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Zöliakie: Wichtige Begleitkrankheiten (Komorbidität)

Bei Zöliakie ist das Risiko für andere immunvermittelte Erkrankungen erhöht – und umgekehrt. Das gemeinsame Auftreten heißt Komorbidität. Die Begleiterkrankung kann die Zöliakie verdecken. Um welche Krankheiten es geht und was daraus folgt

von Dr. med. Claudia Osthoff, 30.04.2019
Frau fasst sich an den Hals

Schilddrüsenprobleme bei Zöliakie? Nicht ungewöhnlich


Zöliakie und Komorbidität: Kurz zusammengefasst

  • Zöliakie ist eine Unverträglichkeit gegenüber dem eigentlich harmlosen Getreideeiweiß Gluten. Sie spielt sich an der Dünndarmschleimhaut ab. Dort erzeugt der Kontakt mit Glutenbestandteilen eine Immunreaktion.
  • In der Folge kommt es zu einer Entzündung und Schädigung des Dünndarms und damit verbundenen Beschwerden. Viele Betroffene haben allerdings keine, nur wenige oder wenig typische Symptome.
  • Zugleich ist bei Zöliakie das Risiko für andere Erkrankungen, die durch Fehlfunktionen des Immunsystems entstehen, erhöht – und umgekehrt. Häufig, aber nicht immer, sind das Krankheiten, bei denen das Immunsystem körpereigene Strukturen angreift (Autoimmunkrankheiten).
  • Der Haken: Das gemeinsame Auftreten – die Komorbidität (auch Assoziation) – kann bedeuten, dass eine Zöliakie unter dem Bild der anderen Erkrankung verläuft und länger unerkannt bleibt, auch weil sie selbst, als Darmerkrankung, kaum in Erscheinung tritt.
    Man kann es auch so sagen: Die anderen Krankheiten können mitunter eine Ausprägung der Zöliakie sein – mit Krankheitszeichen außerhalb des Darms.
  • Ein Test auf Zöliakie gibt wichtige Anhaltspunkte.

Gerade auch bei Patienten mit immunvermittelten Erkrankungen gilt es, eine vorliegende Zöliakie rechtzeitig zu erkennen, um die Betroffenen sachgerecht behandeln zu können und Komplikationen vorzubeugen.

Teilweise wird dazu schon bei der Diagnose dieser Krankheiten ein Test auf Zöliakie, in der Regel auf Gewebs-Transglutaminase-IgA-Antikörper, empfohlen (wenn im Folgenden von "Zöliakie-Test" die Rede ist, geht es um diesen Test).

Andernfalls sind stets das Befinden und die Befunde eines Patienten ausschlaggebend dafür, ob jemand auf Zöliakie gestestet werden sollte (mehr dazu jeweils weiter unten: "Verdächtige Krankheitsbilder im Kurzcheck").

Wer sollte sich vorsorglich auf Zöliakie testen lassen?

  • In "Zöliakie-Familien":

    Gesunde Verwandte ersten Grades von Patienten mit Zöliakie, also Geschwister, Eltern, Kinder, sollten sich beraten und selbst auch auf Zöliakie untersuchen lassen, da sie ein erhöhtes Risiko für die Erkrankung haben (zehn bis 15 Prozent). Zur Testung eignet sich am besten der Antikörper-Test.

    Bei Kindern und Jugendlichen mit unauffälligem Ergebnis kann der Test alle ein bis zwei Jahre bis zum vollendeten 18. Lebensjahr wiederholt werden. Der Grund: Die Zöliakie-Antikörper bauen sich über längere Zeit auf, sodass sie gegebenenfalls erst bei Verlaufskontrollen erfasst werden.

    Bei Erwachsenen soll die Testung einmal erfolgen und weitere Male nur bei Auftreten von Beschwerden, die auf eine Zöliakie hinweisen.

    Verwandte zweiten Grades, also Cousine oder Enkel, sollten sich testen lassen, wenn sie Symptome haben, die auf eine Zöliakie hinweisen (können).

    Bei den genannten Risikogruppen kann auch ein Gen-Test (eine sogenannte HLA-Typisierung, Bestimmung der Genmerkmale DQ2 und DQ8) durchgeführt werden. Ein negatives Ergebnis schließt eine Zöliakie weitgehend aus. Ein positiver Test ist allerdings kein Beweis für eine Zöliakie, da dieses HLA-Merkmal bei etwa 30 Prozent der Bevölkerung vorliegt.
  • Kinder mit angeborenen genetischen Syndromen:

    Bei folgenden Chromosomenanomalien tritt häufiger eine Zöliakie auf und sollte entsprechend ausgeschlossen werden: Down-Syndrom (Trisomie 21), Ullrich-Turner Syndrom (Monosomie X, betrifft ausschließlich Frauen).

