Spargel: Warum riecht der Urin?

Sie essen Spargel, gehen auf Toilette und es schlägt Ihnen ein beißender Geruch entgegen – kennen Sie das? Was dahinter steckt und warum es nicht jeden betrifft

von Annett Zündorf, aktualisiert am 07.06.2018

Lecker, kalorienarm, gesund: Spargel


Spargelsuppe, Spargelsalat, gekocht mit Salzkartoffeln, gebraten zu Lamm: Spargel-Liebhaber wollen die kurze Saison nutzen, in der es das Gemüse frisch aus heimischem Anbau gibt.

Wenn da nur nicht dieser beißende Geruch beim Toilettengang wäre. Woher kommt er? Und lässt sich etwas dagegen tun? Spargel enthält Asparagusinsäure. Die Schwefel-Verbindung wird im Körper verstoffwechselt und deren Abbauprodukte im Urin ausgeschieden. "Der Geruch ist harmlos und kein Anzeichen für eine Krankheit oder eine Vergiftung", sagt Stefan Lorkowski, Professor für Biochemie der Ernährung von der Universität Jena. Unangenehm ist er dennoch. Kein Wunder, ähnelt die Substanz doch den chemischen Verbindungen im gefürchteten Stinktier-Sekret.

Nur 15 Minuten nach dem Genuss einer Spargel-Mahlzeit beginnt es zu riechen. Dagegen tun lässt sich nichts. Allerdings hilft reichliches Trinken, die Abbauprodukte schnell aus dem Körper zu spülen.

Manchen fehlt ein Enzym, andere riechen es nicht

Immerhin betrifft es nicht jeden. Sogar die Mehrheit besitzt das Enzym, das die Asparagusinsäure abbaut, nicht. Verschiedene Studien zeigen, dass nur 40 Prozent der Menschen zu den sogenannten Ausscheidern von Abbauprodukten im Urin gehören.

Andere wiederum produzieren zwar die Geruchsstoffe, können sie aber nicht riechen. Noch ist nicht erforscht, warum der Spargel von Mensch zu Mensch so unterschiedlich wirkt. Klar ist nur: "Wenn der Körper Asparagusinsäure zu stinkenden Schwefelverbindungen verstoffwechselt, ist dies erblich bedingt. Und wer das Glück hat, dass seine Nase auf die Moleküle nicht anspringt, lebt wohl mit einer Mutation in einem Geruchsrezeptor-Gen", sagt Lorkowski.

Alle Geschmacksrichtungen vereint

Auch wenn der Geruch des Urins nach einer Spargel-Mahlzeit nicht sehr angenehm ist, lohnt es sich, die "Belästigung" zu akzeptieren. Kein anderes Gemüse kommt dem Geschmack frischen Spargels gleich. Aus gutem Grund gilt die bleiche oder grüne Stange als Königin der Gemüse: "Sie enthält eine perfekte Mischung aller fünf Geschmacksrichtungen, dabei ist süß der dominierende Eindruck", sagt Dr. Corinna Dawid. Sie erforscht am Lehrstuhl für Lebensmittelchemie und molekulare Sensorik der Technischen Universität München die Inhaltsstoffe des Spargels. "Dazu kommt der zarte Geschmack der Spargelspitze nach Butter." Kein Lebensmittelchemiker könnte sich eine bessere Kombination ausdenken.

Manchmal schmeckt das Gemüse allerdings nicht so lecker. "Spargel enthält bitter schmeckende Saponine. Wurde die Pflanze gestresst, werden diese verstärkt gebildet", erklärt Dawid. Stress bekommt die Pflanze beispielsweise bei einer Pilzinfektion oder wenn die Stangen zu dicht am Wurzelstock gestochen werden.

Über 100 Spargelsorten in Deutschland

Grüner Spargel, weißer Spargel, Meeresspargel – alles eine Variante der gleichen Pflanze? "In Deutschland gibt es etwa 100 verschiedene Sorten", sagt Martin Krumbein, Leiter des Fachbereichs Gemüsebau der Lehr- und Versuchsanstalt Gartenbau in Erfurt. Weißer Spargel wird in Erddämmen gezogen. Weil die Pflanzen kein Sonnenlicht abbekommen, bleiben sie so weiß. Grüner Spargel wächst auf flachem Boden. Die Stangen bilden im Sonnenlicht das grüne Chlorophyll. Meeresspargel ist mit echtem Spargel nicht verwandt. Die Pflanze namens Queller gehört zu den Salzwiesenpflanzen und schmeckt nach Meer und Salz.

Spargelsaison endet am 24. Juni

"Kirschen rot, Spargel tot", lautet ein fränkisches Sprichwort. Tatsächlich endet die Spargelsaison am 24. Juni, pünktlich zum Beginn der Kirschenzeit. Der Spargel ist dann natürlich nicht tot. Er wird aber nicht mehr gestochen. Die Pflanze wächst, bekommt Blätter und Früchte. "Während dieser Zeit lagert sie Reservestoffe für das nächste Jahr ein", erklärt Krumbein. Und die werden für die nächste Spargelsaison gebraucht.