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Immunsystem: Darmbakterien für die Abwehr

Segensreiche innere Balance: Je reger das Leben im Darm, desto fitter unsere Immunabwehr. Doch die Vielfalt des Mikrobioms ist in Gefahr

von Sonja Gibis, 01.07.2019
Illustration: Darmbakterien

Bunte Vielfalt: In und auf unserem Körper leben etwa so viele Keime, wie dieser Zellen hat


Es klingt paradox: Aufgabe unseres Immunsystems ist es, Keime abzuwehren. Doch ohne sie liegt unsere Abwehr flach. Wie vielfältig die Darmbakterien das Immunsystem beeinflussen, lässt allerdings erst die neueste Forschung erahnen.

Bekannt ist, dass der Mikrobenzoo im Darm ein Bollwerk gegen schädliche Eindringlinge bildet. Das dichte Ökosystem bietet kaum eine freie Nische. Manche Teile unserer Abwehr brauchen das Mikrobiom zudem nicht nur, um sich stabil zu entwickeln. Es dient auch als lebenslanger Trainingspartner. Fehlt dieser oder ist er nicht stark genug, hat das Folgen.

Das große Artensterben

In den Industrienationen passiert genau das. Der Mensch löst durch seine Lebensweise nicht nur ein Artensterben in seiner Umwelt aus. Auch innerhalb seines Körpers schwindet die Vielfalt. "Unser Mikrobiom verarmt", sagt Mikrobiologe Gessner. Gründe sind zum Beispiel einseitige Ernährung und der übermäßige Gebrauch von Antibiotika.

Frau isst ein Joghurt

Führende Mikrobiom-Forscher wie Professor Martin Blaser von der Universität New York  (USA) sehen darin sogar die Hauptursache für die Zunahme vieler Zivilisationskrankheiten, zu denen unter anderem Störungen des Immunsystems gehören.

Nicht ohne Folgen

"Diese Vermutung ist eine Variante der Hygiene-Hypothese", erklärt Gessner. Zu wenig äußere Feinde führen demnach dazu, dass unsere ­Abwehr eigentlich harmlose Stoffe wie Pollen attackiert. Offenbar sind die Angreifer von ­außen für das Immunsystem aber weniger wichtig als die Auseinandersetzung mit unseren Mitbewohnern. "Es lernt so, Toleranz zu entwickeln", sagt Gessner – auch gegen die ­eigenen Körperzellen.

Bunte Mikrobenwelt – Das Ökosystem im Darm besteht aus mehr als 1000 Arten. Einige Beispiele:

Vieles deutet darauf hin, dass die Darmflora bei Multipler Sklerose, Rheuma, aber auch bei  Allergien und Asthma eine Rolle spielt. "Als nahezu gesichert gilt ein Zusammenhang mit den chronisch entzündlichen Darmerkrankungen Morbus Crohn und Colitis ulcerosa", sagt Mikrobiom-Forscher Haller. Ein Probiotikum, das spezielle Kolibakterien enthält, kann Studien zufolge das Rückfallrisiko senken.

Das stärkt den Schutz

  • Ernährung: Je vielfältiger das Mikrobiom ist, desto besser für das Immunsystem. Abwechslungsreiche Ernährung mit vielen Ballaststoffen und Pflanzenfasern fördert den Artenreichtum.
  • Probiotika: Sie können bei einer Antibiotika-Therapie einer Clostridien-Infektion vorbeugen. Zum optimalen Einnahme- Zeitpunkt berät Sie Ihre Apotheke.
  • Keime zum Essen: Generell ist die Aufnahme von Probiotika gesund. Natürliche Quellen sind etwa  Joghurt, Kefir, Sauerkraut, Käse und saure Gurken.