Zöliakie-Risiko? "Verdächtige" Krankheitsbilder im Kurzcheck

Mit Zöliakie assoziierte Erkrankungen lassen sich beispielhaft in drei Gruppen zusammenfassen.

1. Gruppe: Erhöhtes Zöliakie-Risiko

Zur Erklärung vorab: In dieser Gruppe sind Krankheiten aufgeführt, bei denen – auch wenn entsprechende Symptome fehlen – nach einer "verdeckten" Zöliakie gesucht werden sollte.

Das ist unter anderem damit zu begründen, dass es bei Patienten mit diesen Erkrankungen genetische Gemeinsamkeiten gibt.

Übrigens: Wurde bislang bei einem Patienten "nur" eine Zöliakie nachgewiesen, ist an die Möglichkeit zu denken, dass er/sie noch eine weitere (assoziierte) Krankheit hat, für die eine Zöliakie ein Indiz sein kann.

Richtungweisende Symptome können zur Verdachtsdiagnose führen, die sich dann durch gezielte Untersuchungen bestätigen oder ausschließen lässt.

Insulin richtig spritzen

Typ-1-Diabetes (Häufigkeit bei Zöliakie-Patienten: bis zwölf Prozent): Menschen mit Typ-1-Diabetes können kein oder nur noch wenig Insulin bilden. Das Hormon ist notwendig, um den mit der Nahrung aufgenommenen Zucker zu verwerten. Daher müssen die Patienten das Insulin spritzen oder es über eine Pumpe zuführen.

Die Autoimmunkrankheit Typ-1-Diabetes wird mehrheitlich schon im Kindes- und Jugendalter festgestellt, meist vor der Zöliakie.

  • Erwachsene mit Typ-1-Diabetes sollten mindestens einmal einen Zöliakie-Antikörper-Test (Gewebs-Transglutaminase-IgA-Antikörper) machen lassen, falls dies in der Vergangenheit noch nicht erfolgt ist. Das Risiko einer Zöliakie beim Vorliegen eines Typ-1-Diabetes beträgt bis zu neun Prozent.
  • Bei Kindern mit neu diagnostiziertem Typ-1-Diabetes sollten immer Zöliakie-Antikörper bestimmt werden. Bei unauffälligen Ergebnissen und fehlenden Symptomen hinsichtlich Zöliakie sollte der Test alle zwei Jahre bis zum vollendeten 18. Lebensjahr wiederholt werden (Verfahrensweise siehe Verwandte ersten Grades von Zöliakie-Patienten weiter oben).

! Wichtig: Auch bei Diabetes-Patienten mit Zöliakie erholt sich die Dünndarmschleimhaut unter der Therapie mit einer glutenfreien Ernährung. Nährstoffe, darunter Kohlenhydrate, werden besser aufgenommen. Dadurch steigt kurzfristig der Insulinbedarf.

Den können Betroffene nun leichter entsprechend der verzehrten Kohlenhydrate abschätzen. Die Stoffwechseleinstellung kann sich verbessern, das Risiko für Unterzuckerungen (Hypoglykämien) sinken.

Längerfristig kann eine bessere Stoffwechsellage unter glutenfreier Ernährung bei diesen Patienten zu einem günstigeren Verlauf des Diabetes beitragen und das Risiko für Langzeitfolgen wie zum Beispiel Nieren- und Augenerkrankung senken.

Ist bei einem Zöliakie-Patienten wegen Symptomen wie Heißhunger, viel Durst, häufiger Harndrang und Gewichtsverlust ein Typ-1-Diabetes zu vermuten, ist die Diagnose anhand von Blutuntersuchungen rasch gestellt.

Autoimmune Schilddrüsenentzündung (Hashimoto-Thyreoiditis): Häufigkeit bei Zöliakie-Patienten: etwa sieben bis zehn Prozent. Frauen erkranken häufiger als Männer, meist im Alter von 30 bis 50 Jahren.

Die chronische Erkrankung der Schilddrüse ist anfangs oft symptomlos. Im Zuge der Entzündung und Zerstörung von Zellen gibt die Schilddrüse größere Mengen Schilddrüsenhormon ab.

