Meldesysteme: Notruf mit einer Taste

Ältere und gesundheitlich beeinträchtigte Menschen können mit einer Notrufanlage länger selbst­ständig bleiben. Was vor Vertragsabschluss zu beachten ist
von Barbara Kandler-Schmitt, 02.11.2017

Notruf leicht gemacht: Einfach auf den Funksender am Handgelenk drücken

dpa Picture-Alliance GmbH/Frank May

Wer möchte nicht so lange wie möglich in seinen eigenen vier Wänden leben? Wenn nur das ungute Gefühl nicht wäre, dass bei einem Sturz oder einer Herzattacke niemand da ist, der Hilfe rufen kann – und man selbst das Telefon nicht mehr erreicht.

Elektronische Meldesysteme können Menschen, die trotz Behinderung, chronischer Erkrankung oder altersbedingter Gebrechlichkeit alleine leben, mehr Sicherheit vermitteln. Dazu wird ein Notrufgerät mit Freisprechanlage an die Telefondose angeschlossen. Es ist mit einer rund um die Uhr besetzten Notrufzentrale verbunden, die bei Bedarf die Angehörigen, den Notarzt, den Rettungsdienst oder die Polizei verständigt.

Einfache Bedienung

Ausgelöst wird der Notruf per Knopfdruck über einen Funksender, den der Nutzer um den Hals oder am Handgelenk trägt. Die Reichweite zur Basisstation beträgt in der Regel 50 Meter, sodass sogar vom Garten oder Keller aus Hilfe gerufen werden kann. Bei der Installation sollte auch die Reichweite der Freisprech­anlage getestet werden.

Der Anbieter ist verpflichtet, bei einem Notrufsignal sofort für angemessene Hilfe zu sorgen. "Um einen Notruf richtig einschätzen zu können, muss der Notdienst beispielsweise über ein bestehendes Herzinfarkt- oder Schlag­­anfallrisiko unterrichtet werden", be­to­nt Anne-Katrin Wiesemann, Rechtsreferentin bei der Verbraucherzentrale Sachsen. "Auch Erkrankungen wie Asth­ma, Diabetes oder Epilepsie müssen der Notrufzentrale bekannt sein, ebenso die Medikamente, die der Betroffene einnimmt." Um im Notfall schnellen Zugang zur Wohnung zu haben, sollte immer ein Schlüssel hinterlegt werden.

Auf geschultes Personal achten

Allerdings kann nur qualifiziertes Personal die Situation angemessen beurteilen. "Deshalb sollte man vor Vertragsabschluss darauf achten, dass sowohl in der Notrufzentrale als auch beim Hilfspersonal medizinisch geschulte Fachkräfte beschäftigt sind", betont Verbraucherschützerin Wiesemann. Der Fall eines 78-Jährigen, über den kürzlich der Bundesgerichtshof (BGH) entschied, zeigt dies sehr eindringlich: Der Alleinstehende hatte ein Notfallsignal an den Hausnotrufanbieter gesendet, konnte sich aber nur noch durch Stöhnen bemerkbar machen.

Obwohl dem Anbieter das erhöhte Schlaganfallrisiko bekannt war, schickte er kein medizinisch geschultes Personal, sondern die Mitarbeiter eines ­­Sicherheitsdienstes, die den Schwerkranken allein in der Wohnung zurückließen. Drei Tage später kam der Pa­tient mit einer halbseitigen Lähmung ins Krankenhaus, wo ein Tage zurückliegender Schlaganfall entdeckt wurde.

Anspruch auf Schadensersatz

Das Urteil war ganz im Sinne der Verbraucher: Der BGH stellte eine grobe Vernachlässigung der Schutz- und Organisationspflichten fest und entschied, dass Hausnotrufanbieter Schadensersatz und Schmerzensgeld zahlen müssen, wenn sie im Notfall nicht richtig handeln.

"Wichtig ist auch, vor Vertragsabschluss mit dem Anbieter zu klären, wer bei einem versehentlich ausgelösten Notruf die Kosten trägt", betont Anne-Katrin Wiesemann. Für Menschen mit Demenz etwa eigne sich ein Hausnotrufgerät weniger, da sie oft nicht in der Lage sind zu entscheiden, wann sie Hilfe benötigen, und deshalb häufig Fehlalarme auslösen.

Monatliche Kosten abhängig vom Leistungsumfang

Die monatlichen Kosten betragen im Schnitt etwa 20 Euro, ein Teil davon wird gegebenenfalls von der Pflegeversicherung übernommen. "Wenn Sie Angebote einholen, sollten Sie darauf achten, dass der Anbieter das Gerät aufstellt und programmiert, den Kunden und seine Angehörigen gründlich einweist und die Anlage kostenlos wartet", betont Wiesemann.

Gegen Aufpreis lassen sich zusätzliche Serviceleistungen buchen, etwa der Anschluss von Einbruch-, Feuer-, Bewegungs- oder Gasmeldern sowie regelmäßige Kontroll-, Weck- und Medikamentenerinnerungsrufe.


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