Schluckstörung (Dysphagie): Ursachen durch Hindernisse im Hals

Halsweh, Schmerzen beim Schlucken, Schnupfen ein- bis zweimal im Jahr – das kennt jeder Erwachsene. Anders verhält es sich bei einem „Hindernis“ im Hals. Manchmal ist es die Schilddrüse. Schwerwiegende Ursachen sind eher die Ausnahme
von Dr. med. Claudia Osthoff, aktualisiert am 31.07.2015

Ein Bissen gleitet hier korrekt am Kehlkopf vorbei

W&B/Jörg Neisel

Der eigentliche Schluckakt dauert höchstens eine Sekunde. Nach weiteren wenigen Sekunden hat die Nahrung die Speiseröhre passiert. Bei einer Erkältung mit starkem Halsweh brauchen wir vielleicht Bruchteile länger. Aber wir bringen den Bissen trotzdem herunter, auch wenn er nicht toll schmeckt. Ein paar Lutschpastillen verschaffen Linderung, außerdem ist der Hals bald wieder frei. Wenn dem nicht so ist, kann womöglich ein ernsteres Problem dahinterstecken.

Entzündungen auf der ersten Schlucketappe: Rachen und Gaumen

- Rachenentzündung– Erkältungskrankheiten: Eine Halsentzündung heißt Pharyngitis. Üblicherweise sind Erkältungen schuld. Kratzen im Hals, Halsschmerzen, Heiserkeit, Schnupfen, Mattigkeit – kein Zweifel: Erkältungsviren treiben wieder ihr Unwesen. Es gibt zahllose davon, zum Beispiel Rhino- und bestimmte Coronaviren in der kalten Jahreszeit, Echo- und Enteroviren im Sommer. Erwachsene fangen sich den typischen "grippalen Infekt", der im Übrigen nichts mit der Grippe (Influenza) zu tun hat, etwa zwei- bis viermal im Jahr ein, Kinder öfter. Lesen Sie mehr im Ratgeber "Halsschmerzen".

- Andere Ereger: Wenn die Rachenschleimhaut sich sehr heftig entzündet und stark anschwillt, kann sich das wie ein mechanisches Hindernis auswirken und vorübergehend erhebliche Schluckbeschwerden verursachen. Mitunter stecken auch andere Erreger dahinter, etwa Coxsackie-Viren.

- - Herpangina: Bei Kindern, seltener Erwachsenen, kommt zum Beispiel die Herpangina (Zahorsky-Krankheit, vesikuläre Pharyngitis) vor. Das ist eine fieberhafte Infektion der Mund- und Rachenschleimhaut mit herpesähnlichen Bläschen, die zu kleinen Geschwüren werden, Schwellungen am Gaumen und Schluckbeschwerden. Die durch Coxsackie-Viren ausgelöste Erkrankung heilt in aller Regel nach einer Woche aus.

- - Auch Bakterien oder Pilze können manchmal Entzündungen im oberen Schlucktrakt verursachen und starke Schmerzen beim Schlucken verursachen (Odynophagie). Ein Soor, wie Infektionen der Haut und Schleimhäute mit Candida-Pilzen fachsprachlich heißen, kann viele Ursachen haben. Candida-Pilze, von denen es verschiedene Arten gibt, leben als natürliche Mitbewohner auf der Haut, Schleimhaut und im Darm. Unter bestimmten Umständen können sie sich stärker vermehren und Infektionen auslösen, etwa nach einer Antibiotika- oder Kortison-Therapie.

Weitere Auslöser sind bestimmte Erkrankungen, die Abwehrfunktionen schwächen, gehören zu den Auslösern, beispielsweise Diabetes mellitus oder eine Aids-Erkrankung. Begünstigend sind außerdem hormonelle Veränderungen, trockene Schleimhäute (auch durch Medikamente), höheres Alter. Ein Mundsoor zeigt sich mit weißlichen, nicht abwischbaren Belägen und Rötungen in der Mundhöhle. Säuglinge bekommen häufig einen Mundsoor. Wenn sie zum Beispiel mit Trinkschwäche reagieren, kann das auf Schluckbeschwerden hinweisen.

Falls ein Soor auf die Speiseröhre übergeht, kann das bestehende Schluckprobleme noch verstärken und das Schlucken ernsthaft behindern (mehr dazu im Kapitel "Schluckstörung – Ursachen: Speiseröhre"). Die Entwicklung muss, wie alle ungewöhnlichen Entzündungen im Schluckbereich, ernstgenommen, abgeklärt und gezielt behandelt werden. Mundsoor kann zum Beispiel auch eine ungewöhnliche Virusentzündung der Speiseröhre, etwa durch Herpes- oder Zytomegalie-Viren, begleiten.