Es kommt zu einer vorübergehenden Überfunktion (sogenannte Freisetzungs-Hyperthyreose) und unterschiedlichsten Beschwerden, etwa Gewichtsverlust trotz guten Appetits, Schwitzen, Haarausfall, Nervosität.

Später – meist nach längerer Zeit, manchmal aber auch recht schnell – stellt sich eine Unterfunktion ein. Dann sind erneut vielfältige Beschwerden möglich: Müdigkeit, Kälteempfindlichkeit, trockene Haut, Gedächtnisschwäche, brüchige Haare und Nägel, Myxödem (teigige Hautschwellungen), Verstopfung und vieles mehr.

  • Bei Diagnosestellung einer Hashimoto-Thyreoiditis sollte sich eine Zöliakie-Antikörpertestung anschließen.
  • Wird bei einem Patienten eine Zöliakie festgestellt, bestimmen Ärzte unter anderem den TSH-Wert, der erste Rückschlüsse auf die Funktionslage der Schilddrüse zulässt.

Basedow-Krankheit: Auch die zweithäufigste Autoimmunkrankheit der Schilddrüse, die Basedow-Krankheit (MOrbus Basedow), kann unter anderem mit einer Zöliakie assoziiert sein. Diese führt zu einer meist plötzlich auftretenden Überfunktion mit entsprechenden Symptomen (siehe oben).

Die Schilddrüse kann sich vergrößern (Struma), dabei auch Knoten bilden: sogenannter Knotenkropf. Treten zudem die Augäpfel stärker hervor, ist das auf eine autoimmune "Schilddrüsenaugenkrankheit" verdächtig (endokrine Orbitopathie, auch endokrine Ophthalmopathie).

Raucher, aber auch Zöliakie-Patienten mit Basedow-Krankheit haben ein erhöhtes Risiko für die Augenbeteiligung.

  • Besteht Verdacht auf eine begleitende Zöliakie soll Patienten ein Zöliakie-Test angeboten werden.

Autoimmune Lebererkrankungen: Autoimmunhepatitis (AIH): Häufigkeit bei Zöliakiepatienten: Kinder bis 13 Prozent, Erwachsene bis drei Prozent. Die Autoimmunhepatitis ist eine seltene Form der Leberentzündung. Frauen erkranken drei- bis viermal häufiger als Männer an der Autoimmunkrankheit.

Ein Teil der Patienten ist zum Zeitpunkt der Diagnose symptomfrei, andere fühlen sich ständig müde, appetitlos, haben eventuell Schmerzen im Oberbauch oder an Gelenken. Gelbfärbung des Augenweiß und der Haut, heller Stuhl und dunkler Urin verweisen auf eine Erkrankung des Leber-Galle-Systems.

  • Antikörper-Bestimmungen auf Zöliakie werden zum einen im Rahmen der Diagnostik bei AIH im Kindesalter empfohlen (zur Verfahrensweise siehe oben: Verwandte ersten Grades von Zöliakie-Patienten).
  • Zum anderen gehören sie bei Erwachsenen mit unklarer Lebererkrankung ebenfalls zum Untersuchungsprogramm. Auf ein Problem mit der Leber können erhöhte Leberwerte, auch Transaminasen genannt, hinweisen.

! Hinweis: Erhöhte Leberwerte werden bei bis zu einem Drittel der Patienten mit Zöliakie gefunden. Zugrunde liegt eine Leberentzündung ohne weitere Besonderheiten (unspezifisch). Unter glutenfreier Diät geht sie in der Regel zurück.

Anhaltend erhöhte Leberwerte unter glutenfreier Kost bei Zöliakie sind verdächtig auf eine spezielle Leber- oder Gallenerkrankung wie AIH oder eine primär biliäre Cholangitis.

Primär biliäre Cholangitis (PBC): Zu über 90 Prozent erkranken erwachsene Frauen an der mutmaßlich autoimmunbedingten Lebererkrankung.

Kennzeichnend ist eine chronisch verlaufende, entzündliche Schädigung der Gallenwege in der Leber. Unbehandelt kann sie zu einem Gallenstau mit Gelbsucht, vergrößerter Leber und gestörter Fettverdauung führen.

Auffallend ist der meist frühzeitig auftretende Juckreiz. Bestimmte Medikamente können den Verlauf günstig beeinflussen. Eine immununterdrückende Therapie ist dagegen unwirksam. Bei ausgeprägtem, nicht anders beherrschbarem Krankheitsbild kann eine Lebertransplantation angezeigt sein.

