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Ebola- und Marburg-Fieber

Bei Ebola- und Marburg-Fieber kommt es zu Fieber und Blutungen. Die Erkrankungen werden durch Viren ausgelöst und sind lebensgefährlich

von apotheken-umschau.de, aktualisiert am 02.01.2019
Elektronenmikroskopische Aufnahme von Ebola Virus

Das Ebola-Virus, Erreger des Ebola-Fiebers


Was ist das Ebola- und Marburg-Fieber?

Das Ebola- und das Marburg-Fieber zählen zu den sogenannten hämorrhagischen Fieber-Erkrankungen und werden durch Viren ausgelöst. Sowohl das Ebola-Virus als auch das Marburg-Virus gehören zur Gruppe der Filoviren.

Die Erkrankungen treten vergleichsweise selten auf, haben aber häufig einen dramatischen Verlauf. Die Erreger gehören zu den gefährlichsten bekannten Krankheitserregern überhaupt. Während vom Marburg-Virus bisher nur ein Typ bekannt ist, der bei allen Ausbrüchen gefunden wurde, ließen sich im Laufe der Jahre mehrere Subtypen des Ebola-Virus als Erreger von Infektionen beim Menschen nachweisen (Zaire-, Sudan-, Bundibugyo- und Tai-Forest-Subtyp). Auch ein für den Menschen nicht gefährlicher Subtyp, der Reston-Subtyp, fand sich bei Affen und Schweinen. Über den erst kürzlich in Fledermäusen entdeckten Bombali-Subtyp ist noch nicht bekannt, ob er Infektionen bei Tieren oder Menschen hervorrufen kann.

Hintergrundinfo - Geschichtliches zu den Viren

Ebola-Virus

Ebola wurde erstmals im Jahr 1976 im Sudan und der Demokratischen Republik Kongo, dem damaligen Zaire, nachgewiesen. Die Namensgebung erfolgte nach dem Fluss Ebola, der sich nahe dem Zentrum der damaligen Epidemie durch die Demokratische Republik Kongo zieht.

Marburg-Virus

Im Jahr 1967 haben sich zeitgleich mehrere Labormitarbeiter in Marburg (Hessen), Frankfurt und Belgrad (Serbien) an aus Uganda importierten Affen mit dem Virus infiziert. Später wurde der Erkrankungsort mit den meisten Infizierten zum Namensgeber des Virus.

Unser Planet Erde

Vorkommen: In welchen Regionen kommen Ebola- und Marburg-Viren vor?

Seit Bekanntwerden der Viren traten immer wieder Einzelfälle und kleine Epidemien von Ebola- und Marburg-Fieber auf, praktisch ausschließlich in afrikanischen Ländern südlich der Sahara. Besonders betroffen sind die Regionen Demokratische Republik Kongo (vormals Zaire), Republik Konge, Südsudan, Gabun und Uganda.

Zum bisher größten Ausbruch kam es in den Jahren 2014 / 2015 in mehreren Ländern Westafrikas.

Seit Ende Juli 2018 wütet im Nordosten der Demokratischen Republik Kongo ein erneuter Ebolafieber-Ausbruch, welcher bereits mehr als 550 Menschen betrifft. Etwa die Hälfte der Betroffenen sind nach Angaben des kongolesischen Gesundheits­ministeriums bislang gestorben. Damit zählt der Ausbruch zu einem der schwersten Ebola-Ausbrüche in der Geschichte (Stand 31. Dezember 2018).

 

Fledermäuse

Infektionsweg: Wie kann man sich mit dem Virus anstecken?

Nach Expertenmeinung sind verschiedene Fledertiere (Fledermaus, Flughunde) das natürliche Reservoir des Erregers. Dabei kann das Virus bei Kontakt mit den Tieren oder deren Körperflüssigkeiten übertragen werden. Infizieren sich Affen, können Menschen nach Kontakt mit diesen Tieren, auch deren Kadavern, erkranken. Auch der Verzehr von infizierten Wildtieren ("bush meat") kann zu einer Infektion führen. Bei infizierten Menschen wird das Virus durch Körperflüssigkeiten wie Blut, Urin oder Speichel auf andere Menschen übertragen. Da eine Ansteckung über Speicheltröpfchen in der Luft zwar möglich, aber extrem selten ist, erkranken vorwiegend engere Kontaktpersonen und Pflegende. Auch eine Übertragung über Spermien ist möglich.