- Mukositis: Bei einer Krebsbehandlung – Chemotherapie und Bestrahlungsbehandlung im Kopf- oder Halsbereich – kann es zu erheblichen Entzündungen und Infektionen im Mund (orale Mukositis) kommen. Begleitende Schmerzen, Schluckbehinderungen, infolgedessen gestörtes Essen und Trinken, beeinträchtigen die Betroffenen oft sehr stark. Die Beschwerden haltern einige Wochen an, bei einer Bestrahlungsbehandlung noch länger als bei einer Chemotherapie.
Die Patienten werden rechtzeitig vorher über die typischen Nebenwirkungen ihrer Behandlung informiert und auf den richtigen Umgang damit vorbereitet. Dennoch sollten sie sich auf jeden Fall mit dem behandelnden Arzt in Verbindung setzen, wenn es ihnen bei der Therapie nicht gut geht und erhebliche oder ungewöhnliche Nebenwirkungen auftreten.

- Mandelabszess (Peritonsillarabzess): Eine Mandelentzündung (Tonsillitis, Angina tonsillaris) wird in erster Linie durch Keime wie Streptokokken A, Staphylokokken oder auch Hämophilus influenzae ausgelöst. Als Komplikation kann es zur eitrigen Gewebeeinschmelzung kommen. Fachsprachlich handelt es sich dann um einen Peritonsillarabszess. Er befindet sich in der Regel in der Kapsel, welche die Mandel umgibt. Oft ist aber nicht nur die betroffene Mandel selbst, sondern auch die Umgebung stark geschwollen. Begünstigende Faktoren sind Rauchen, eine Infektion wie das Pfeiffersche Drüsenfieber (infektiöse Mononukleose), Immunstörungen, etwa im Rahmen einer bösartigen Erkrankung, oder kleinste Steinchen (Tonsillolithen) in der Mandel sein.
Symptome (Peritonsillarabszess): Starke einseitige Schluckbehinderung (Dysphagie auf der betroffenen Seite), möglicherweise auch eine Kieferklemme (der Mund kann dann nicht mehr geöffnet werden), erneutes Fieber (das unter der Behandlung zunächst abgeklungen, dann jedoch wieder angestiegen ist), Schüttelfrost, eventuell Atemnot. Am Unterkieferwinkel schwellen häufig Lymphknoten an.
Diagnose: Der HNO-Arzt tastet den Hals ab, leuchtet den Rachen aus und schickt gegebenenfalls eine kleine Sekretprobe zur bakteriologischen Untersuchung ins Labor. Eine Ultraschalluntersuchung Computertomografie ist angezeigt, wenn der Verdacht besteht, dass der Abszess sich weiter ausgedehnt hat oder anders gelagert ist. Zum Beispiel kann auch ein Retropharyngealabszess vorliegen, der an der Rachenhinterwand entsteht. Auch von vereiterten Zahnwurzeln kann mitunter ein Abszess im Hals ausgehen.
Therapie (im Allgemeinen der Klinik: Der Abszess wird drainiert oder gespalten und die vereiterte Mandel wird häufig entfernt (Tonsillektomie). Zugleich setzt der Arzt Antibiotika ein.
Der Ratgeber "Mandelentzündung (Angina tonsillaris)" informiert Sie ausführlicher.

Aussackungen (Divertikel)

Selten wirken Divertikel (Ausstülpungen) im Rachen als mechanische Schluckbremse. Es liegen hier entweder angeborene Fehlbildungen zugrunde oder ein sogenanntes Zenker-Divertikel. Mehr dazu im Kapitel "Schluckstörung – Ursachen: Speiseröhre".

Krebserkrankungen im oberen Schlucktrakt: Mandeln, Rachen, Kehlkopf

Mitunter ist eine Krebserkrankung der Mandeln (Tonsillen-Karzinom), ein Tumor im unteren Rachen (Hypopharynx-Karzinom) oder ein Kehlkopfkrebs die Ursache einer Schluckbehinderung. Letzterer ist der häufigste Tumor diesem Bereich, während die beiden anderen deutlich seltener vorkommen. Bei allen drei Krebserkrankungen spielen unter anderem Risikofaktoren wie erhöhter Konsum hochprozentiger Alkoholika, Rauchen, familiärer Belastung und vorausgegangene  Virusinfektionen eine Rolle. Auch Belastungen mit Schadstoffen aus Arbeitsprozessen können relevant sein. Dieses Risiko konnte durch entsprechende Arbeitsschutzmaßnahmen jedoch gesenkt werden. Es erkranken jeweils mehr Männer als Frauen. Die Tumoren gehen überwiegend von den Schleimhautzellen aus. 