  • Ein Teil der Patienten hat auch eine Hashimoto-Thyreoiditis, eine Autoimmunhepatitis oder eine rheumatische  Erkrankung. Eine Zöliakie sollte ebenfalls bei PBC ausgeschlossen werden.

Kollagenosen ("Bindegewebsrheuma"): Bei diesen Autoimmunerkrankungen können neben Gelenken noch andere Körperbereiche – innere Organe, die Haut, das Nervensystem und Gefäße – erkranken. Daher werden Kollagenosen auch als systemische Krankheiten bezeichnet.

Frauen sind häufiger betroffen als Männer, was bei Autoimmunerkrankungen öfter der Fall ist (siehe oben: PBC, Hashimoto-Thyreoiditis).

Klassische Kollagenosen haben einige Merkmale gemeinsam: die genetische Veranlagung, bestimmte typische Krankheitszeichen und das Ansprechen auf spezielle Medikamente, die in das Immunsystem eingreifen. Ein Beispiel ist das Sjögren-Syndrom. Die Häufigkeit einer Zöliakie beim Sjögren-Syndrom, eine Erkrankung, bei der die Patienten unter trockenen Augen und Mundtrockenheit leiden, liegt beispielsweise bei über zehn Prozent.

  • Komorbidität mit Zöliakie ist also möglich, daher: Abklärung bei Verdacht.

Addison-Krankheit (Nebennierenversagen, auch Morbus Addison): Die Nebennieren produzieren vor allem lebenswichtige Hormone für den Salz- und Energiehaushalt (Aldosteron, Kortisol). Auch beeinflussen sie den Blutdruck.

Bei denjenigen Formen der Addison-Krankheit, die durch eine Immunstörung bedingt sind, und das ist die Mehrzahl, greift das Immunsystem die Nebennieren an (sogenannte Autoimmunadrenalitis).

In dem Maße, wie das Drüsengewebe sich entzündet und zerstört wird, lässt die Produktion der Hormone nach, und es kommt zu ernsthaften Symptomen.

Kennzeichnend sind leichte Ermüdbarkeit, Schwäche, niedriger Blutdruck, Kollapsneigung, "Salzhunger". Dazu eine bräunliche Pigmentierung der Handinnenflächen, Fußsohlen, von Narben (Bronzehautkrankheit) und der Mundschleimhaut.

Zugleich können weiße Flecken an der Haut (Weißfleckenkrankheit, Vitiligo) auftreten.

Besonders in Stresssituationen, etwa bei Infektionen oder Operationen, kann es zu lebensbedrohlichen Zuständen mit Erbrechen, starken Durchfällen und Bauchschmerzen, massiven Blutdruckabfällen und Komplikationen wie Schock oder Koma (Addison-Krise) kommen.

! Achtung: Es ist überlebenswichtig, eine Addison-Krankheit frühzeitig zu erkennen, zu behandeln und die Patienten für den Notfall zu wappnen (Aufklärung, Notfallset, Patientenausweis). Zwar sind die Ursachen vielfältig. Aber: Bei den autoimmunbedingten Formen können gleichzeitig bestehende Autoimmunkrankheiten (zum Beispiel der Schilddrüse, Typ-1-Diabetes), außerdem Hautveränderungen wie zuvor beschrieben und nicht zuletzt eine Zöliakie richtungweisend sein.

  • Bei bekannter Addison-Krankheit wird der Arzt den Patienten bei Bedarf auf eine Zöliakie testen.

Immunglobulin-A (IgA-Mangel): Häufigkeit bei Zöliakiepatienten: etwa drei Prozent. Immunglobuline sind wichtige Abwehrstoffe des Körpers. IgA bekämpfen Infektionserreger speziell auf Schleimhäuten, etwa der Atemwege oder des Magen-Darmtraktes.

Ein IgA-Mangel kommt zwar eher selten vor, ist aber der häufigste primäre, also nicht durch andere Faktoren entstandene Immundefekt. Er tritt "zufällig" (sporadisch) oder veranlagungsbedingt auf.

Obwohl das Risiko für Infektionen im Prinzip erhöht ist, haben viele Betroffene keine größeren Probleme mit der Gesundheit. Daher fällt der IgA-Mangel bei ihnen oft gar nicht auf. Ein Teil leidet allerdings wiederholt an bakteriellen Infekten.

Bei etwa einem Drittel besteht eine Allergieneigung oder es entwickelt sich eine Autoimmunerkrankung.