Außerhalb des Körpers überdauern die Viren nicht lange. Ebolaviren können aber auf Gegenständen bis zu einigen Tagen ansteckend bleiben.

Eine erkrankte Person ist wenigstens solange ansteckend, so lange Symptome und eine Virämie (Viren im Blut) bestehen. Die Ansteckungsgefahr korreliert mit der Anzahl der vorhanden Viren (Viruslast) und somit der Schwere der Symptome. Daher ist sie gegen Krankheitsende am größten. In Ausbruchsregionen fand sich häufig eine Übertragung des Ebola-Virus zum Beispiel durch Beerdigungsrituale.

Symptome: Welche Beschwerden treten auf?

Die Viren können viele Zellarten infizieren und zerstören, darunter Blut-, Leber- und Hautzellen. Insbesondere Zellen des Immunsystems sind durch die Erkrankung betroffen, weshalb sich das Virus im Körper stark und schnell ausbreiten kann.

Charakteristische Symptome von Ebola- und dem Marburg-Fieber sind vor allem Fieber und Blutungen (hämorrhagisches Fieber). Zu den Blutungen kommt es aufgrund einer  schweren Störung der Blutgerinnung, was zu Blutungen in Haut und Schleimhäuten führt. So sind besonders die Augen, der Mund, der Magen-Darm-Trakt und darüber hinaus auch innere Organe betroffen. Blutstuhl, Blut im Urin, Nasenbluten und blutiges Erbrechen werden beobachtet. Bei schweren Verläufen sind neurologische Symptome mit Lähmungserscheinungen möglich. Die schwere Gerinnugsstörung bedingt einen sogenannten hämorrhagischen Schock und führt schließlich zu Organ- und Kreislaufversagen und dadurch zum Tod.

Bei aktuellen Ebola-Epidemien stehen aber mehr der Durchfall (Diarrhoe) und das Erbrechen im Vordergrund, wodurch es zu einem starken Flüssigkeits- und Elektrolyt-Verlust (Blutsalze) kommt, was zu einem sogenannten hypovolämischen Schock führen kann.

Ebola-Fieber

Die Inkubationszeit (Zeit zwischen Infektion und Auftreten von ersten Symptomen) beträgt zwei bis 21 Tage.

Das Ebola-Fieber verläuft in mehreren Phasen:

  • Unspezifische Allgemeinsymptome wie Müdigkeit, Fieber, Kopf- und Muskelschmerzen (frühe febrile Phase).
  • Drei bis zehn Tage nach Erkrankungsbeginn kommen Übelkeit, Erbrechen, Durchfall und Oberbauchschmerzen hinzu (gastrointestinale Phase). Manche Patienten entwickeln zusätzlich eine Bindehautentzündung (Konjunktivitis), eine Rachenentzündung (Pharyngitis), einen Hautausschlag (makulo-papulöses Exanthem) und ein Delirium (Bewusstseinseintrübung mit Verwirrtheitszustand bis hin zu Wahnvorstellungen).
    Im weitern Verlauf kann es zu ausgeprägten Blutungen vor allem des Darms und der Lunge, sowie zu Zahnfleischblutungen kommen. Im Anschluss an die gastrointestinale Phase kommt es entweder zu einer Besserung der Symptome oder einer akuten Verschlechterung.
  • Besserung oder Verschlechterung des Zustandes. Bei einer Besserung verschwinden die Durchfälle, Bauchschmerzen und das Erbrechen. Bei einer Verschlechterung entwickelt sich ein Schock mit eingeschränktem Bewusstsein, Koma, schwachem Puls und verminderter oder keiner Urinausscheidung (Oligurie, Anurie). Dieser schwere Schock kann zu einem Organversagen und Tod führen.
  • Ab dem zehnten Tag können sogenannte späte Komplikationen in Form von Magen-Darm-Blutungen (gastrointestinale Blutung) oder Hirnhautentzündungen auftreten.

