Noni: Was kann die Superfrucht?

Der Saft aus der exotischen Noni-Frucht soll Krankheiten vorbeugen, Wohlbefinden und Leistungsfähigkeit steigern – große Versprechen. Was ist dran?

von Andrea Schuhmacher, 08.09.2016
Noni-Früchte

Noni-Baum: Die Früchte werden oft zu Saft verarbeitet


Den Fruchtfliegen scheint sie gut zu tun, zumindest der Art Drosophila sechellia, eine nur auf den Seychellen lebende, aber enge Verwandte der bei uns heimischen Taufliege: Sie ernähren sich fast ausschließlich von den Früchten des Noni-Baums. Wie Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für chemische Ökologie in Jena Ende 2014 feststellten, führt dies dazu, dass diese Fliegen sechsmal mehr Eier produzieren, als wenn sie mit normaler Laborkost gefüttert werden.

Es wäre dennoch wenig zielführend, wenn Frauen mit Kinderwunsch jetzt jeden Morgen zwei Noni-Früchte essen würden – allenfalls bekämen sie Bauchweh, denn im rohen Zustand sind diese für Menschen nahezu ungenießbar. Nicht ohne Grund werden sie in ihrer Heimat auch Sauapfel oder Mäuseananas genannt.

Trotzdem erlebt die Frucht einen ziemlichen Boom, wie manch anderes exotisches Obst oder Gemüse gilt sie als sogenanntes Superfood – man schreibt ihr wahre Wunderwirkungen zu. Die Belege bleiben jedoch dünn.

Noni-Saft

Noni als Saft, Tee, Püree oder Konzentrat

Der Noni-Baum (Morinda citrifolia) wuchs im australischen Queensland, wurde dann von Seefahrern bereits vor über 2000 Jahren nach Hawaii gebracht und findet sich heute auch an den Küsten Mittelamerikas und in Madagaskar. Verwendet werden vor allem seine Früchte, grün und groß wie Kartoffeln, etwa von der Konsistenz einer Ananas. Aus ihnen macht man einen Saft, der auch in Deutschland zugelassen ist. Mittlerweile gibt es außerdem Tee aus Noniblättern sowie Püree und Konzentrat.

Niemand behauptet, dass der Geschmack und der Geruch der reifen Früchte besonders attraktiv sei, manche vergleichen ihn mit scharfem Gorgonzola-Käse. Der Noni-Saft wird deshalb häufig verdünnt oder mit besser schmeckenden Fruchtsäften gemischt. Die Anhänger des Superfood stört das meist nicht.

Besondere Wirksamkeit ist nicht nachgewiesen

Dem gelbgrünen Saft werden zahlreiche gesundheitsfördernde Wirkungen nachgesagt: Er soll bei Herz-Kreislaufkrankheiten und Depressionen helfen, bei Magengeschwüren und Entzündungen. Außerdem soll er Anti-Aging-Effekte haben, Krebs vorbeugen und Falten reduzieren. Dafür verantwortlich sei insbesondere ein ganz eigener Inhaltsstoff, Xeronin, der erstmals 1985 von dem Forscher Ralph Heinicke in einer Fachzeitschrift beschrieben wurde. Viele Hersteller von Noni-Produkten werben mit diesem angeblichen Wunderstoff.

Allerdings konnte seitdem kein einziger Botaniker oder Lebensmittelchemiker die Existenz von Xeronin bestätigen. Quasi amtlich ist hingegen eine Einschätzung, die der Lebensmittelausschuss der Europäischen Kommission veröffentlich hat: Eine besondere gesundheitliche Wirkung von Noni-Saft sei wissenschaftlich nicht belegt. "Die der EU vorgelegten Daten, Studien und Informationen ließen keinerlei gesundheitliche Vorteile von Noni-Saft gegenüber anderen Fruchtsäften erkennen", sagt Silke Restemeyer von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE). Deshalb seinen keine gesundheitsbezogenen Aussagen für Noni Produkte zugelassen.

Umgekehrt haben sich aber auch Befürchtungen als unbegründet erwiesen, wonach Noni-Saft – in üblichen Mengen genossen – der Leber schadet. Dieser Verdacht war aufgekommen, als 2005 in zwei wissenschaftlichen Publikationen ein Zusammenhang zwischen dem Genuss von Noni-Saft und Hepatitisfällen vermutet wurde. Mittlerweile haben mehrere europäische und deutsche Behörden für Lebensmittelsicherheit eine Unbedenklichkeitsbescheinigung ausgestellt, zugleich aber die medizinische Wirkungslosigkeit bekräftigt.

So bleibt als Fazit: Noni-Saft ist verhältnismäßig teuer, schmeckt nicht, vollbringt keine Wunder, schadet wohl aber auch nicht. Es sei denn, man ist eine Fruchtfliege, die nicht zur anfangs erwähnten Seychellen-Art gehört: Dann stirbt man nach dem Kontakt mit Noni-Früchten.