Erscheint zum Beispiel eine Mandel "verdächtig", überprüft der Arzt anhand einer Gewebeprobe, ob sie lediglich entzündet und dadurch vergrößert ist oder ob sich eventuell eine Geschwulst gebildet hat. Im Frühstadium sind die Überlebenschancen recht gut.

Symptome: Anhaltende Halsschmerzen mit Ausstrahlung ins Ohr können zum Beispiel auf eine Geschwulsterkrankung im Bereich der Mandeln oder unterhalb davon, im unteren Rachen (Hypopharynx), hinweisen. Man sollte bei solchen Beschwerden alsbald einen Arzt beziehungsweise HNO-Arzt aufsuchen. Das gilt umso mehr bei Schluckbeschwerden oder einer kloßigen Sprache. Auch ungewohntem Mundgeruch sollte ein Arzt nachgehen, ebenso einem Knoten (Lymphknoten) am Unterkiefer oder Hals – alles dies können selten auch einmal mögliche Symptome eines Tonsillen-Karzinoms sein.

Krebs im unteren Rachen bereitet ähnliche Beschwerden, meist aber erst in einer späteren Phase. Wenn der Tumor sich der Stimmbandebene im Kehlkopf nähert, tritt Heiserkeit auf, eventuell auch Atemnot.

Kehlkopfkrebs (Larynx-Karzinom) ist der häufigste Tumor im Hals-Bereich. Zu den Risikofaktoren siehe oben. Nach wie vor erkranken auch an diesem Krebs Männer deutlich häufiger als Frauen. Im Durchschnitt sind sie um die Mitte sechzig, wenn die Diagnose gestellt wird.
Symptome: Im frühen Stadium fehlen Beschwerden oft. Auffällig sind bei Bezug des Tumors zu den Stimmbändern – das ist die häufigste Form – Veränderungen wie neu aufgetretene Heiserkeit und ein Fremdkörpergefühl im Hals. Im fortgeschrittenen Stadium sind Schluckbeschwerden und Schluckbehinderung (Dysphagie) möglich. Wenn der Tumor unterhalb der Stimmbandebene sitzt, können auch blutiger Auswurf und Husten auftreten.

! Wichtig: Bei Heiserkeit, Hals- oder Ohrenschmerzen, die keine Erklärung finden und nach drei Wochen nicht wieder abklingen, sollte immer ein HNO-Arzt den Hals untersuchen. Zu den Untersuchungsverfahren siehe Kapitel "Schluckstörung: Diagnose".

Therapie: Tumoren im Gaumen-, Rachen- und Kehlkopfbereich werden nach Möglichkeit operiert. Auch eine Strahlentherapie oder kombinierte Strahlen- und Chemotherapien sowie Laserverfahren gehören zu den Behandlungswegen.

Skelettprobleme im Halsbereich

- Sporne an Halswirbeln, Eagle-Syndrom: Knöcherne Sporne (Osteophyten) an der Halswirbelsäule (HWS) werden gelegentlich als Ursache von Schluckbeschwerden, seltener einer Schluckbehinderung (Dysphagie), ausgemacht. Für solche Spornbildungen gibt es zahlreiche Ursachen. Am häufigsten liegt Verschleiß vor. Die damit verbundenen Beschwerden sind vielfältig.
Das Eagle-Syndrom beruht auf einem zu langen Zungenbeinknochen oder einem verlängerten Griffelfortsatz. Das ist ein Knochenstift, der am unteren Schläfenbein sitzt, innen vor dem tastbaren Knochenvorsprung am Ohr. Manchmal lässt sich das Syndrom auch auf verhärtetes Gewebe, zum Beispiel ein verkalktes Band in der Umgebung des Zungenbeins, zurückzuführen.

Symptome sind einseitige Schmerzen im Gesichts-, Hals- und Kieferbereich, eventuell kommen Schluckbehinderungen dazu.

Die Diagnose stellt im Hinblick auf den HWS-Bereich der Orthopäde. Wird ein Eagle-Syndrom vermutet, ist der HNO-Arzt gefragt. Eventuell wird auch ein Neurologe beziehungsweise Schmerzspezialist hinzugezogen. Die Behandlung hängt von der genauen Ursache im Einzelnen ab. Ein Eingriff ist nur selten erforderlich.


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