Duftstoffallergie

Duftstoffe sind aus unserem Alltag nicht mehr wegzudenken. Manche empfinden wir als angenehm, andere als störend. Problematisch werden Düfte bei einer Duftstoff-Allergie

von Dr. Alexandra Kirsten, aktualisiert am 28.10.2013
Pafümflakons

Duftstoffe: Manche Menschen reagieren allergisch auf bestimmte Substanzen


Duftstoffe haben viele Funktionen: Tiere kommunizieren über Düfte, Pflanzen locken damit Insekten an oder schrecken Fressfeinde ab. Wir Menschen nutzen Düfte in Parfüms – aber auch in Kosmetika, Reinigungsmitteln, Weichspülern, Raumdüften und vielem mehr. Etwa 3000 verschiedene Duftstoffe sind bekannt. Sie stammen entweder aus natürlichen Quellen wie Pflanzenteilen oder Tiersekreten. Oder sie werden künstlich im Chemielabor hergestellt.

Zum Problem werden Düfte für Menschen, die allergisch auf einen oder mehrere Stoffe reagieren. "In Deutschland sind ein bis zwei Prozent der Bevölkerung, also über eine Million Menschen betroffen", weiß Abdullah Sahan, ärztlicher Leiter des Medizinischen Versorgungszentrums der Evangelischen Lungenklinik Berlin.

Duftstoffe und Gesundheit

Über die genauen Wirkungen von Duftstoffen auf Umwelt und Gesundheit weiß man bis heute wenig. Bekannt ist allerdings, dass Duftstoffe bei manchen Menschen Allergien oder andere Unverträglichkeiten auslösen können. Meistens handelt es sich dabei um eine sogenannte Kontaktallergie des Typ IV, ähnlich wie bei einer Allergie auf Nickel im Schmuck.

Häufiges Symptom: Juckreiz auf der Haut

Allergien des Typ IV werden auch als verzögerter Typ oder als Spättyp bezeichnet. Nach einem oder mehreren Kontakten mit dem Allergieauslöser (dem Allergen) kommt es zur sogenannten Sensibilisierung. Der Körper stuft einen eigentlich harmlosen Stoff als bedrohlich ein – und mobilisiert sein Immunsystem.

Allergie-Symptome treten bei einer Allergie Typ IV typischerweise mit einer gewissen Zeitverzögerung auf – zum Beispiel erst einige Stunden bis Tage, nachdem man in Berühung mit dem Allergieauslöser kam.

Bei der Duftstoffallergie findet der Kontakt mit dem Allergen über die Haut statt – beispielsweise dann, wenn ein Parfüm aufgetragen wird. "An der Kontaktstelle kommt es zu Juckreiz, Rötung und Schwellung", sagt Sahan, "oft allerdings erst zwei bis drei Tage später". Das macht es für Patienten schwierig, Symptome einem ganz bestimmten Stoff zuzuordnen, erklärt der Allergie-Experte. Hält der Kontakt länger an, kann es zur Schuppung und zur chronischen Hautentzündung – einem allergischen Ekzem – kommen.

Manche Patienten leiden auch an Kopfschmerzen, Übelkeit, Kreislaufproblemen und an Luftnot bis hin zu Asthmaanfällen. Meist bleibt die Überreaktion allerdings auf jene Stelle begrenzt, die mit dem Auslöser in Kontakt stand. War das Allergen zum Beispiel in Waschmitteln oder Weichspülern für Kleidung enthalten, kann die Haut allerdings großflächig betroffen sein.

Abdullah Sahan, Facharzt für Innere Medizin, Pneumologie, Allergologie

Allergene in der Luft

Immer mehr Duftstoffe finden sich auch in der Luft: beispielsweise als Raumerfrischer in Kaufhäusern, in öffentlichen Toiletten aber auch im privaten Haushalt. Diese Duftmoleküle berühren nicht nur die Haut, sondern beim Einatmen auch die Schleimhäute der Atemwege.

So können unter Umständen Atemwegssymptome entstehen – nicht nur durch künstlich erzeugte Duftstoffe, sondern ebenso durch natürliche Düfte. "Raumdüfte wie die synthetisch hergestellten Raumsprays aber auch natürlich wirkende Räucherstäbchen können Beschwerden hervorrufen", sagt Sahan. Dies kann über Unwohlsein bei den oft sensibel reagierenden Allergikern bis hin zu Berichten über Atemprobleme bei Asthmatikern reichen.

Wie wird eine Duftstoffallergie festgestellt?

