhre zu, sie kann sich entzünden (Ösophagitis). Zahnschmelzabbau und Karies können weitere Folgen sein.

Ein Missbrauch von Abführmitteln ruft ebenfalls leicht Elektrolytstörungen hervor, aber auch Darmträgheit und damit Verstopfung. Verdauungsstörungen entstehen unter Umständen auch durch die wiederholten Essanfälle. Magen und Darm werden dabei übermäßig gedehnt und belastet.

Die Ohrspeicheldrüsen können sich durch die übermäßige Beanspruchung vergrößern, teils auch entzünden.