Mindesthaltbarkeitsdatum abgelaufen – und nun?

Muss man abgelaufene Lebensmittel sofort wegwerfen, oden kann man sie noch essen? Lesen Sie, was genießbar bleibt und was Sie lieber entsorgen sollten

von Stephan Soutschek, aktualisiert am 08.07.2016

Achten Sie am besten schon beim Kauf auf das Haltbarkeitsdatum


Magenknurren, aber noch über zwei Stunden bis zum Abendessen? Da kommt der leckere Joghurt im Kühlschrank gerade recht. Doch Pech gehabt: Das Haltbarkeitsdatum ist seit ein paar Tagen überschritten. Den kann man nicht mehr essen. Oder vielleicht doch?

Ein Lebensmittel ist nicht zwangsläufig ungenießbar, wenn das Mindesthaltbarkeitsdatum abgelaufen ist. Es handelt sich dabei um kein Verfallsdatum. Diese Angabe besagt lediglich, dass der Hersteller nur bis zu diesem Zeitpunkt garantiert, dass ein Lebensmittel seine typischen Eigenschaften wie Geschmack, Farbe und Konsistenz bewahrt.

Was kann man noch essen?

"Ein Lebensmittel kann trotzdem noch eine gewisse Zeit genießbar sein", erklärt Isabelle Keller von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung. Der Tipp der Ökotrophologin: Ein kürzlich abgelaufenes Produkt auf Farbveränderungen prüfen und daran riechen. Das liefert einen guten Hinweis darauf, ob ein Lebensmittel noch verzehrt werden kann. Im Zweifelsfall sollte man auf den Verzehr aber besser verzichten. Hier ist vor allem die Eigenverantwortung des Verbrauchers gefragt.

Dieser Rat gilt nur für Lebensmittel mit einem Mindesthaltbarkeitsdatum. Schnell verderbliche Ware wie Fleisch hat dagegen meist ein Verbrauchsdatum. "Diese Lebensmittel sollten wirklich nur bis zum angegebenen Zeitpunkt verzehrt werden", sagt Keller.

Was beim Verderb passiert

Verschiedene Ursachen können dafür verantwortlich sein, wenn ein Lebensmittel seine typischen Eigenschaften verändert. Beispielsweise verringert sich bei manchen mit der Zeit der Flüssigkeitsgehalt, sie trocknen aus. "Aber nicht alle sichtbaren Veränderungen machen den Verzehr zwangsläufig gesundheitsgefährdend", erklärt Professor Karsten Fehlhaber, Experte für Lebensmittelhygiene.

Die Hauptursache für den Verderb ist der Befall mit Mikroorganismen. Sie produzieren Enzyme, die unter anderem Eiweiße und Fette abbauen. Fett, zum Beispiel in der Milch, wird dann ranzig, Fleisch verändert seine Farbe. Unter den Mikroorganismen können sich auch gesundheitsgefährdende Keime befinden. Deshalb gilt: Bei sichtbarem Keimbefall das Lebensmittel auf jeden Fall gleich entsorgen – Haltbarkeitsdatum hin oder her.

So lange halten Lebensmittel

Lebensmittel verderben unterschiedlich schnell

Auch gleiche Lebensmittel verderben nie auf genau die gleiche Art und Weise. Der Prozess hängt von verschiedenen Faktoren ab: Die Lagerung im Kühlschrank etwa verzögert die Vermehrung von Keimen. Deshalb sollten Sie ein Produkt immer gemäß den Herstellerangaben aufbewahren.

Auch die Verpackung schützt vor Keimbefall. Bei geöffneten Produkten haben Mikroorganismen dagegen leichtes Spiel – die Mindesthaltbarkeitsangaben sind in diesem Fall nicht mehr gültig. Eine geöffnete Packung H-Milch muss beispielsweise innerhalb weniger Tage aufgebraucht werden, auch wenn sie laut Verpackungshinweis noch länger haltbar wäre.

Was tun bei Schimmel?

Eingeatmet können Schimmelpilze zu allergischen Reaktionen führen, zudem produzieren manche Arten giftige Stoffe, sogenannte Mykotoxine. Auch bei geringen Schimmelspuren gehören die meisten Produkte deshalb sofort in den Müll. "Die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass sich die gebildete Pilzgifte bereits in dem gesamten Produkt verbreitet haben", erklärt Fehlhaber. Das geht um so schneller, je mehr Flüssigkeit ein Nahrungsmittel enthält.

Tipps für Verbraucher: Klug haushalten

Mit klugem Verhalten können Verbraucher dafür sorgen, dass es gar nicht zum Verderb kommt. Neben der richtigen Aufbewahrung gehört dazu auch, die Vorräte regelmäßig zu prüfen: Welche laufen bald ab und müssen demnächst verbraucht werden? Diese Maßnahmen sind nicht nur aus persönlichen Gründen sinnvoll. Nach Schätzungen der Welternährungsorganisation FAO landen rund ein Drittel der weltweit produzierten Nahrungsmittel im Müll, allein in Deutschland jährlich etwa 20 Millionen Tonnen.