Erste Hilfe: Wunden richtig versorgen

Wundversorgung bei kleinen Schrammen: Wie Sie Schnittwunden, Schürfwunden, Brandwunden, Platzwunden und Stichwunden richtig behandeln. Was bei Tierbissen wichtig ist

aktualisiert am 16.01.2017
Verband anlegen

Manche Wunden können Sie selbst behandeln, andere sind ein Fall für den Arzt


Knie aufgeschlagen, in den Finger geschnitten, Kratzer oder Schramme eingefangen? Harmlose, kleinere Verletzungen, die nicht zu stark bluten, können Sie selbst versorgen. Berühren Sie die Wunde dabei nicht. Tragen Sie als Ersthelfer – falls möglich – Einmalhandschuhe. Die Basis-Maßnahmen:

  • Wunde reinigen: Die oberste Hautschicht ist stark verschmutzt? Dann spülen Sie die Wunde gründlich mit lauwarmem Leitungswasser (möglichst Trinkwasser!) aus dem Hahn.
  • Steinchen oder Glassplitter stecken stiefer in der Wunde?

    Nicht herausziehen! Überlassen Sie das dem Arzt. Beim Herausziehen könnte es noch stärker bluten. Decken Sie die Verletzung behutsam mit einem sterilen Verband ab und wenden Sie sich an den Fachmann.

    Ganz kleine Splitter, die nur ganz oberflächlich eingedrungen sind, können Sie vorsichtig mit einer Pinzette entfernen. Achten Sie darauf, dass Sie den Splitter komplett herausziehen. Größere Splitter, bei denen Sie nicht erkennen können, wie tief sie ins Gewebe eingedrungen sind, nicht selbst herausziehen, sondern den Arzt aufsuchen.
  • Wunde gut desinfizieren: Tragen Sie gleich nach der Wundreinigung ein Wunddesinfektionsmittel auf. Es sollte griffbereit in der Hausapotheke stehen. (Fragen Sie in der Apotheke nach einem geeigneten Präparat.)
  • Pflaster aufkleben. Bei größeren Verletzungen eine größere Wundauflage verwenden, beispielsweise eine sterile Kompresse auf die Wunde legen und mit einer elastischen Mullbinde befestigen. Mittlerweile gibt es auch für kleinere Wunden Feuchtpflaster und -kompressen mit einer gelhaltigen Auflage. Damit sollen Verletzungen rascher abheilen. Lassen Sie sich in der Apotheke beraten.

  • Tetanus-Impfung – ist eine Auffrischung fällig? Prüfen Sie bei allen offenen Wunden, ob Sie noch gegen Tetanus geschützt sind. Im Zweifelsfall fragen Sie Ihren Arzt.

  • Wunde beobachten: Heilt die Wunde gut? Das sollten Sie im Blick behalten und im Zweifel sofort medizinischen Rat einholen. Wird die Stelle zum Beispiel dick, rötet sich die Haut oder fühlt sie sich warm an, kann das auf eine Infektion hindeuten. Dann sofort untersuchen lassen!

Schürfwunden: Was gibt es zu beachten?

Meist sind Stürze die Ursache für diese Verletzungen der obersten Hautschicht. Sie sind oft großflächig und sehr schmerzhaft, weil viele Nervenenden freigelegt werden. Schürfwunden heilen aber relativ schnell und meist ohne Narbenbildung ab. Die Abwehrfunktion der Haut ist noch weitgehend intakt. Oft befindet sich viel Schmutz in der Wunde, dann gründlich reinigen und desinfizieren (siehe oben). Kleinere Abschürfungen können Sie auch offen heilen lassen. Größere decken Sie mit einem Wundschnellverband oder einer sterilen Kompresse ab und lassen sie vom Arzt versorgen.