Eine Überempfindlichkeit kann der Hautarzt durch einen Allergietest diagnostizieren. Bei dem sogenannten Epikutantest oder Pflastertest wird die Reaktion auf die wichtigsten Duftstoffmischungen untersucht.

Zu den am häufigsten verwendeten Stoffen gehören: Geraniol, ein Bestandteil des Cirtonell-Öls und Rosen-Öls, Eugenol, enthalten in Gewürznelkenöl und Zimtblätteröl, sowie Citronellal und Eichenmoos. Diese Mischungen können auf ihre Einzelbestandteile weiter aufgeschlüsselt und geprüft werden. "Allerdings lässt sich nicht in allen Fällen lässt der ‚Übeltäter’ feststellen", erzählt Sahan aus seiner Erfahrung.

Therapie: Wie wird behandelt?

Die akuten Hauterscheinungen und Ekzeme der Kontaktallergie kann der Hautarzt äußerlich mit entzündungshemmenden Cremes, meist auf Kortisonbasis, behandeln.

Ist der Allergietest für einen oder mehrere Stoffe auffällig, bekommt der Patient einen Allergiepass. Hier sind die Allergene und deren Vorkommen notiert.

"Eine ursächliche Therapie gibt es leider nicht", sagt Sahan. Eine Sensibilisierung bleibt in der Regel lebenslang bestehen. Der einzige Weg um Beschwerden zu verhindern, führt über das Meiden des Allergens.

Duftstoffe vermeiden – oft nicht leicht

Das Vermeiden des Stoffes klingt einfach, ist aber in der Praxis oft schwer durchzuführen. In Deutschland herrscht zwar Deklarationspflicht für Kosmetika, aber meist finden sich auf der Verpackung nur Sammelbezeichnungen wie "Parfum", "Fragrance" oder "Aroma". Die Inhaltsstoffe vieler Produkte, wie zum Beispiel Raumdüfte, müssen die Hersteller überhaupt nicht aufführen, falls die Inhaltsstoffe nicht unter die Gefahrstoffverordnung fallen.

Duftstoff-Allergiker und Menschen mit sensibler und problematischer Haut sollten daher auf duftstofffreie Kosmetika, Wasch- und Reinigungsmittel sowie Weichspüler zurückgreifen. Duftlampen, Räucherstäbchen und ähnliches meiden die Patienten am besten ganz. Duftstofffreie Artikel tragen oft ein Siegel des Deutschen Allergie- und Asthmabundes und finden sich in Drogerien und Apotheken.

Allergie-Symptome untersuchen lassen

"Da die Vermeidung nicht immer gelingt, kann man die Kosmetika an der eigenen Haut zum Beispiel am Handgelenk auftragen und nach zwei Tagen die Reaktion beobachten", rät der Facharzt für Innere Medizin. Wer Allergie-Symptome feststellt, sollte sich vom Fachmann untersuchen lassen. "Das weitere Vorgehen sollte man unbedingt mit einem allergologisch tätigen Spezialisten zusammen ausarbeiten."

Wichtig zu wissen: Duftstoffallergiker bertragen oft auch andere, chemisch ähnliche Substanzen nicht gut. Besondere Vorsicht ist geboten bei Gewürzen wie Zimt, Vanille, Piment und Muskatnuss sowie Fruchtsäuren und Bestandteilen gewisser Pflanzen wie Kampfer, Gartennelken, Hyazinthen, Veilchen und Tannen. Der behandelnde Hautarzt kann hierzu weitere Informationen geben.

Quellen:

1. Umweltbundesamt. Kapitel Umwelteinflüsse auf den Menschen http://www.umweltbundesamt.de/themen/gesundheit/umwelteinfluesse/chemische-stoffe/duftstoffe (Abgerufen am 04.10.2013)

2. Ratgeber: Duftstoffe in Wasch- und Reinigungsmitteln, Januar 2007, Umweltbundesamt. (Abgerufen am 04.10.2013), erhältlich unter: http://www.umweltbundesamt.de/publikationen/ratgeber-duftstoffe-in-wasch-reinigungsmitteln

3. Deutscher Allergie- und Asthmabund e.V http://www.daab.de/haut/allergie-auf-duftstoffe/ (Abgerufen am 05.10.2013)

4. Bundesinstitut für Risikobewertung: Allergien – Daten, Fakten, medizinische Hintergründe, Ursula Gundert-Remy, Berlin, 20.03.2007, OEGD-Allergie

5. Trautmann A, Allergiediagnose – Allergietherapie, 1. Auflage, Georg Thieme Verlag, Stuttgart, 2006

Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder –behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.