Schluckstörung (Dysphagie): Ursachen

Dysphagie kann alle Altersgruppen betreffen

von Dr. med. Claudia Osthoff, aktualisiert am 31.07.2015

Schon die Kleinsten haben manchmal Probleme mit dem Schlucken


Schluckstörungen kommen bei den verschiedensten Krankheiten vor. Diese reichen von neurologischen Erkrankungen, darunter erblichen Muskel- oder Nervenkrankheiten, über Erkrankungen im Hals und Rachen bis hin zu krankhaften Veränderungen der Speiseröhre und deren Umgebung im Brustraum. Auch Kopfverletzungen können Störungen beim Schlucken nach sich ziehen.

Mitunter entwickeln Patienten, die auf der Intensivstation behandelt und beatmet werden, eine Schluckstörung, wobei hier verschiedene Ursachen zusammenkommen. Nicht zuletzt ist Dysphagie bei Gebrechlichen und Betagten ein drängendes Problem (siehe Kapitel "Schluckstörung: Probleme im Alter (Presbyphagie")). Andererseits werden auch Kinder nicht davon verschont. Dazu siehe den Link ganz unten.

Nachfolgend die wichtigsten Ursachen von Schluckstörungen auf einen Blick:

Schluckstörungen im hohen Lebensalter (Presbyphagie)

Störungen im Gehirn, Rückenmark, an Nerven oder Muskeln:

- Schlaganfall

- Demenz

- Bewusstseinsstörung (kein Thema dieses Beitrags)

- Parkinson-Krankheit

- Amyotrophe Lateralsklerose (ALS); Bulbärparalyse

- Syringomyelie, Syringobulbie

- Lyme-Borreliose beziehungsweise Neuroborreliose und andere infektiöse Entzündungen (Enzephalitis) des Nervensystems, zum Beispiel durch verschiedene Viren, häufiger bei Immunschwäche

- Multiple Sklerose und andere nicht infektiöse Entzündungen des Zentralnervensystems

- Guillain-Barré-Syndrom

- Myasthenia gravis (pseudoparalytica)

- Lambert-Eaton-Syndrom

- Muskeldystrophien

- Okulopharyngeale Dystrophie

- Mitochondriale Erkrankungen

- Kopftumore, Kopfverletzungen (keine Themen dieses Beitrages)

- Dysphagie durch Nerven- und Muskel-Störungen bei intensivmedizinisch behandelten Patienten (kein eigenes Thema dieses Beitrags)

- Muskelentzündung (Myositis) einschließlich Dermatomyositis und Einschlusskörperchenmyositis

- Rheumatische Bindegewebserkrankungen (Kollagenosen)

- Vaskulitis (Gefäßentzündung)

- Neuropathien (Diabetes mellitus, Alkohol; kein eigenes Thema dieses Beitrags)

- Bakteriengift: Tetanus, Botulismus

Hindernisse im Hals:

- Entzündungen, Muskositis

- Mandelabszess (Peritonsillarabszess)

- Divertikel

- Krebserkrankungen im Halsbereich: Mandeln, Rachen, Kehlkopf

- Skelettsystem: Sporne an der Halswirbelsäule; Eagle-Syndrom

Speiseröhre:

- Achalasie

- "Nussknacker"-Speiseröhre (hyperkontraktil); spastische Speiseröhre

- Membranen, Ringe (etwa bei Plummer-Vinson-Syndrom)

- Entzündungen und Geschwüre

- Rückflusskrankheit (gastroösophageale Refluxkrankheit)

- Crohn-Krankheit (Morbus Crohn)

- Verengungen durch Narben (Stenose, Striktur)

- Eingeweidebrüche des Magens (paraösophageale Hernie, Gleithernie)  

- Divertikel

- Verbindungsgang (Fistel) zwischen Speiseröhre und Luftwegen (Bronchien)

- Fremdkörper

- Sklerodermie, Amyloidose, Neuropathien (Diabetes mellitus, Alkohol) (jeweils kein eigenes Thema dieses Beitrags)

- Einfluss von Medikamenten auf die Beweglichkeit der Speiseröhre: Antibiotika (zum Beispiel Aminoglykoside), Antiarrhythmika, Medikamente gegen Krampfneigung, Mittel gegen Rheuma (kein eigenes Thema dieses Beitrags)

- Krebserkrankungen: Speiseröhre und Übergang zum Magen (Kardiakarzinom)

Brustraum ("Mittelfellraum" = Mediastinum):

- Zysten, Schwellungen, Geschwülste (Mediastinaltumoren)

- Herz-Kreislauf-Erkrankungen: Herzbeutelerguss, vergrößerter linker Herzvorhof, Ausbuchtung der Hauptschlagader (Aortenaneurysma), Dysphagia lusoria (Gefäßanomalie)

- Krankheiten der Schilddrüse

Psyche:

- Kloßgefühl im Hals

Medikamente (Beispiele):


- Antidepressiva,
- Beruhigungsmittel (Benzodiazepine)
- Skelettmuskeln entspannende Mittel (Muskelrelaxantien)
- Die unwillkürliche Muskulatur entspannende Mittel (Anticholinergika)
- Antiparkinsonmedikamente
- Blutdrucksenker
- Medikamente gegen Demenz
- Antiepileptika

Mehr zu Themen dieser Liste, die keine Vollständigkeit beansprucht, in den nachfolgenden Kapiteln (siehe auch Kapitelübersicht im Kasten oben). Bevor es mit den Krankheitsursachen weitergeht, erklärt das nächste Kapitel "Schluckstörung: Diagnose" noch, welche Untersuchungen bei Schluckstörungen zur Diagnose führen.