Schnittwunden: Das ist wichtig

Schnittwunden gehören zu den häufigen Verletzungen im Haushalt. Eine kleine Schnittverletzung lässt man am besten kurz bluten. Schmutz und Krankheitserreger werden auf diese Weise gleich aus der Wunde herausgespült. Anschließend die Wunde gut desinfizieren. Schnittwunden reichen tiefer in die Haut. Üblicherweise haben sie aber glatte Wundränder, die man mit einem Schnellverband gut aneinander "kleben" kann. Deshalb heilen sie meist gut. Tiefe, längere oder stark blutende Schnittwunden sollten vom Arzt versorgt werden.

Platzwunden: Vorsicht, Infektionsgefahr

Platzwunden haben rauhe Ränder, die oft auseinander klaffen. Solche Verletzungen infizieren sich leicht. Platzwunden deshalb besser vom Arzt behandeln lassen. Er kann feststellen, wie tief die Verletzung ist, ob sich Wundtaschen gebildet haben und ob tieferliegende Strukturen (zum Beispiel Knochen) verletzt wurden. Als Erstmaßnahme die Wunde gut reinigen und desinfizieren. Eine sterile Kompresse auflegen und mit einer Binde fixieren.

Stichwunden: Ab zum Arzt!

Messer, Glasscherben, Nägel und andere spitze Gegenstände können Stichwunden verursachen. Solche Verletzungen sollten auf jeden Fall sofort von einem Arzt untersucht und behandelt werden. Denn auch wenn die Wunde äußerlich keinen gefährlichen Eindruck macht, kann die Verletzungen tief sein und unter Umständen gefährliche innere Blutungen hervorrufen. Zudem ist die Infektionsgefahr sehr hoch, denn mit dem Fremdkörper könnten Keime bis in tiefe Gewebeschichten gelangt sein. Fremdkörper nicht herausziehen! Überlassen Sie das dem Arzt.

Bisswunden, Kratzer

Kratz- und Bisswunden werden meist von Tieren verursacht, es soll aber auch bissige Menschen geben. In jedem Fall besteht eine sehr hohe Infektionsgefahr. Krankheitserreger könnten – zum Beispiel mit dem Speichel – in die Wunde gelangt sein und schwere Infektionen wie Wundstarrkrampf (Tetanus), Gasbrand oder eine Blutvergiftung (Sepsis) hervorrufen. Deshalb muss eine Bisswunde immer vom Arzt untersucht und professionell gereinigt werden. Außerdem sollte geklärt werden, ob das Tier, das zubiss, womöglich Tollwut hatte. Was Füchse und Hunde betrifft, gilt Deutschland seit 2010 als tollwutfrei, zumindest nach Kriterien der Welttiergesundheitsorganisation (OIE). Die Krankheit kann aber zum Beispiel auch von Fledermäusen übertragen werden. In anderen Ländern ist Tollwut zum Teil noch verbreitet.

Brandwunden – bloß keine "Hausmittel"

Kleinere leichtgradige Verbrennungen oder Verbrühungen zum Kühlen unter fließendes, nicht zu kaltes Wasser halten. Anschließend können Sie ein Brandgel aus der Apotheke auftragen. Sollten sich Blasen bilden, gehen Sie zum Arzt. Sind großere Körperpartien betroffen, sofort den Notarzt unter der Telefonnummer 112 rufen. Genaueres lesen Sie im Beitrag Verbrennungen.

Was tun, wenn die Wunde stark blutet?

Starke Blutungen können lebensbedrohlich sein – rufen Sie sofort den Notarzt (112)! Stillen Sie die Blutung – wenn möglich – mit einem Druckverband. Legen Sie eine sterile Wundauflage auf die Wunde, befestigen Sie sie mit Mullbinden, legen Sie dann ein verschlossenes Verbandpäckchen darüber und fixieren Sie dieses mit einer weiteren Binde. Vorsicht: Nicht so kräftig binden, dass die Gliedmaße blau anläuft! Mehr zum Thema lesen Sie im Beitrag: Starke Blutungen.