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Morbus Crohn: Therapie

Mit speziellen Medikamenten lässt sich die Entzündung eindämmen und die beschwerdefreien Phasen verlängern. Geheilt werden kann Morbus Crohn jedoch nicht

27.06.2013
Frau nimmt Tablette ein

Entzündungshemmende Mittel können bei Morbus Crohn helfen


Vollständig heilen lässt sich Morbus Crohn derzeit nicht. Spezielle Arzneimittel können aber immerhin die Beschwerden lindern und die symptomfreien Phasen verlängern. Das steigert die Lebensqualität. Welche Medikamente die Erkrankten einnehmen müssen, hängt unter anderem davon ab, wie intensiv die Entzündung verläuft und welchen Bereich des Magen-Darm-Trakts die Krankheit betrifft.

Akuter Schub

Morbus Crohn im unteren Dünndarm (mit Ileozökalbefall): Kommt es im letzten Dünndarmabschnitt zu einem akuten Schub, gilt es, die Entzündung einzudämmen. Je nachdem, wie stark die Darmschleimhaut oder Darmwand betroffen ist, kommen örtlich (lokal) oder im ganzen Körper wirkende Kortisonpräparate zum Einsatz. Kortison wirkt entzündungshemmend und verhindert, dass das körpereigene Immunsystem überreagiert. Patienten müssen diese Mittel über mehrere Wochen einnehmen – bis die Beschwerden abklingen. Nur wenn der akute Schub mild verläuft, können auch schwächere Entzündungshemmer wie Mesalazin helfen.

Reichen künstlich hergestellte Kortison-Abkömmlinge wie Budesonid oder Prednisolon nicht aus, muss der Betroffene weitere Medikamente einnehmen. In diesem Fall verordnet der behandelnde Arzt Wirkstoffe wie Azathioprin oder 6-Mercaptopurin, die die Aktivität des Immunsystems eindämmen. Künstlich hergestellte Antikörper wie Infliximab, die sich gegen proentzündliche Botenstoffe (zum Beispiel TNF-alpha) im Organismus richten, kommen nur in Betracht, wenn die anderen Arzneimittel nicht ausreichend helfen. Alternativ wird das Medikament Methotrexat (MTX) als wöchentliche Spritze eingesetzt. Wichtig: Im Vorfeld sollten Patienten den Impfstatus überprüfen und gegebenenfalls auffrischen lassen. Denn durch diese Medikamente können Infektionen gehäuft auftreten.

Mit dem Rauchen aufhören

Morbus Crohn im Dickdarm (Colitis Crohn): Verläuft die Entzündung nicht zu stark, setzen Gastroenterologen Medikamente wie Sulfasalazin oder Kortison ein. Beide wirken entzündungshemmend. Verbessern sich die Beschwerden dadurch nicht ausreichend, verwenden Mediziner dieselben Arzneimittel, die in diesem Fall auch bei Befall des Dünndarms infrage kommen.

Morbus Crohn in Magen oder Speiseröhre: Betrifft die Krankheit die oberen Abschnitte des Verdauungstrakts, stellen wiederum Kortisonpräparate, die im ganzen Körper wirken (systemisch), die Mittel der Wahl dar. Zusätzlich müssen Betroffene zum Teil sogenannte Protonenpumpenhemmer einnehmen. Diese Medikamente drosseln die Bildung von Magensäure und lindern dadurch Sodbrennen. Menschen, bei denen Magen, Speiseröhre oder Zwölffingerdarm befallen ist, erleiden häufiger erneute Schübe. Hier wird direkt am Anfang mit einer Dauertherapie begonnen, etwa mit dem Wirkstoff Azathioprin.

Langzeittherapie (Remissionserhaltung, Erhaltungstherapie)

Studien zeigen, dass bei 30 bis 60 Prozent der Crohn-Patienten innerhalb eines Jahres die Krankheit erneut ausbricht. Bezogen auf zwei Jahre leiden sogar 40 bis 70 Prozent der Betroffenen wieder unter der entzündlichen Darmkrankheit. Da es sich jedoch kaum vorhersagen lässt welche Patienten einen Rückfall bekommen, folgt auf einen Schub nicht automatisch eine Dauertherapie.

Ziel der Langzeitbehandlung ist, die beschwerdefreie Phase auszudehnen und einen erneuten Schub zu verhindern. Treten Schübe gehäuft auf oder können Erkrankte  das Kortison nicht absetzen, sollte eine Dauertherapie erfolgen.

Medikamente, die verhindern, dass das Immunsystem überreagiert, können dann einigen Patienten helfen. Vorwiegend kommen dafür Azathioprin und 6-Mercaptopurin infrage. Erkrankte müssen diese Medizin für mehrere Jahre einnehmen. Wer die Arzneimittel nicht verträgt, bekommt unter Umständen Methotrexat (MTX) – meist als wöchentliche Spritze – oder oben genannte Antikörper (siehe akuter Schub) verschrieben.

Dagegen versuchen Gastroenterologen Kortison nur über wenige Wochen einzusetzen, wenn die Krankheit Beschwerden bereitet. Nehmen Menschen die Mittel über lange Zeit ein, können zahlreiche Nebenwirkungen auftreten – von erhöhtem Blutdruck bis zu Osteoporose. Für die Langzeittherapie eignet sich Kortison daher im Normalfall nicht.

Wichtig: Rauchen erhöht nicht nur das Risiko für Morbus Crohn an sich. Es begünstigt auch einen schwereren Verlauf der Krankheit: Die Entzündung bricht häufiger wieder aus und das Risiko für Osteoporose steigt an. Experten sagen, dass sich die Gefahr eines erneuten Schubs halbieren lässt, wenn Patienten auf das Rauchen verzichten. Also unbedingt damit aufhören!

Morbus Crohn an anderen Organen

Bei etwa einem Drittel aller Betroffenen tritt Morbus Crohn außerhalb des Magen-Darm-Trakts (extraintestinale Manifestation) auf. Je nachdem, ob sich Gelenke entzünden, die Haut, die Knochen oder die Augen in Mitleidenschaft gezogen werden, muss der behandelnde Arzt entsprechende Medikamente verschreiben.

Operative Maßnahmen

Bekommen Patienten den Morbus Crohn trotz Medikamenten langfristig nicht in den Griff, muss ein Chirurg unter Umständen den betroffenen Darmabschnitt herausnehmen. Auch wenn es durch die Krankheit zu Komplikationen kommt, wird manchmal eine Operation nötig. Dazu zählen beispielsweise Fisteln oder Abszesse im Darm, ein drohender Darmverschluss oder ein stark verengter Darmbereich (Stenose).

Morbus Crohn bei Kindern

Leiden Kinder an dieser Krankheit, kommen für sie im Prinzip die gleichen Medikamente in Betracht wie für Erwachsene. Problematisch ist allerdings, dass Studien zur Wirksamkeit bis jetzt in erster Linie bei erwachsenen Menschen durchgeführt wurden. Bei Kindern fehlen sie für manche Substanzen. Zudem haben Mittel, die Kortison enthalten, Nebenwirkungen, die gerade für junge Patienten gefährlich sind. Kortison verlangsamt zum Beispiel das Wachstum und wirkt sich negativ auf die Stabilität der Knochen aus. Kinder, die Morbus Crohn haben, wachsen – bedingt durch die Krankheit – ohnehin oft langsamer. Daher wird bei einem schweren akuten Schub normalerweise eine Ernährungstherapie durchgeführt. Diese besteht entweder aus Trinknahrung oder aus einer Ernährungssonde, die die Sondenkost direkt in den Dünndarm bringt.