{{suggest}}


Glutenverzicht – wie fange ich an?

Menschen mit Zöliakie müssen lebenslang auf Gluten verzichten. Doch wie beginnt man eine glutenfreie Ernährung? Zahlt die Krankenkasse eine Ernährungsberatung? Antworten auf häufige Fragen

von Dr. Irmela Manus, 01.04.2019
Ernährungsberatung

Eine Ernährungsberatung hilft Menschen mit Zöliakie beim Start in ein glutenfreies Leben


Gluten ist ein harmloses Getreide-Eiweiß, das in vielen Lebensmitteln steckt. Bei Menschen mit Zöliakie löst es jedoch eine teilweise schwere Dünndarmentzündung und eventuell weitere Probleme aus. Hat der Arzt die Diagnose bestätigt, gibt es nur eine Therapiemöglichkeit: lebenslang auf Gluten verzichten. So bessern sich die Symptome, Folgeschäden lassen sich vermeiden. Doch wie gelingt der Start in ein glutenfreies Leben? Wir haben Antworten auf häufige Fragen.

Glutenverzicht: Was darf ich essen?

Gluten ist in bestimmten Getreidesorten enthalten, zum Beispiel in Weizen, Roggen, Gerste, Dinkel, Emmer, Einkorn und Grünkern – und in Produkten, die mit glutenhaltigem Getreide hergestellt wurden, etwa Brot, Gebäck, Nudeln oder Bier. Alle glutenhaltigen Getreide und Lebensmittel sind tabu.

"Viele Lebensmittel sind in unverarbeiteter Form glutenfrei und können beruhigt genossen werden", erklärt Ellen Duba, Ernährungsberaterin/DGE und Leiterin des Teams Ernährung der Deutschen Zöliakie-Gesellschaft. Von Natur aus glutenfrei sind zum Beispiel alle frischen Obst- und Gemüsesorten, Kartoffeln, Hülsenfrüchte, Fleisch und Fisch in unverarbeiteter Form, naturbelassene Milchprodukte, Eier und Nüsse.

Das europaweit gültige Glutenfrei-Symbol wird vergeben von der Deutschen Zöliakie-Gesellschaft

Wichtig zu wissen: Bei der Verarbeitung, beim Transport oder der Lagerung von Produkten kann grundsätzlich Gluten hineingelangen, sei es unbeabsichtigt als Verunreinigung oder als bewusster Zusatz. Deshalb ist bei allen verarbeiteten Produkten, zum Beispiel auch Konserven, Trockenobst, Gewürzmischungen, Süßigkeiten, Soßen, abgepacktem Schinken oder Käse, grundsätzlich immer Vorsicht geboten. Unbedingt auf die Zutatenliste achten.

Sicher glutenfrei sind Produkte, die das Prüfsiegel der Deutschen Zöliakie-Gesellschaft e.V. (DZG) und eine Lizenznummer tragen (siehe Grafik). Die Deutsche Zöliakie-Gesellschaft führt das Glutenfrei-Symbol als eingetragenes Warenzeichen und vergibt es im Rahmen eines Lizenzvertrages an nationale Hersteller und Vertriebe glutenfreier Lebensmittel. Lizenziert werden ausschließlich Produkte, für die der DZG eine Glutenanalyse eines akkreditierten Labors vorgelegt wird, die nicht älter als drei Monate ist. Mittlerweile gibt es immer mehr glutenfreie Ersatz- und Spezialprodukte für Menschen mit Zöliakie – etwa glutenfreie Mehle, Brot- und Backwaren.

Wie beginne ich eine glutenfreie Ernährung?

"Überprüfen Sie zunächst alle Lebensmittel in Ihrer Küche", rät Duba. Entsorgen Sie alles, was Gluten enthält. Brauchen Sie Glutenhaltiges für nicht betroffene Familienmitglieder, können Sie die Lebensmittel zum Beispiel mit farbigen Aufklebern kennzeichnen – rot für (möglicherweise) glutenhaltig, grün für sicher glutenfrei.

Bei einer Zöliakie können schon kleinste Mengen Gluten schaden, wenige glutenhaltige Brotkrümel genügen. Um Verunreinigungen zu vermeiden, sollten Sie glutenfreie Lebensmittel in geschlossenen Behältern getrennt von glutenhaltigen Lebensmitteln aufbewahren. Platzieren Sie Glutenfreies in den oberen Schrankfächern und Glutenhaltiges darunter, nicht umgekehrt. Sonst könnten zum Beispiel glutenhaltige Brösel auf Glutenfreies herab rieseln.

Alle Arbeitsflächen und -geräte müssen sauber sein, bevor sie mit glutenfreien Lebensmitteln in Kontakt kommen. Viele Zöliakie-Betroffene verwenden separate Küchenutensilien, Spüllappen und Geschirrtücher für die glutenfreie Küche. Empfehlenswert ist auch ein eigener Toaster. Alternativ kann glutenfreies Brot in speziellen Toastertaschen getoastet werden.

