Szintigrafie zeigt Aktivität von Geweben

Die Szintigrafie basiert auf der Gabe einer radioaktiv markierten Substanz, einem „Radiopharmakon“. Dessen Verteilung im Zielorgan macht eine Kamera sichtbar

von Dr. med. Dagmar Bischoff und Dr. med. Roland Mühlbauer, aktualisiert am 04.05.2015

Gammakamera zur Aufnahme von Szintigrafien


Radiologische Verfahren wie Röntgen und Computertomografie bestrahlen den Körper von außen und machen per Durchleuchtung beispielsweise Dichteunterschiede sichtbar. So erfahren Mediziner etwas über den Aufbau des Körpers. Wollen die Ärzte aber etwas über die Funktion von Organen erfahren oder wo beispielsweise entzündliche Prozesse ablaufen, greifen sie gerne auf szintigrafische Untersuchungen zurück. Mehr als 50.000 Szintigrafien erfolgen in Deutschland jede Woche.

Wie funktioniert eine Szintigrafie?

Die Szintigrafie gehört zu den nuklearmedizinischen Untersuchungsverfahren. Das bedeutet, dass eine radioaktive Substanz in den Körper gelangt, durch deren Strahlung die Ärzte Informationen über den Zustand der Organe sammeln können.

Das Grundprinzip der Szintigrafie ist einfach: Eine kleine Menge einer radioaktiven Substanz, die Gammastrahlen aussendet und eine kurze Halbwertszeit hat, wird – meist als Spritze in eine Vene – in den menschlichen Körper eingebracht. Dieses Radiopharmakon reichert sich je nach Beschaffenheit in bestimmten Organen an. Mit einer sogenannten Gammakamera kann man die Gammastrahlung nicht nur aufzeichnen, sondern auch die Verteilung der Strahlen und damit die Stoffwechselvorgänge als sogenanntes Szintigramm darstellen. Je nach untersuchtem Organ erfolgt die Aufzeichnung sofort oder erst nach mehreren Stunden. Die Methode eignet sich zum einen für das Auffinden von krankhaften Veränderungen. Im Rahmen dieser "Lokalisationsdiagnostik" kann ein Arzt beispielsweise durch die Jodszintigrafie Metastasen bei einer Schilddrüsenkrebserkrankung aufspüren. Zum anderen lassen sich auch Informationen über Organfunktionen gewinnen – zum Beispiel in der Nierenfunktionsszintigrafie. Hier wird der zeitliche Ablauf von Aufnahme und Ausscheidung einer strahlenden Substanz aufgezeichnet.

Beispiele für Befunde von Szintigrafien

Strahlendosis ähnlich wie bei Röntgenuntersuchungen

Wenn von radioaktiv markierten Substanzen die Rede ist, hört sich das zunächst einmal furchterregend an. Doch das täuscht – die Strahlendosis der Patienten ist vergleichbar mit derjenigen von entsprechenden Röntgenuntersuchungen. Dies liegt insbesondere an der Art der verwendeten radioaktiven Substanzen, sogenannten Gammastrahlern mit einer kurzen Halbwertszeit. Da die Substanzen außerdem vom Körper auch noch ausgeschieden werden, sinkt die Strahlendosis zusätzlich. So ist beispielsweise die Strahlendosis bei einer Schilddrüsenszintigrafie ähnlich hoch wie bei einer Röntgenaufnahme der Lunge, und bei einem Knochenszintigramm wie bei einer Computertomografie.

Generell gilt – wie auch für radiologische Untersuchungen – , dass die Untersuchung eine medizinische Frage beantworten muss, also zum Nutzen der Patienten angewendet wird. Um dies sicherzustellen, muss in Deutschland vor einer radiologischen oder nuklearmedizinischen Untersuchung eine sogenannte "rechtfertigende Indikation" durch einen Facharzt gestellt werden.

Wann wird eine Szintigrafie eingesetzt?

Am häufigsten setzen Ärzte die Szintigrafie zur Untersuchung der Schilddrüse, der Knochen, des Herzens, der Nieren und der Lunge ein – hier sind bespielhaft einige der häufigsten Fragestellungen dargestellt:

- Schilddrüse

Mit der Schilddrüsenszintigrafie lassen sich Schilddrüsenbereiche mit normalem, vermindertem und erhöhtem Stoffwechsel unterscheiden. Dadurch gelingt die Unterscheidung zwischen den hormonproduzierenden "heißen" und den stoffwechselinaktiven, nicht hormonproduzierenden "kalten Knoten". Das hilft bei der Unterscheidung zwischen gutartigen Tumoren und Schilddrüsenkrebs. Auch bei einer Überfunktion der Schilddrüse hilft die Schilddrüsenszintigrafie bei der Ursachenklärung.

- Knochen

In der Krebsdiagnostik kommt die Szintigrafie vor allem zum Auffinden von Tumoren und Knochenmetastasen zum Einsatz. Die Skelettszintigrafie macht Tumoren oder Metastasen in den Knochen oft früher sichtbar als ein Röntgenbild. Außerdem kann eine Skelettszintigrafie die Lockerung einer Knie- oder Hüftgelenksprothese nachweisen und die Aktivität einer rheumatischen Erkrankung darstellen. Sie wird außerdem zur Therapieplanung vor einer Radiosynoviorthese, das heißt der Behandlung von entzündlich veränderten Gelenken mit einer radioaktiven Substanz, durchgeführt.

- Herz

Am Herzen macht die Myokardszintigrafie die Durchblutung des Herzmuskels sichtbar. Dies kann bei Verengungen der Herzkranzgefäße sowohl vor einer Behandlung weiterhelfen, um die Auswirkungen einer Verengung auf die Durchblutung zu klären, wie auch zur Therapiekontrolle nach einer Behandlung.

- Niere

Mit der Nierenszintigrafie können Ärzte die Funktion der beiden Nieren seitengetrennt untersuchen. Es lassen sich auch vernarbte, nicht mehr funktionstüchtige Bereiche sowie eine Nierenarterienstenose diagnostizieren. Außerdem können die Abflussverhältnisse aus der Niere beurteilt werden.

- Lunge

Die Lungenperfusionsszintigrafie deckt Durchblutungsstörungen der Lunge auf, während die Lungenventilationsszintigrafie die Lungenbelüftung darstellt. Die Lungenperfusionsszintigrafie ist hilfreich, um vor Teilentfernungen der Lunge die Funktionstüchtigkeit des verbleibenden Lungengewebes einzuschätzen. Mit der Kombination beider Untersuchungen lässt sich eine Lungenembolie diagnostizieren oder ausschließen.

Beratender Experte: Prof. Dr. med. Dr. rer. medic. Lutz Freudenberg vom Zentrum für Radiologie und Nuklearmedizin in Grevenbroich

Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder –behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.