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IGeL: Diabetes-Screening mit HbA1c-Test

Zuckerkrankheit früh entdecken: Bei Gesunden zahlt die Kasse den HbA1c-Test nicht. Lohnt sich die Investition zur Diabetes-Früherkennung trotzdem? Wir machen den Check

von Julia Rudorf, 12.03.2020
Infografik IGeL Diabetes Früherkennung

Auskunft über den Blutzucker der letzten Wochen: Für die Diagnose Diabetes reicht der HbA1-Test allein nicht immer aus, eventuell sind Folgeuntersuchungen nötig. Diabetikern kann der Test aber helfen, ihre Therapie richtig einzustellen


Was wird da gemacht?

HbA1c klingt kompliziert. Gemeint ist damit roter Blutfarbstoff, der sich durch Blutzucker verändert. Zuckermoleküle hängen sich dabei an das sogenannte Hämoglobin. Der HbA1c-Wert gibt an, wie viel Prozent des Blutfarbstoffs "verzuckert" sind. Bei Gesunden sind das  etwa fünf Prozent, ab 6,5 Prozent spricht man von Diabetes.

Der HbA1c-Wert kann Auskunft über den durchschnittlichen Blutzucker der vergangenen acht bis zwölf Wochen geben. "Für Patienten, die bereits die Diagnose Diabetes haben, ist der Wert für die Behandlung sehr wichtig", sagt Dr. Hans-Martin Reuter von der Deutschen Diabetes Gesellschaft

Die Angabe kann helfen, die Therapie besser zu kontrollieren. Dann bezahlt die Krankenkasse den Test. Ohne medizinischen Anlass wird Patienten die Laboranalyse in Rechnung gestellt.

Pro

  • Der Test ist einfach. Dem Patienten wird dafür Blut abgenommen. Er muss nicht einmal nüchtern in die Arztpraxis kommen.
  • Laut aktueller Studienlage kann der Test Diabetes genauso zuverlässig erkennen wie der sonst übliche Nüchternblutzuckertest.
  • Das Ergebnis gibt Auskunft über den Langzeitzucker – also ob der Blutzucker in den letzten Wochen im Durchschnitt hoch oder niedrig war. Bei Diabetikern verrät er außerdem, ob ihre Therapie gut eingestellt ist.
  • Bei Patienten mit gesteigertem Diabetes-Risiko, bei denen bereits ein erhöhter Blutzuckerwert gemessen wurde, wird der behandelnde Arzt unter Umständen zusätzlich einen HbA1c-Test anordnen. In diesen Fällen erstattet die Krankenkasse die Kosten.

Contra

  • Der HbA1c ist nur ein Mittelwert. "Hinter einem eigentlich guten Wert können sich auch starke Schwankungen verbergen", sagt Diabetologe Reuter.
  • Je nach Methode kann die Genauigkeit der HbA1c-Messung auch variieren.
  • Ist der Wert nur leicht erhöht, reicht der Test alleine nicht für eine Diagnose. In der Regel wird dann zusätzlich ein Zuckerbelastungstest gemacht, um den Diabetes sicher zu diagnostizieren.
  • In Deutschland gibt es bislang keine Leitlinie, in der Experten ausschließlich den HbA1c-Test zur Früherkennung empfehlen.

Kosten

Nach der ärztlichen Gebührenordnung kostet der Test samt Blutentnahme zwischen 12 und 16 Euro. Teurer kann es werden, wenn die Laboranalyse als Teil einer Diabetes-Vorsorge im Paket angeboten wird. Manche Krankenkassen übernehmen im Rahmen ihrer Check-up-35-Angebote die Kosten.

Fazit

Die Bestimmung des HbA1c-Wertes ist sinnvoll, wenn schon der Verdacht auf Diabetes besteht und der Arzt seine Diagnose absichern will. Auch zur Therapiekontrolle bei Diabetikern ist der Test empfehlenswert. "Dann ist er allerdings ohnehin eine Kassenleistung", sagt Reuter. Der Test alleine, ohne medizinischen Grund, bringt jedoch wenig. Ob er Diabetes zuver­lässiger erkennt als der Nüchternblutzuckertest, ist ­bislang wissenschaftlich nicht bewiesen.