Marburger Fieber

Nach einer Inkubationszeit von fünf bis zehn Tagen kommt es rasch und plötzlich zu Fieber, Schüttelfrost, Kopf- und Muskelschmerzen. Meist fünf Tage nach Symptombeginn tritt ein stammbetonter (Rücken, Bauch, Brust) Hautausschlag auf. Es kann zu Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Schmerzen in der Brust und im Bauch kommen. Eine rasche Zustandsverschlechterung ist möglich, begleitend kann es zu einer Gelbsucht, Bauchspeicheldrüsenentzündung, Gewichtsverlust, Schock, Leberversagen und massiven Blutungen kommen. Die Folge ist ein Multiorganversagen.

Diagnose: Wie werden Ebola- und Marburg-Virus festgestellt?

Um Ebola- und das Marburg-Fieber nachzuweisen, wird das Blut des Erkrankten in speziellen Sicherheitslabors der höchsten Sicherheitsstufe untersucht. Da das Probenmaterial äußerst ansteckend ist, gelten strengste Sicherheitsregeln im Umgang mit den Blut-, Urin- oder Speichelproben von Erkrankten. Die Diagnose gelingt, sobald sich die Viren oder spezifische Antikörper im Probenmaterial nachweisen lassen. Zum direkten Nachweis von Ebola- und Marburg-Viren stehen spezielle Labor-Techniken wie Zellkultur oder PCR zur Verfügung.

Schutzkleidung

Therapie: Wie wird eine Erkrankung behandelt?

Eine spezifische Behandlung von Ebola oder Marburg-Fieber ist bislang nicht verfügbar.

Die Betroffenen werden unter strengen Sicherheitsvorkehrungen in speziellen Isolierstationen behandelt, um eine Ausbreitung der Viren zu verhindern. Durch Schutzmaßnahmen wie Handschuhe, Kittel, Gesichts- und Mundschutz lassen sich Übertragungen gut vermeiden.

Ärzte können lediglich die Symptome behandeln, zum Beispiel durch Flüssigkeitsgabe als Infusion, dem Ersetzen von Blutsalzen (Elektrolyte) und die Regulierung des Zuckerhaushaltes (Glukose). Ebenfalls kommen Medikamente zum Einsatz, um den Blutdruck zu stabilisieren, Schmerzen und Fieber zu senken oder den Durchfall und das Erbrechen zu stoppen. Antibiotika werden bei Bedarf zum Schutz vor zusätzlichen bakteriellen Infektionen angewandt. Bei starken Blutungen können Blutkonserven und Gerinnungsfaktoren zum Einsatz kommen. Die Patienten bedürfen häufig einer intensivmedizinischen Therapie.

Angesichts des großen Ausbruchs in Westafrika sprachen sich Experten für den Einsatz kaum getesteter Medikamente aus. Deren Wirksamkeit ist jedoch noch nicht erwiesen, mögliche Vor- und Nachteile müssen abgewogen werden.

Prognose: Wie verlaufen die Erkrankungen?

Beide Erkrankungen führen häufig zum Tod. Während für Infektionen mit dem Marburg-Virus Todesraten bis zu 90 Prozent angenommen werden, schwanken diese bei Ebola in Abhängigkeit vom Subtyp zwischen 30 und 90 Prozent. Aufgrund der eher geringen Fallzahlen sind genaue Aussagen schwer zu treffen.

Bei Überlebenden des Ebolafiebers konnten Antikörper gegen das Virus nachgewiesen werden, welche bis zu zehn Jahre nach der Infektion noch vorhanden sind. Ob dies ein lebenslanger Schutz ist und auch vor allen anderen Subtypen des Ebola-Virus schützt ist noch nicht zu sagen. Einige Studien zeigten, dass das Virus bei geheilten Personen (keine Viruslast im Blut mehr nachweisbar) dennoch in anderen Körperflüssigkeiten wie Sperma, Hirnwasser, Augenkammerwasser oder Fruchtwasser nachweisbar war. Ob hiervon eine Infektionsgefahr ausgeht ist aber aktuell unklar.

