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IGeL Lichttherapie: Hier kommt die Sonne

Eine Therapie mit hellem weißen Kunstlicht soll im Herbst und Winter bei saisonalen Depressionen die Stimmung aufhellen. Wir machen den Check, ob sich diese Selbstzahlerleistung lohnt

von Dr. Achim G. Schneider, 16.12.2019
Illustration: IGeL Lichttherapie

Licht als Stimmungsaufheller: Auch frische Luft und Bewegung im Freien wirken saisonalen Depressionen entgegen


Was wird da gemacht?

Helles weißes Kunstlicht wird täglich eine halbe Stunde lang auf die Augen gestrahlt, um die Stimmung zu verbessern. Die Therapie erfolgt mit Tageslichtlampen mit einer Leistung von 10.000 Lux und kann auch zu Hause durchgeführt werden – im Idealfall gleich morgens nach dem Aufstehen.

"In der Früh lässt sich die innere Uhr am besten beeinflussen. Das sogenannte zirkadiane System des Körpers wird dadurch wieder richtig getaktet", erklärt Dr. Dietmar Winkler, Spezialist für saisonale psychische Erkrankungen an der Universitätsklinik für Psychiatrie und Psychotherapie in Wien.

Pro

  • Die unkomplizierte Therapie lässt sich meist gut in den Alltag integrieren. Ein direkter Blick in die Lichtquelle ist nicht erforderlich, deshalb können Patienten während der Sitzung lesen, essen oder am Computer arbeiten.
  • Von Nebenwirkungen oder Schäden ist bei korrekter Anwendung nichts bekannt. Wer lichtempfindlich ist oder ein Augenleiden hat, sollte die Behandlung jedoch nur mit ärztlicher Rücksprache durchführen. Manche Medikamente machen lichtempfindlicher, eventuell auch das pflanzliche Antidepressivum Johanniskraut.
  • Fachgesellschaften raten zur Lichttherapie bei leichter bis mittlerer Depression in der dunklen Jahreszeit. Sie räumen ihr den gleichen Stellenwert ein wie Medikamenten. Manche Patienten werden durch die Behandlung komplett beschwerdefrei.

Contra

  • Nicht alle Studien konnten einen günstigen Effekt der Lichttherapie nachweisen – unter anderem, weil es für die Behandlung keinen festgelegten Standard gibt.
  • Nicht belegt ist eine vorbeugende Wirkung der Selbstzahlerleistung. Manche Experten empfehlen die Lichttherapie dennoch. Dietmar Winkler: "Wer von seiner Neigung zu Winterdepressionen weiß, sollte tunlichst schon im September mit der prophylaktischen Behandlung beginnen."
  • Frische Luft sowie Bewegung im Freien wirken saisonalen Depressionen ebenfalls entgegen – und kosten nichts. Eventuell reicht das schwache natürliche Winterlicht aber nicht aus und muss doch durch Kunstlicht ergänzt werden.

Kosten

Die Sitzung in einer Praxis kostet in der Regel zwischen 7 und 13 Euro. Die Behandlung sollte über den gesamten Winter hinweg regelmäßig erfolgen. Für zu Hause braucht es eine Tageslichtlampe ohne UV-Anteil.

"Wir empfehlen Produkte, die im Abstand von mindestens 50 Zentimetern 10 000 Lux abgeben", sagt Winkler. Kostenpunkt: ab 300 Euro. Günstigere, lichtschwächere Lampen müssen näher am Kopf platziert werden, um ähnliche Effekte zu erreichen.

Fazit

Bei saisonalen Depressionen ist die Lichttherapie einen Versuch wert. Auch der kritische IGeL-Monitor, ein Expertengremium für die Einordnung individueller Gesundheitsleistungen, bewertet die Behandlung mit "tendenziell positiv". Der stimmungsaufhellende Effekt sollte nach ein bis vier Wochen spürbar sein.

Generell gilt: Menschen mit Depression sollten sich immer an einen Arzt wenden. Er stellt die Diagnose und empfiehlt die Therapie.

Individuelle Gesundheits-Leistungen (IGeL): Wichtige Fragen, die Patienten sich stellen sollten