Wie gefährlich ist Hepatitis E in der Wurst?

Hepatitis E im Mettbrötchen oder der Leberwurst – das klingt gefährlich. Doch wie problematisch ist das Virus wirklich? Und wie lässt sich eine Infektion vermeiden?
von Dr. Katharina Kremser, aktualisiert am 12.05.2016

Appetitlich oder bedenklich? Schweinemett kann Keime enthalten

Fotolia/Photocrew

Ein Fernsehmagazin berichtet über Untersuchungen, die dem Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) bereits seit 2015 vorliegen. Das BfR hatte 120 Lebensmittel getestet, die ein besonderes Risiko für eine Belastung mit Hepatitis E aufwiesen, weil sie nicht durchgegart waren. Es handelte sich um verschiedene Rohwürste, hauptsächlich von Schwein und Wildschwein, sowie um Leberwurst. In etwa jeder fünften davon wiesen die Forscher das Hepatitis E-Virus nach.

Das Virus kann eine Leberentzündung hervorrufen, ähnlich wie Hepatitis A oder Hepatitis B. Allerdings verlaufen die meisten Infektionen unbemerkt. Früher wurde vermutet, dass eine Ansteckung vor allem bei Reisen nach Asien und Afrika stattfindet, wo das Virus wegen der schlechteren Hygienebedingungen verbreitet ist. Inzwischen weiß man, dass ein anderer Typ des Virus auch in Deutschland kursiert. Während die in Afrika und Asien vorkommenden Virustypen auch von Mensch zu Mensch übertragen werden, findet die Infektion mit dem in Deutschland verbreiteten Virustyp vor allem über unzureichend gegartes Fleisch von Schwein und Wild statt.

Wie häufig ist Hepatitis E?

Untersuchungen zeigen laut dem Robert Koch-Institut (RKI), dass etwa fünf Prozent der unter 30-jährigen Deutschen und circa ein Viertel der über 60-Jährigen in ihrem Leben Kontakt mit dem Virus hatten. Die Zahl der in Deutschland erfassten Fälle ist zwar in den letzten Jahren gestiegen. Vermutlich liegt die Ursache dafür aber zumindest zum Teil daran, dass die Diagnose einer solchen Infektion dank verbesserter Testverfahren inzwischen einfacher ist. Außerdem, dass Ärzte nun häufiger an die Erkrankung denken, wenn sie zum Beispiel bei Bluttests zufällig erhöhte Leberwerte bei ihren Patienten feststellen.

Wie gefährlich ist Hepatitis E?

  • Für Gesunde:

In den meisten Fällen verläuft eine Hepatitis E unbemerkt. Es können aber auch Symptome wie Fieber, Schmerzen im Oberbauch, eine Gelbfärbung von Augen und Haut sowie eine Entfärbung des Stuhlgangs und Braunfärbung des Urins auftreten. In der Regel ist die Infektion aber auch dann harmlos. Die Symptome verschwinden ohne Behandlung von selbst wieder und die Krankheit heilt aus.

  • Für Schwangere und Menschen mit Leberschäden:

Gefährlich kann Hepatitis E für Personen mit bereits geschädigter Leber und für Schwangere werden. Während der in Deutschland verbreitete Virustyp auch bei Schwangeren üblicherweise nur harmlose Erkrankungen hervorruft, kann der im Ausland vorkommende Typ 1 bei ihnen zu einer schweren Leberentzündung mit bis zu 30 Prozent Todesfällen führen. Auch bei Menschen mit Leberproblemen kommt es häufiger zu einem heftigen Verlauf der Krankheit. In besonders schweren Fällen kann eine Lebertransplantation helfen.

  • Für Menschen mit schwachem Immunsystem:

Menschen mit einer Immunschwäche erkranken nach einer Infektion eher an Hepatitis. Außerdem kann die Krankheit bei ihnen chronisch verlaufen. Bleibt sie unbemerkt, kann sie die Leber dann im Lauf der Jahre schwer schädigen. Eine Leberzirrhose ist die Folge. Rechtzeitig entdeckt, lässt sich diese mit Medikamenten, die das Virus bekämpfen oder gegebenenfalls mit einer Änderung der das Immunsystem beeinträchtigenden Therapie behandeln und eventuell heilen. 

Wie kann man sich mit Hepatitis E anstecken?

  • Verzehr von mit Hepatitis-E-Viren verunreinigten Lebensmitteln

Mit dem in Deutschland verbreiteten Virustyp infizieren sich die meisten Menschen über den Verzehr von nicht durchgegartem Schweine- und Wildfleisch sowie Produkten daraus. Laut Untersuchungen des BfR waren vier bis fünf von zehn Hausschweinen im Laufe ihres Lebens mit dem Virus infiziert. Auch Muscheln können das Virus enthalten.

  • Schmierinfektion / Übertragung von Mensch zu Mensch

Der in Deutschland verbreitete Typ scheint nur extrem selten von Mensch zu Mensch übertragbar zu sein. Bei den im Ausland vorkommenden Typen sind Schmierinfektionen möglich. Das bedeutet, dass durch den Kontakt und die Aufnahme von zum Beispiel mit Stuhl von Hepatitis-E-Kranken verschmutzten Lebensmitteln und Trinkwasser eine Ansteckung erfolgen kann.

  • Übertragung über Blutprodukte

Blutprodukte von Infizierten können bei einer Transfusion ebenfalls zu einer Ansteckung führen. Ein Test auf Hepatitis E ist hier bisher nicht Routine.

Wie kann man einer Infektion vorbeugen?

  • Kein rohes Fleisch oder Produkte daraus essen!

Wird Fleisch durchgegart beziehungsweise für mindestens 20 Minuten auf über 70 Grad erhitzt, stirbt das Virus laut Angaben des Robert Koch-Instituts ab. Daher sollten besonders Schwangere, Menschen mit Leberschäden oder schwachem Immunsystem darauf achten, kein rohes oder unzureichend gegartes Fleisch oder Innereien zu essen. Auch rohe Fleisch- und Wurstprodukte wie Tatar, Carpaccio, Mettwurst und Salami sollten für diese Personengruppen tabu sein.

  • Küchenhygiene bei der Zubereitung von Fleisch einhalten!

Bei der Zubereitung von Fleisch sollten stets die üblichen Hygienemaßnahmen eingehalten werden: Rohes Fleisch sollte nicht in Kontakt mit anderen Lebensmitteln kommen, auf separaten Brettern und mit einem extra Messer geschnitten werden. Nach dem Kontakt mit rohem Fleisch die Hände waschen und die Küchenutensilien gründlich mit Spülmittel und heißem Wasser reinigen oder in die Spülmaschine geben.

  • Im Ausland: "Schäl' es, koch' es oder vergiss es!"

Im Ausland sollte man sich an die Regel "Schäl' es, koch' es oder vergiss es!" halten und Trinkwasser nur aus original verschlossenen Mineralwasserflaschen genießen. Keine Getränke mit Eiswürfeln zu sich nehmen, diese könnten aus nicht abgekochtem Leitungswasser hergestellt sein.

  • Beim Zerlegen von Tieren Handschuhe tragen!

Jäger und Mitarbeiter von Schlachthöfen sollten Handschuhe tragen, wenn sie Tiere zerlegen.


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