  • Patienten mit bekanntem IgA-Mangel werden in der Regel auf Zöliakie getestet. Besonderheit hier: Die üblichen Tests auf Basis von IgA-Antikörpern können negativ ausfallen, obwohl eine Zöliakie vorliegt. Sind die IgA-Blutspiegel vermindert – bei der Diagnostik zum Nachweis einer Zöliakie werden sie immer mituntersucht –, sollen ergänzende Zöliakie-Tests auf der Basis von Immunglobulin G-(IgG-)Antikörpern durchgeführt werden.

Mikroskopische Kolitis (kollagene und lymphozytäre Kolitis): Kolitis bedeutet Entzündung des Dickdarms. Die Betroffenen leiden unter wässrigen Durchfällen, bei etwa fünf Prozent der Patienten liegt auch eine Zöliakie vor. Die Darmschleimhaut der Patienten sieht bei einer Darmspiegelung jedoch oft normal aus.

Erst durch die Untersuchung von Gewebeproben aus dem Darm (Biopsien) unter dem Mikroskop lässt sich die Diagnose einer entzündlichen Darmerkrankung mit der jeweils typischen feingeweblichen Ausprägung stellen.

Zur Therapie werden in erster Linie Kortison-Präparate eingesetzt, die nur örtlich (lokal) wirken. Seltener kommen ein systemisch, das heißt im gesamten Körper wirksames Kortisonpräparat oder andere Medikamente infrage.

  • Bei der Diagnosestellung sollte auch eine Zöliakie mittels Antikörpertestung ausgeschlossen werden.

Schuppenflechte (Psoriasis und Psoriasisarthritis): Die Schuppenflechte ist eine genetisch bedingte chronische Erkrankung der Haut und Gelenke (Arthritis). Bei etwa einem Drittel der Patenten tritt beides auf.

Eine alleinige Psoriasis-Arthritis kommt eher selten vor. Bei Erwachsenen folgt die Gelenkentzündung den Hauterscheinungen meist zeitversetzt. Bei Kindern ist es umgekehrt.
Die befallenen Hautstellen, unter anderem an den Streckseiten von Ellenbogen und Knien, jucken, die Haut rötet sich und weist silbrige Schuppen auf. Auch Nagelveränderungen können auftreten.

Die Arthritis betrifft meist kleine Gelenke an Fingern und Zehen und zeigt sich an beiden Lokalisationen häufig ungleich (asymmetrisch) verteilt.

Typischerweise ist oft auch ein Finger (oder eine Zehe) als Ganzes betroffen. Manchmal stehen eher größere Gelenke wie die Knie oder aber die Wirbelsäule im Mittelpunkt der entzündlichen Erkrankung.

  • Bei Hinweisen in Richtung Zöliakie oder nicht anders erklärbaren Beschwerden ist ein Zöliakie-Test angezeigt.

Andersherum: Rückenschmerzen bei einem Zöliakie-Patienten können auf unterschiedliche Probleme aufmerksam machen: zum Beispiel auf einen Knochenschwund im Bereich der Wirbelsäule mit Osteoporose als mögliche Folge.

Oder auf eine Entzündung der Wirbelgelenke und/oder Kreuzbein-Darmbeingelenke, wie sie bei Psoriasis-Arthritis auftreten kann. Dabei kommt es vor allem zu Schmerzen im unteren Rücken und Kreuz, die mitunter ins Gesäß oder in die Leistengegend ausstrahlen.

2. Gruppe: Mögliches Zöliakie-Risiko

Bei den nachfolgend kurz beschriebenen Krankheiten wird der Arzt einen Zöliakie-Test empfehlen, wenn er entsprechende Anhaltspunkte hat oder wenn Beschwerden eines Patienten nicht anders erklärbar sind (Häufigkeit der Komorbidität jedoch meist unbekannt).

In diese Gruppe gehören zum Beispiel Patienten mit Erkrankungen wie:

Kreisrunder Haarausfall (auch Alopecia areata, Autoimmunalopezie): Vermutlich sind in Deutschland etwa 1,5 Millionen Menschen betroffen. Alopecia areata tritt bei Frauen und Männern aller Altersgruppen auf, am häufigsten aber bei jungen Menschen.

Auch wenn die Ursachen noch unklar sind, spielen hier, ähnlich wie bei Typ-1-Diabetes und immunvermittelten Schilddrüsenerkrankungen, bestimmte genetische Faktoren und fehlgeleitete Immunreaktionen eine Rolle. Sie zielen offenbar auf die Haarwurzeln.

