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Gluten in Medikamenten: Was tun?

Wer Gluten nicht verträgt, also eine Zöliakie hat, muss wissen: auch in Arzneimitteln und Kosmetika kann das Klebereiweiß stecken

von Dr. Martina Melzer, 08.05.2019

Gluten ist das Klebereiweiß, das in Weizen, Gerste, Roggen, Dinkel, Einkorn und Emmer vorkommt. Menschen mit Zöliakie vertragen kein Gluten. Kommt es mit der Dünndarmschleimhaut der Betroffenen in Kontakt, entsteht dort eine Entzündung, die zu Beschwerden und Folgekrankheiten führen kann. Wer Zöliakie hat, muss Gluten lebenslang meiden. Doch das Eiweiß steckt nicht nur in glutenhaltigem Getreide und vielen anderen Lebensmitteln. Es findet sich zum Teil auch in Medikamenten, Mund-, Zahnpflege- und Kosmetikprodukten.

Weizenstärke als Füllstoff in Tabletten

Weizenstärke enthält Gluten und dient manchmal als Füllstoff in Medikamenten. So benötigen Pharmahersteller Substanzen wie Cellulose, Milchzucker oder Stärke, um die oft geringe Wirkstoffmenge mit solchen Stoffen aufzufüllen und anschließend zu einer Tablette oder Ähnlichem zu pressen. Die Deutsche Zöliakie Gesellschaft (DZG) weist daraufhin, dass Gluten nicht nur in Tabletten, sondern auch in Pulvern, Dragees, Säften und Nasentropfen stecken kann.

Da solche Arzneiformen in den Magen-Darm-Trakt gelangen, können sie bei Betroffenen Beschwerden auslösen. Arzneien, die ausschließlich vor Ort wirken, zum Beispiel Zäpfchen, gelten als unbedenklich. "Weizenstärke findet man am häufigsten in homöopathischen Tabletten", sagt Dr. Wolfgang Kircher, Apotheker aus Peißenberg.

Dr. Wolfgang Kircher

Im Zweifel beim Hersteller nachfragen

Kommt zu ihm ein Patient oder eine Patientin mit der Glutenunverträglichkeit in die Apotheke und weist ihn auf die Krankheit hin, überprüft Kircher die Inhaltsstoffe der Medikamente. "Auch hinter Begriffen wie Weizendextrin oder Weizenprotein verstecken sich glutenhaltige Substanzen", erklärt er. Das Problem: Kommt Gluten als Bestandteil von Aromen oder Ähnlichem im Arzneimittel vor, muss es in der Liste der Zutaten nicht aufgeführt werden. Deshalb gilt im Zweifel: den Hersteller kontaktieren und nachfragen.

Bekommen Menschen mit Zöliakie Medikamente vom Arzt verschrieben, sollten sie ihn unbedingt auf die Krankheit hinweisen – sofern dies dem Arzt oder der Ärztin nicht bereits bekannt ist. Der Arzt kann dann – so, wie es Apotheker Kircher macht – in einer Datenbank nach der Zusammensetzung der Arznei suchen und ein geeignetes Mittel verschreiben. Wichtig: Auf dem Rezept sollte an entsprechender Stelle, dem aut-idem-Kästchen, vermerkt sein, dass das Präparat nicht gegen ein anderes ausgetauscht werden darf.

Gluten auch in Kosmetika und Hygieneprodukten

In Zahncremes, Mundspülungen, Lippenstiften und vergleichbaren Produkten kann im Einzelfall ebenfalls Gluten vorkommen. Auch hier kann das Eiweiß in den Verdauungstrakt gelangen und bei Zöliakiepatienten die Dünndarmschleimhaut angreifen. Zwar müssen die Hersteller alle Inhaltsstoffe auf der Verpackung angeben, doch sind die Begriffe manchmal etwas schwer verständlich formuliert. Wer sicher gehen will, sollte sich bei der DZG erkundigen. Sie führt – zumindest für Mitglieder – eine Liste mit glutenfreien Kosmetika und Hygieneartikeln, die regelmäßig aktualisiert wird. Alternativ lohnt der direkte Kontakt zum Hersteller.