Gluten steckt manchmal auch in Medikamenten. Deshalb die Packungsbeilage genau lesen und gegebenenfalls von Arzt oder Apotheker beraten lassen.

Brauche ich eine Ernährungsberatung bei Zöliakie?

"Eine Ernährungsberatung ist auf jeden Fall zu empfehlen", sagt Ernährungsexpertin Duba. Die glutenfreie Ernährung ist komplex und muss bei einer Zöliakie lebenslang eingehalten werden, auch wenn die Beschwerden verschwinden. Schon kleine Diätfehler – zum Beispiel eine einzige glutenhaltige Nudel pro Tag – können den Dünndarm weiter schädigen. "Je besser Menschen mit Zöliakie informiert sind, desto leichter gelingt es ihnen, glutenfrei zu essen".

Zahlt die Krankenkasse für die Ernährungsberatung bei Zöliakie?

Die gesetzlichen Krankenkassen sind nicht verpflichtet, die Kosten für eine Ernährungsberatung bei Zöliakie zu erstatten. Es handelt sich um eine "Kann-Leistung" und eine Einzelfallentscheidung. "Erfahrungsgemäß übernehmen die Krankenkassen meistens zirka 80 Prozent der Kosten einer Ernährungsberatung bei Zöliakie", so Duba. Wichtig: Betroffene sollten sich vorab bei ihrer Kasse erkundigen, welche Regeln für eine Bezuschussung gelten. Der Arzt muss bescheinigen, dass die Ernährungsberatung notwendig ist, eventuell wird ein Kostenvoranschlag verlangt. Privatversicherte sollten mit ihrer Kasse klären, ob die Beratung im abgeschlossenen Vertrag enthalten ist.

Wie finde ich einen geeigneten Ernährungsberater?

Die Bezeichnung "Ernährungsberater" ist in Deutschland nicht geschützt, sagt also nichts über die Qualität der Beratung aus. Auf eine fundierte Ausbildung weist ein Abschluss als Diätassistent, Ernährungswissenschaftler oder Oecotrophologe hin. Auch Ärzte können sich in Ernährungsmedizin fortbilden. Betroffene sollten vorab bei der Krankenkasse genau nachfragen, welche Zertifizierung der Ernährungsberater vorweisen muss. Eventuell empfiehlt die Kasse oder der Arzt einen qualifizierten Ernährungsberater. Die Deutsche Zöliakie-Gesellschaft (DZG) listet Adressen von Ernährungsfachkräften, die sich im Bereich Zöliakie auskennen. Adressen gibt es auch bei der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE), dem Verband der Diätassistenten – Deutscher Bundesverband (VDD), dem BerufsVerband Oecotrophologie (VDOE), dem Verband für Ernährung und Diätetik (VFED) oder der Deutschen Gesellschaft der qualifizierten Ernährungstherapeuten und Ernährungsberater (QUETHEB). Ein seriöser Ernährungsberater bewirbt keine Produkte oder Hersteller, sondern berät neutral.

Wie läuft die Ernährungsberatung ab?

Geplant sind meistens mehrere Termine. Dabei kommen medizinische Grundlagen zur Sprache, aber auch ganz praktische Fragen: Wo kaufe ich glutenfreie Lebensmittel ein? Wie lese ich die Zutatenliste richtig? Wie koche und backe ich glutenfrei? "Eine Ernährungsberatung wird sich immer auch an den individuellen Bedürfnissen ausrichten", erläutert Duba. Tipps für Restaurantbesuche, Reisen oder Essenseinladungen sind ebenfalls ein Thema. "Das soziale Leben darf in einem glutenfreien Leben natürlich nicht zu kurz kommen".

Wo bekomme ich weitere Informationen und Unterstützung?

Die Deutsche Zöliakie-Gesellschaft, eine Selbsthilfevereinigung, bietet umfangreiche Informationen zur Glutenunverträglichkeit an und vermittelt zum Beispiel auch Kontakt zu regionalen Gesprächsgruppen. "Gerade am Anfang ist der Austausch mit anderen Betroffenen oft sehr hilfreich", sagt Duba. Die Webseite liefert unter anderem eine Übersicht zur Auswahl glutenfreier Lebensmittel und glutenfreie Rezepte. Leicht verständliche Informationen und viele Tipps gibt es zum Beispiel auch auf der Seite zoeliakie-verstehen.de des Klinikums der Universität München, Dr. von Haunersches Kinderspital.

Quellen:

Leitlinie "Zöliakie, Weizenallergie und Weizensensitivität" der Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS), Stand 30.04.2014

Informationen der Deutschen Zöliakie-Gesellschaft e.V.: www.dzg-online.de (abgerufen im Februar 2019)

Klinikum der Universität München, Dr. von Haunersches Kinderspital: www.zoeliakie-verstehen.de (abgerufen im Februar 2019)

Informationen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung e.V.: www.dge.de (abgerufen im Februar 2019)

BerufsVerband Oecotrophologie e.V. (VDOE): www.vdoe.de (abgerufen im Februar 2019)

Bundeszentrum für Ernährung (BZfE): https://www.bzfe.de (abgerufen im Februar 2019)