Die kahlen Stellen zeigen sich überwiegend am behaarten Kopf, bei Männern teilweise auch im Bartbereich, selten an den übrigen behaarten Körperstellen. Der Haarverlust, der auch "unterschiedlich vollständig" sein kann, entsteht manchmal innerhalb weniger Wochen. Er kann sich aber auch über Monate entwickeln.

  • Bei vermuteter Zöliakie ist ein entsprechender Test angezeigt, ebenso, wenn Betroffene neben dem kreisrunden Haarausfall auch einen Typ-1-Diabetes oder eine immunbedingte Schilddrüsenerkrankung (mehr dazu jeweils weiter oben) haben.

IgA-Nephropathie: Bei dieser Form der immunvermittelten Nierenentzündung treten abweichende Immunglobulin-A-(IgA-)Moleküle auf. Durch Verkettung mit entsprechenden Antikörpern entstehen Verbindungen, die sich an den feinen Gefäßen der Nierenkörperchen ablagern und dort zu entzündlichen Veränderungen führen (Glomerulopathie, auch Glomerulonephritis).

In der Folge kann es zu einem Nierenversagen kommen. Ein Teil der Patienten ist längere Zeit beschwerdefrei. Im weiteren Verlauf können erhöhte Blutdruckwerte und krankhafte Urinbefunde auffallen. Bei manchen Betroffenen geht die Erkrankung schon frühzeitiger in ein Nierenversagen über. Männer erkranken häufiger als Frauen (hauptsächlich betroffene Altersgruppe: etwa 16 bis 35 Jahre).

  • Es ist wichtig, eine zugleich vorliegende Zöliakie festzustellen (Antikörpertest!) und sie konsequent zu behandeln. Unter Glutenverzicht kann es, je nach Ausprägung der Nierenerkrankung, zu einer Rückbildung der Veränderungen kommen.

3. Gruppe: Mögliche Zöliakie

Hier geht es um Krankheitsbilder, Krankheitszeichen oder Befunde, die bis zum Beweis des Gegenteils untypischen Symptomen oder Folgen der Zöliakie zugeordnet werden können.

Es ist daher auch bei Patienten, die sich in diese Gruppe einordnen lassen, von Bedeutung, eine mögliche Zöliakie zu erkennen und zu behandeln. Mehr dazu im Ratgeber "Zöliakie".

Reizdarmsyndrom: Beim Reizdarmsyndrom handelt es sich um eine Funktionsstörung des Darms. Bei wissenschaftlichen Erhebungen berichteten etwa zehn bis 15 Prozent der Befragten über reizdarmähnliche Beschwerden – Bauchschmerzen, Verdauungsunregelmäßigkeiten und andere Symptome, die im Zusammenhang mit dem Stuhlgang stehen. Patienten mit Reizdarmsyndrom weisen ein etwa vierfach erhöhtes Risiko für eine Zöliakie auf.

  • Patienten mit Reizdarmsymptomen sollten auf Zöliakie getestet werden.
Dr. med. Helga Török

Beratende Expertin: Privatdozentin Dr. med. Helga Török ist als Internistin und Gastroenterologin an der Medizinischen Klinik und Poliklinik II am Klinikum der Universität München tätig. Dort leitet sie die Ambulanz für chronisch-entzündliche Darmerkrankungen.

Fachliteratur für diesen Beitrag

Herold G und Mitarbeiter: Innere Medizin 2019, Dr. Gerd Herold Köln

Schuppan D, Gisbert, Schuppan K: Tägliches Brot: Krank durch Weizen, Gluten und ATI. Heidelberg Springer Verlag GmbH 2018

Schuppan D, Zimmer KP: Diagnose und Therapie der Zöliakie (Diagnosis and treatment of celiac disease). Dtsch Arztebl. Int 2013; 110 (49):835-846

S2k-Leitlinie Zöliakie. AWMF-Register-Nr. 021/021. Ergebnisse einer S2k-Konsensuskonferenz der Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs-und Stoffwechselerkrankungen (DGVS) gemeinsam mit der Deutschen Zöliakie-Gesellschaft (DZG e.V.) zur Zöliakie, Weizenallergie und Weizensensitivität. Stand: 17.05.2014. Online:
https://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/021-021l_S2k_Z%C3%B6liakie_05_2014_01.pdf (Abgerufen am 16.04.2019)

https://www.springermedizin.de/iga-nephropathie-bei-atypischer-manifestation-einer-zoeliakie-be/8045340

Denhamn JM, Hill ID. Celiac disease and autoimmunity: review and controversies. Curr Allergy Asthma Rep 2013; 13: 347–353

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