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Ist Milch aus Pflanzen gesund?

Konkurrenz für die Kuh: Kuhmilch wird zunehmend durch Soja-, Reis-, Kokos-, Hafer- oder Mandeldrinks ersetzt, oder sogar Getränke aus Cashew, Hanf, Macadamia oder Lupinen. Wie gesund sind die „grünen“ Alternativen?

von Aglaja Adam, 09.12.2019
Frau trinkt Milch

Übrigens: Milch darf nur heißen, was aus Eutern gemolken wird. Der Begriff ist geschützt


Vegetarische Milch-Alternativen erobern die Supermarktregale. Standen hier vor zehn Jahren fast nur Sojadrinks, ist die Auswahl heute riesig. Schon 16 Prozent der Ver- braucher haben laut Gesellschaft für Konsumforschung laktosefreie Produkte probiert, darunter auch pflanzliche. Der Verbrauch von Kuhmilch dagegen sank laut Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung 2018 in Deutschland um drei Prozent.

Pflanzliche Alternativen für Allergiker

"Pflanzendrinks sind eine Alternative für Veganer und für Menschen mit Laktoseintoleranz oder Milcheiweiß-Allergie", sagt Sonja Schäche vom Deutschen Institut für Ernährungsforschung in Potsdam. In Sachen Vitamine und Mineralstoffe können sie mit Kuhmilch aber nicht mithalten. "Wer Milch verträgt, sollte nicht völlig auf sie verzichten", rät Schäche.

Pflanzendrinks sind vegan und laktosefrei, unterscheiden sich aber in ihrer Zusammensetzung. "Der Verbraucher muss auf die Zutatenliste schauen", sagt Monika Bischoff vom Berufsverband Oecotrophologie. Oft sind Nährstoffe wie Kalzium oder Fol­säure zugesetzt, mitunter aber auch Zucker oder Verdickungsmittel.

Probleme mit Kuhmilch? Infos zu Allergien und Intoleranzen liefert der Deutsche Allergie- und Asthmabund auf www.daab.de

Composing Mandeln Mandelmilch

Mandeldrink - Wenig nahrhafte Alternative

Mandelmilch besteht aus mit Wasser aufgegossenen gemahlenen Mandeln oder Mandelmus. "Meist sind nur zwei bis zehn Prozent Mandeln enthalten", sagt Expertin Bischoff. Daher stecken kaum Vitamine und Nährstoffe darin. Der Fettgehalt entspricht in etwa dem von fettarmer (1,5 Prozent) Kuhmilch. Der Eiweißgehalt ist mit 1,4 Gramm pro Liter überschaubar.

Mandelmilch ist ­relativ teuer und kein sehr nachhaltiges Produkt: 80 Prozent der Ernte stammen aus dem trockenen Kalifornien – für den Anbau ist sehr viel Bewässerung notwendig.

Composing Kokosnüsse Kokosmilch

Kokosdrink - Exotisches aus Südostasien

Nicht zu verwechseln mit Kokosmilch in der Dose. Diese ist zum Kochen geeignet, wird aus Fruchtfleisch der Kokosnuss gepresst und enthält mindestens 10 Prozent Fett.

Kokosdrinks dagegen sind fett- und kalorienarm. Sie enthalten kaum Fruchtfleisch, dafür viel Wasser. Geschmacklich bringen sie einen Hauch Exotik auf den Tisch.

Aber: Die Zutaten haben eine lange Reise hinter sich. Hauptanbaugebiete der Kokosnuss liegen in Südostasien. Bei Nachhaltigkeit punkten die Drinks deshalb nur bedingt.

Composing Soja Sojamilch

Soja - Ein eiweißhaltiges Getränk

Sojamilch enthält fast so viel Eiweiß wie Kuhmilch. Doch Vorsicht: "Soja kann bei Birken- und Pollenallergikern Reaktionen auslösen", sagt Bischoff. Lange galt das ­Getränk wegen seiner hormonähnlichen Inhaltsstoffe als bedenklich. Das hat sich nicht bestätigt. Das Krebsfor­schungszentrum in Heidelberg hält sogar bei Brustkrebs den Verzehr in üblichen Mengen für nicht riskant.

Aber Bioqualität wählen: Stiftung Warentest hat mit Nickel oder Chlorat belastete Produkte gefunden. Soja für Drinks stammt in der Regel nicht aus Regenwaldgebieten.

Composing Reis Reismilch

Reismilch - Süße Alternative für Allergiker

"Von allen Milch-Alternativen enthält Reismilch am wenigsten Allergene", weiß Ernährungswissenschaftlerin Bischoff. Durch das Herstellungsverfahren – Reismilch besteht fast nur aus Wasser – büßt sie aber an Nähr- und Mineralstoffen ein. In ihr steckt kein Eiweiß und kaum Fett, dafür fast doppelt so viel Zucker wie in Kuhmilch.

Der Anbau von Reis verbraucht laut Greenpeace ähnlich viel Wasser wie der von Mandeln. Zudem nimmt Reis aus belasteten Böden leicht Arsen auf. Bioqualität wählen.

Composing Hafer Hafermilch

Hafer - Senkt den Cholesterinspiegel

Der Haferdrink erfreut sich zunehmender Beliebtheit. Umweltbewusste Konsumenten greifen hier gerne zu, weil Hafer bei uns wächst. Die Kuhmilch-Alternative ist vegan und laktosefrei, enthält aber viermal weniger Eiweiß.

Positiv: die wasserlöslichen Ballaststoffe, die den Cholesterinspiegel senken. "Sie sind aber nur in minimalen Mengen enthalten", sagt Bischoff. Kalorienmäßig kann der Haferdrink mit einer Kuhmilch mit 1,5 Prozent Fettanteil mithalten.

Doch der Zuckeranteil ist von Natur aus höher als in Kuhmilch, obwohl Hafermilch weniger süß schmeckt als etwa Reis- oder Mandelmilch. Vorsicht bei Zöliakie: Hafermilch mit Glutenfrei-Siegel wählen.

Die Exoten

Die Auswahl an Pflanzendrinks ist riesig. Einige der ausgefallensten:

  • Cashew: Meist sind nur maximal acht Prozent Cashewkerne enthalten. Nussiger Geschmack. Relativ teuer, weil Ernte und Verarbeitung aufwendig sind.
  • Hanf: Aus Hanfsamen der Nutzhanfpflanze hergestellt. Relativ fettreich. Vorteil: wächst in Deutschland. Mit über drei Euro pro Liter recht teuer.
  • Macadamia: Sie gilt als Königin der Nüsse. Mit rund vier Prozent wenig Nussanteil im Drink. Meist gesüßt.
  • Lupinen: Die Hülsenfrüchte wachsen regional, mausern sich zur heimischen Eiweißquelle. Mit 80 Kilokalorien pro 100 Milliliter gehaltvoll. Oft viele Zusatzstoffe, vor allem Erdnuss-Allergiker sollten vorsichtig sein.

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