Vorbeugen: Wie kann man sich vor Ebola- und Marburg-Fieber schützen?

Personen, die Kontakt zu Erkrankten hatten, sollten genau auf erste Anzeichen einer Ebola-Infektion oder eines Marburg-Fiebers kontrolliert werden. Dazu gehört, regelmäßig die Körpertemperatur zu messen. Der Arzt muss Ebola- und Marburg-Virus-Erkrankungen dem Gesundheitsamt melden, ebenso den Krankheitsverdacht oder Todesfälle.

Bislang ließen sich regionale Krankheitsfälle immer wieder relativ rasch eindämmen. Der große Ausbruch in Westafrika bedeute allerdings eine große Herausforderung für Helfer und die betroffenen Länder. Afrika-Reisende sollten sich vorab umfassend zu möglichen Krankheiten informieren und vor allem etwaige Reisewarnungen des Auswärtigen Amtes ernst nehmen. Eine wirksame Impfung steht bislang nicht zur Verfügung. An einem Impfstoff wird aber gearbeitet, welcher bisher an internationalen Hilfsgruppen in Krisengebieten eingesetzt wird.

Dr. med. Markus Frühwein

Beratender Experte:

Unser Autor Dr. med. Markus Frühwein, hat eine eigene Praxis in München und ist Vorstand der Bayerischen Gesellschaft für Immun-, Tropenmedizin und Impfwesen e.V.

Quellen:

  • Robert Koch Institut, Rahmenkonzept Ebolavirus; https://www.rki.de/DE/Content/InfAZ/E/Ebola/Rahmenkonzept_Ebola.pdf?__blob=publicationFile (abgerufen am 27. November 2018)
  • Robert Koch Institut, Ebolafieber; https://www.rki.de/DE/Content/InfAZ/E/Ebola/Ebola_node.html (abgerufen am 27. November 2018)
  • Robert Koch Institut, Infografik bei Verdacht auf Ebolafieber; https://www.rki.de/DE/Content/InfAZ/E/Ebola/Massnahmen_Verdachtsfall_Infografik_Tab.html (abgerufen am 27. November 2018)
  • Robert Koch Institut, Informationen zum Ebolafieber-Ausbruch in der Demokratischen Republik Kongo in der Provinz Équateur im Frühsommer 2018; https://www.rki.de/DE/Content/InfAZ/E/Ebola/Infos_zu_Ebola_im_Kongo_05-2018.html (abgerufen am 27. November 2018)
  • Centers for Disease Control and Prevention (CDC), Marburg hemorrhagic fever (Marburg HF); https://www.cdc.gov/vhf/marburg/transmission/index.html (abgerufen am 27. November 2018)
  • Robert Koch Institut, Aktuelle Informationen zum Ebolafieber-Ausbruch in der Demokratischen Republik Kongo, Provinzen Nord-Kivu und Ituri; https://www.rki.de/DE/Content/InfAZ/E/Ebola/Infos_zu_Ebola_im_Kongo_Mangina_08-2018.html (abgerufen am 02. Januar 2019)
  • World Health Organization (WHO), Ebola virus disease – Democratic Republic of the Congo ; http://www.who.int/csr/don/22-november-2018-ebola-drc/en/ (abgerufen am 28. November 2018)
  • Gesundheitsministerium der Demokratischen Republik Kongo (DRC), Twitter-Account unter anderem zu aktuellen Fallzahlen; https://twitter.com/minsanterdc?s=11 (abgerufen am 02. Januar 2019)
  • Deutsches Ärtzeblatt, Hilfsdienst warnt vor Ebola-Epidemie in Uganda; https://www.aerzteblatt.de/treffer?mode=s&wo=17&typ=1&nid=99114&s=ebola (abgerufen am 28. November 2018)
  • Centers for Disease Control and Prevention (CDC), Ebola (Ebola Virus Disease); https://www.cdc.gov/vhf/ebola/ (abgerufen am 28. November 2018)

 

Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder –behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.