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Neuer Test zur Darmkrebs-Früherkennung

Neue Stuhltests entdecken Vorstufen von Tumoren zuverlässiger als das bisherige Verfahren. Versicherte sollen diese Tests ab April 2017 in Anspruch nehmen können

von Dr. Achim G. Schneider, 22.11.2016
Blutuntersuchung

Die neuen Tests zeigen, wie viel Blut tatsächlich im Stuhl ist


Simpler geht es kaum, um Blutungen im Darm nachzuweisen: etwas Stuhl auf ein spezielles Filterpapier aufbringen, ein Reagens daraufträufeln und kurz warten, ob sich das Papier blau verfärbt. Viele kennen diesen Test. Seit Jahren ist er ein fester Bestandteil der Darmkrebs-Früherkennung. Er soll Blut aufspüren, das aus noch gutartigen Wucherungen (Polypen und Adenomen) in den Darm entweicht.

Doch demnächst hat der Papierstreifen ausgedient. Bessere Tests werden ihn ersetzen. Wann genau, hängt davon ab, wie schnell Krankenkassen und Ärzteschaft sich zu Einzelheiten der anstehenden Veränderungen einigen. "Wir setzen uns dafür ein, dass die neuen Tests den Versicherten möglichst schnell zur Verfügung stehen", verspricht Dr. Roland Stahl, Sprecher der Kassenärztlichen Bundesvereinigung. Spätestens im April 2017 wird es so weit sein.

Zuverlässigere Früherkennung durch immunologische Verfahren

Der Nachweis von Blut erfolgt dann mit immunologischen Verfahren. "Damit lassen sich die Wucherungen wesentlich zuverlässiger als bislang nachweisen", erklärt Professor Matthias Ebert, Leiter der II. Medizinischen Klinik an der Universitätsmedizin in Mannheim. Lag die Trefferquote für Polypen und Adenome (Geschwulste) mit dem Papierstreifentest bei unter zehn Prozent, muss sie nun mindestens 25 Prozent erreichen. Nur Produkte, die diese neue gesetzliche Vorgabe erfüllen, werden zugelassen.

Beides mag nicht besonders viel erscheinen. Doch Darmkrebs entwickelt sich langsam über viele Jahre hinweg. Wer Stuhltests in regelmäßigen Abständen wiederholt, hat gute Chancen, dass Ärzte krankhafte Veränderungen aufspüren und entfernen, bevor sie das Leben bedrohen. Ab dem 50. Geburtstag kann jeder gesetzlich Versicherte den Stuhltest zunächst einmal jährlich in Anspruch nehmen, ab einem Alter von 55 dann nur noch alle zwei Jahre. Bei dieser bislang gültigen Regelung wird es auch mit der Einführung der immunologischen Tests bleiben.

Erforderte der Papiertest die Proben von drei Stuhlgängen, genügt nun eine Sitzung. Ein weiterer Vorteil der Neuerung: Essensregeln entfallen. Lebensmittel wie Wurst, rotes Fleisch, Melonen, Blumenkohl und Meerrettich verfälschen nur die Ergebnisse der bisherigen Tests. Dafür muss man künftig etwas länger auf das Ergebnis warten. Denn statt wie bislang in der Arztpraxis erfolgt die Analyse der Stuhlprobe nun in einem externen Labor.

Neue Tests sollen Aussage über die Blutmenge ermöglich

Doch wozu der zusätzliche Aufwand? Schließlich sind bereits seit einiger Zeit immunologische Tests auf dem Markt, die in wenigen Minuten Ergebnisse liefern. Einige Kassen bieten sie ihren Versicherten sogar schon an. Die meisten Patienten müssen allerdings die Kosten für immunologische Tests bislang selbst tragen. Doch all diese Schnellverfahren haben einen Nachteil. Ob Blut im Stuhl ist, beantworten sie entweder mit Ja oder mit Nein.

Damit wollte sich das oberste Entscheidungsgremium, der Gemeinsame Bundesausschuss, nicht begnügen. Er gibt nun vor: Tests müssen auch die Blutmengen messen können. Das wiederum erlaubt es, Schwellenwerte festzulegen, die Empfindlichkeit zu verändern und Vergleiche durchzuführen. Ebert: "Davon erhoffen wir uns, dass die Zuverlässigkeit der Aussagen künftig noch besser wird."

Blut im Stuhl kann viele Ursachen haben

Ziel ist es, möglichst viele Vorstufen von Darmkrebs zu erkennen und gleichzeitig die Zahl der Fehlalarme gering zu halten. Ausschließen lässt sich Letzteres mit Stuhltests nie. Denn wird Blut nachgewiesen, kommen dafür vielerlei Ursachen infrage: etwa Entzündungen und kleine Verletzungen im Darm, Hämorriden und Zahnfleischbluten.

Ob im Darm Polypen oder Adenome wachsen, kann nur eine Spiegelung beantworten. Gastroenterologen untersuchen mit dem Endoskop die gesamte Dickdarmwand auf krankhafte Veränderungen. Finden sie Wucherungen, entfernen sie diese meist sofort mit ihrem Instrument. Die Darmspiegelung dient also zur Diagnose und zur Therapie.

Darmspiegelung bleibt die beste Methode zur Früherkennung

Stuhltests richten sich vor allem an diejenigen Versicherten, die ohne Krankheitsverdacht keine Spiegelung über sich ergehen lassen wollen. Denn bereits die Vorstellung, was dabei passiert, lässt viele davor zurückschrecken. Zwei Drittel aller Anspruchsberechtigten nutzen diese Option zur Früherkennung nicht. Dennoch bleibt die Spiegelung dafür die beste Methode. Auch immunologische Stuhltests sind kein gleichwertiger Ersatz.

Bislang hatten alle gesetzlich Versicherten ab 55 Jahre Anspruch auf eine vorsorgliche Darmspiegelung. Für Männer wird diese Altersgrenze demnächst auf 50 Jahre gesenkt. "Sie erkranken im Schnitt früher an Darmkrebs als Frauen", erklärt Dr. Klaus Koch, der am Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen das Ressort für Gesundheitsinformation leitet.

Dort werden derzeit auch Entscheidungshilfen zur Darmkrebs-Früherkennung erarbeitet. Auf dieser Basis soll künftig jeder Versicherte entscheiden, ob er den Anspruch auf Früherkennung wahrnimmt und, wenn ja, ob er dafür zunächst den Stuhltest oder gleich die Spiegelung wählt. Mit beiden Strategien lässt sich das Risiko senken, an Darmkrebs zu sterben. Ein Schicksal, das in Deutschland jährlich rund 26.000 Menschen ereilt.